Er war der Kanzler mit den meisten Scheidungen und nun ist er der Ex-Kanzler mit den „schnellsten“ Memoiren. Dass seine Memoiren

schon so kurz nach seinem letzten Amtstag als Kanzler auf den Markt kommen, kann viele Gründe haben. Entweder er hatte es eilig, für ein bisschen Stimmung im politischen Lager zu sorgen oder er hatte nicht viel zu sagen. Wenn Letzteres zutrifft, dann

hat er es gut auf über 500 Seiten gestreckt. Obwohl das Buch mit dem Titel „Entscheidungen. Mein Leben in der Politik“ erst am Donnerstag in die Bücherregale kommt, gab es schon gestern in den Online-, Print- und TV-Medien eine riesige Schlacht, denn ein paar Auserwählte, wie Kurt Beck oder „Schimansky“, durften das Werk bereits lesen und die Bildzeitung bereits ein paar Zeilen

abdrucken. Die Frankfurter Rundschau titelt: „Schröder rechnet mit den Gewerkschaften ab“. In der Tat gibt er ihnen und dem linken Lager seiner eigenen Partei die Schuld an seiner letzten Wahlniederlage. Also das Buch eines schlechten Verlierers?

Die Gewerkschaften wehren sich sogleich vehement und weisen jegliche Schuld von sich. „Nicht wir haben die Wahl verloren, sondern Gerhard Schröder hat die Wahl verloren“. Auch unsere aktuelle Kanzlerin bleibt nicht verschont. Führungsschwäche

lautet das Urteil ihrers Vorgängers. Und zur Freude einer grossen Koalition geben ihm gestern im Fernsehen sogar ein paar Politiker

der SPD Recht. Da macht die Zusammenarbeit in einer Koalition ja richtig Spaß. Kurt Beck findet das Buch sehr gut, „man könne es an einem Abend durchlesen“. Schnellleser? Oder bis in die frühen Morgenstunden gelesen und am nächsten Tag im Landtag blaugemacht? Auch Götz George durfte schon lesen, denn er ist die Wunschbesetzung für die Rolle des Kanzlers, sollte es zu einer Verfilmung kommen. „Aber keine Angst“ sagt Schrörder selbst, „für einen Film würde es nicht reichen.“ Gott sei Dank! Alle anderen sind Schuld, seine Tätigkeit bei Gazprom ist völlig in Ordnung, Deutschland hat ein bisschen Medienrummel und ganz still und heimlich verabschieden sich mehr Deutsche aus dem Land als je zuvor, gibt es immer noch mehr neue Gesetze, als alte abgeschafft werden. Sitzen Jugendliche immer noch auf der Strasse, weil sie keine Lehrstelle bekommen, gibt es immer noch Kinder deutlich

unterhalb der Armutsgrenze, und so weiter und so fort. Was muss noch passieren, damit es echte eformen in Deutschland gibt?

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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