Paradise lost

„Wo die Freiheit wohnt, da ist mein Vaterland“, schrieb einst der englische Dichter John Milton. Dieser Philosophie folgen wohl auch zahlreiche große Konzerne, die seit vielen Jahren überaus konsequent ihre Gewinne ins Ausland am Fiskus vorbeischieben, um daheim keine Steuern zahlen zu müssen. Allein Deutschland entgehen auf diese Weise jährlich rund 17 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, was die Affäre um die „Paradise Papers“ jüngst gezeigt hat.

Die auf geleakten Dokumenten beruhende Recherche der Süddeutschen Zeitung hat die Türen zu einem bisher geschützten Reich aufgestoßen, in dem Nike und Apple, Gerhard Schröder, die Queen und U2-Frontsänger Bono gemeinsam in aller Ruhe und Geborgenheit ihre Steuern auf Niedrig-Niveau schrumpfen lassen.

Architekten dieses Paradieses sind zweifelhafte Kanzleien wie Appleby. Sie bauen auf dem Fundament wohlwollender Gesetze und clever ausgenutzter Schlupflöcher eine Welt außerhalb des Rechts für Superreiche, in der Diebstahl nicht strafbar ist und schlechtes Gewissen nicht existiert. Doch die „Paradise Papers“ haben gezeigt: Irgendwann kommt die Wahrheit ans Licht. Kein Paradies hält ewig – das wissen wir bereits aus der Bibel.

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