Autor: Dirp Scherp

344 Seiten, gebunden
Euro 54,00
ISBN  978-3865562463
Bank-Verlag Köln 2011


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Gastrezension von Thorsten Schmidt

Das F-Wort ist in aller Munde. Gesetzgeber, Regulatoren, Abschlussprüfer verlangen von Instituten umfassende Regeln im Umgang mit Fraud. Was aber ist Fraud im Kontext eines deutschen Instituts? Dirk Scherp liefert einen Ratgeber, der sich grob wie folgt gliedert:

  • Bekämpfung strafbarer Handlungen (Begriffsabgrenzungen, § 25c KWG, Verhältnis zur Geldwäsche)
  • Definition und Beispiele strafbarer Handlungen (Motive, Täter)
  • Prävention (Mittel zur Verhinderung von Fraud)
  • Ermittlungen (Aufklärung eingetretener Fraudfälle)

Dirk Scherp ist Jurist, und das merkt man dem Text an. Der Autor gefällt sich in der Auslegung von Gesetzeswortlauten und Normen und nicht selten ist das Ergebnis eine Position, der in der Literatur auch eine kontroverse Sichtweise gegenüberstehen wird. Dennoch ist das Buch gut lesbar. Den teilweise etwas juristisch geprägten Schreibstil mag man als Schwäche des Buches sehen, jedoch bezieht Scherp klar Position, nennt nicht nur die abstrakte Anforderung sondern liefert eine Interpretation, die eine praktische Umsetzung ermöglicht und hebt Problembereiche hervor. Das ist in meinen Augen eindeutig die Stärke dieses Buches. Nur ein Bespiel ist die Abgrenzung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten, sowie die daraus resultierenden Fallstricke, die im angloamerikanischen Sprachgebrauch weitgehend untergeht.

Ferner liefert Scherp Hinweise, wie die gesetzlich geforderte zentrale Stelle organisatorisch bei Instituten verschiedener Größe angesiedelt werden kann, stellt in Einzelfällen Mustertexte oder Prozeduren vor, ohne jedoch dem Leser vorzugaukeln, dass mit einer Checkliste das Problem zu lösen ist.

Das Buch ist ein deutsches Buch und widmet sich den Besonderheiten im deutschen Rechtsraum. Vereinzelt finden sich Querverweise auf entsprechende Regelungen in anderen Ländern, ohne jedoch die weitreichenden Anforderungen, zum Beispiel des UK Bribery Actes, hier explizit zu behandeln. Ferner wird, um ein weiteres Beispiel zu nennen, Whistleblowing als Mittel der Fraudprävention dargestellt, jedoch finden sich keine Hinweise auf die erheblichen Auswirkungen von Dodd-Frank in diesem Bereich.

Fazit:
Für 54 € erhält man einen Ratgeber, der die oft unspezifischen angelsächsischen Termini in den deutschen Rechtsraum transferiert und auf die damit einhergehenden Probleme nicht nur hinweist, sondern auch Lösungen anbietet. Wer nicht auf eine Interpretation globaler Regelungen angewiesen ist, ist bei diesem Buch gut aufgehoben.

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