Wie wird es 2017 weitergehen? Kaum anders… Politische Institutionen werden erneut entscheidende Weichen stellen. Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin den geldpolitischen Aktionen der global bedeutenden Notenbanken โ neben der EZB und der Fed insbesondere auch der Bank of Japan (BoJ) und der Bank of England (BoE). Stichwort Groรbritannien: Die Verhandlungen zur Umsetzung des Brexit-Votums dรผrften fรผr einige Schwankungen bei Wรคhrungen und Aktien sorgen. Des Weiteren wird Donald Trump sein Amt als 45. US-Prรคsident antreten und mit Sicherheit die Kurse bewegen. Hinzu kommen die anstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland mit entscheidender Bedeutung auch fรผr Europa. Und dann sind da auch noch die uns schon seit Jahren begleitenden Dauerthemen der Euroland-Staatsschuldenkrise, der politischen Auseinandersetzung mit Russland und de erstarkenden Populismus in vielen Staaten der Welt. Untermalt wird dieses Bild von einem nur moderaten globalen Wirtschaftswachstum.
Vor diesem Hintergrund sind die Aussichten fรผr die Kapitalmรคrkte nur verhalten. An den Bรถrsen dรผrften deutsche und europรคische Aktien noch am ehesten von der weiter extrem expansiven Ausrichtung der EZB und den daraus resultierenden Niedrigzinsen profitieren. Zudem wird das weiter steigende US-Zinsniveau fรผr eine Abschwรคchung des Euro im Vergleich zum US-Dollar sorgen, wodurch exportorientierte europรคische Unternehmen Anschub bekommen. Im Umkehrschluss werden US-Unternehmen dadurch belastet.
Besonders spannend ist die Frage, wie die ersten Monate unter dem neuen US-Prรคsidenten von der Bรถrse interpretiert werden. Den Chancen sinkender Unternehmenssteuern und steigender Infrastrukturausgaben stehen die Risiken eines zunehmenden Protektionismus und einer allgemeinen politischen Unsicherheit aufgrund der bekannten Trumpโschen Unberechenbarkeit gegenรผber. Deswegen und aufgrund der relativ hohen Bewertungen der US-Aktien messen wir diesem Segment kaum Kurssteigerungspotenzial zu.
Notenbanken im Blick โ Was tun, wenn die Inflation zurรผckkommt?
In den vergangenen Wochen wurden weder von der Fed noch von der EZB Leitzinsรคnderungen beschlossen. Fรผr viele รผberraschend gab es bisher auch noch keine Antwort auf die Frage, ob, und wenn ja, in welcher Weise die EZB das noch bis Mรคrz 2017 laufende Wertpapierkaufprogramm verlรคngern wird. Mit einer abrupten Beendigung der Ankรคufe ist indes nicht zu rechnen. Schlieรlich sind die drei Hauptargumente fรผr die extrem expansive Geldpolitik der EZB โ die Gefahr einer Deflation, das schwache Wirtschaftswachstum in der Eurozone sowie die anhaltend hohe Staatsverschuldung der Eurostaaten โ noch immer akut. Somit ist bei Bundesanleihen mit kurzen Laufzeiten auch weiterhin kein Ende der Negativzinsphase absehbar. Bei lรคngeren Laufzeiten hingegen stiegen die Zinsen seit Ende September von minus 0,15 Prozent p.a. auf รผber plus 0,30 Prozent p.a. (10-jรคhrige Bundesanleihe) an. Die absolute Rendite hat sich damit zwar nur wenig verรคndert. Die Auswirkung dieser Zinsbewegung auf bestehende Anleiheportfolios war jedoch deutlich spรผrbar. Bekanntlich passen sich die Renditen von Anleihen durch Kursgewinne oder Verluste dem jeweiligen Zinsniveau an, wenn die Marktzinsen schwanken. Steigende Zinsen haben sinkende Kurse zur Folge. In Nullzinszeiten kรถnnen diese Kursverluste dabei kaum von laufenden Zinsertrรคgen abgemildert werden.
Ursรคchlich fรผr den Zinsanstieg waren รผberraschend hohe Inflationsraten in Deutschland im September (0,7 Prozent gegenรผber dem Vorjahresmonat) und Oktober (0,8 Prozent gegenรผber dem Vorjahresmonat). Preisniveausteigernd wirkten sich vor allem die erhรถhten Energiekosten im Zuge eines anziehenden รlpreises aus. Selbst bei stagnierenden Rohรถlnotierungen sorgt der Vorjahresvergleich noch bis April 2017 fรผr hรถhere Inflationsraten. Zusรคtzlich preistreibend wรผrde ein schwรคcherer Euro รผber teurere Importe wirken. Gegen eine darรผber hinaus weiter steigende Inflation spricht zwar grundsรคtzlich die nach wie vor fehlende Dynamik bei der Kreditvergabe in Deutschland und Europa. Sollten die gestiegenen Inflationsraten jedoch fรผr allgemein hรถhere Inflationserwartungen sorgen und in diesem Zuge auch Lรถhne und Produzentenpreise anziehen, wรคren weiter steigende Zinsen wahrscheinlich. Um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefรคhrden und keine neue Staatsschuldenkrise zu provozieren, ist sogar davon auszugehen, dass die EZB ein temporรคres รberschieรen der Inflation รผber ihren Zielbereich von nahe bei aber unter zwei Prozent hinaus tolerieren wรผrde. Ob diese Zweitrundeneffekte tatsรคchlich entstehen, kann heute jedoch noch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.
Liquiditรคt ist bei Nullzinsen und steigender Inflation keine Option
Daher sollten Anleiheinvestoren in den kommenden Monaten besonders die Entwicklung der Inflation beobachten. Wenn die langfristigen Zinsen weiter ansteigen sollten, wรคren empfindliche Verluste die Folge. Diese lassen sich nur durch ein wirkungsvolles Risikomanagement vermeiden. Zudem bieten sich als zusรคtzliche Sicherung Investments in inflationsindexierten Anleihen an. Generell kommt einer breiten Risikostreuung รผber verschiedene Anlageklassen eine groรe Bedeutung zu. Dabei sollten neben Aktien und Anleihen auch Rohstoffe und alternative Investments eine Rolle spielen. Wichtig ist, diese aktiv zu managen, um unerwรผnschten Entwicklungen rechtzeitig entgegenwirken zu kรถnnen.
Carsten Mumm leitet die Abteilung Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL. Er verantwortet die Erstellung der hauseigenen Kapitalmarktmeinung und kapitalmarktrelevanten Publikationen. Im Zuge der Fusion der beiden Bankhรคuser Conrad Hinrich Donner in Hamburg und Reuschel & Co. Privatbankiers in Mรผnchen im Jahr 2010 fรผhrte er die beiden Asset-Management-Einheiten zusammen. Der gelernte Bankkaufmann und studierte Diplom-Volkswirt ist seit 1998 im Bereich Kapitalanlage beschรคftigt. 2006 qualifizierte er sich zum Chartered Financial Analyst.

