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Wenn ich in Deutschland mit Sparern und Anlegern zusammentreffe, dann dauert es gewöhnlich nicht lange, bis jemand fragt, ob man nicht Gold kaufen solle. Mir scheint dies eine typisch deutsche Frage zu sein, denn in den Vereinigten Staaten, wo ich bereits seit fünfzehn Jahren lebe, ist mir die Frage nie begegnet. Und der Vergleich zwischen dem Erwerb von Gold mit der Beteiligung an Unternehmen durch Aktien kommt den Amerikanern in etwa so vor wie die Wahl zwischen dem Kauf einer Garage und eines Autos. Die Garage erwirbt man, weil man sich vor gewissen Dingen schützen will (Einbruch, Wetter etc.), während man das Auto erwirbt, um voran zu kommen.

Krisenschutz ist kein sinnvolles Anlageziel

Bild mit freundlicher Genehmigung von gold.de

Und tatsächlich scheint die in Deutschland erstaunlich stark verbreitete Neigung zum Gold auf mehr oder minder diffusen Ängsten zu beruhen. Denn das auch bei sogenannten Profis zu hörende Pro-Argument für Gold läuft schlussendlich darauf hinaus, dass der Kurs des Edelmetalls im Fall des Auftretens einer Krise stabiler verläuft, als dies bei den klassischen Anlageformen der Fall ist. Man könnte, technisch gesprochen, von einem Diversifikationsnutzen im Krisenfall reden. Gewiss ist diesem Argument nicht zu widersprechen, jedoch ist der Krisenschutz gar kein sinnvolles Anlageziel. Für die allermeisten Sparer dürfte Vermögensmehrung an erster Stelle der Zielhierarchie stehen. Dabei wird angestrebt, das Ersparte möglichst produktiv arbeiten zu lassen.

Vergleicht man nun die gängigen Anlageformen auf ihre diesbezügliche Eignung, so zeigt sich, dass von produktivem Arbeiten eigentlich nur bei der Unternehmensbeteiligung – sprich Aktie – gesprochen werden kann. Bei Zinsanlagen handelt es sich um schriftliche nominale Rückzahlungsversprechen mit periodischer oder endfälliger Zinsentlohnung. Produktiv ist daran für den Gläubiger – den Sparer – nichts und arbeiten tut das Geld für ihn ebenso wenig. Bei Mietimmobilien erzielt der Anleger einen Mietzins und ggf. einen Verkaufsgewinn, wenn er sich von dem Objekt trennt. Das Objekt aber ist immobil und arbeitet nicht. Ganz anders sieht es bei der Unternehmensbeteiligung in Form von Aktien aus. Unternehmen versuchen, aus den ihnen anvertrauten Eigenmitteln Mehrwert zu erwirtschaften, indem Produkte erfunden und vermarktet werden, Prozesse verbessert, Marktanteile gewonnen und Expansionsstrategien verfolgt werden. Nur hier arbeitet das Geld des Sparers im wahrhaftigen Sinne. Sofern dieses Arbeiten zu den angestrebten Werterhöhungen führt, besitzt der Aktionär Aussicht auf Kursgewinne und Ausschüttungen.

Und wie sieht es nun beim Gold aus? Gold bleibt in seiner physikalischen Substanz über die Zeit hin unverändert, sodass von Arbeiten im Sinne einer tätigen Veredelung überhaupt nicht die Rede sein kann. Insofern kann Gold auch nicht wertvoller werden, es sei denn, neue wirtschaftliche Verwendungsmöglichkeiten würden entdeckt. Als Anlage, mit welcher man Vermögensaufbau betreiben kann, scheidet Gold damit automatisch aus. Die innere Renditegenerierung aus Zins, Miete, oder Dividende fehlt völlig.

Vermögen entstehen nicht aus Zinsanlagen oder Goldkäufen

An dieser Stelle ist es sinnvoll, sich vor Augen zu führen, wie Vermögen überhaupt entsteht. Schaut man sich, um des Lerneffektes willen, die Rangliste der reichsten Menschen an, so lässt sich sogleich der allen gemeinsame Nenner für ihre großen Vermögen finden. Schon ein erster flüchtiger Blick lässt erkennen, dass hinter sämtlichen großen Vermögen wirtschaftliche Betätigung in Unternehmen steckt. Diese Regel gilt offenbar weltweit, wenn man an Carlos Sim aus Mexiko (Telefonos Mexicos), Warren Buffet (Berkshire Hathaway), Jeff Bezos (Amazon), Ingvar Kamprad (IKEA), Bill Gates (Microsoft), die Aldi Brüder aus Deutschland oder Omancio Ortega (Zara, Inditgex) aus Spanien denkt. Unzählige weitere Namen aus aller Welt könnten diesen Listen entnommen werden. Auffällig an solchen Listen ist, dass keine der in solchen Listen zu großem Reichtum gelangten Personen dies etwa durch Zinsanlagen oder Goldkäufe geschafft hat. Zufall ist das nicht!

Das Gold keine Alternative zur Aktienanlage ist, wird auch an einem Gedankenexperiment deutlich. Wenn ein Anleger 100.000 Euro anzulegen hat, dann kann er dieses Geld vollständig in Aktien investieren, ohne dabei auf Streuung oder jährliche Erträge zu verzichten. Aktien gibt es nämlich auf nahezu allen Erdteilen, in vielen Sektoren, etlichen Branchen und von zahlreichen Unternehmen, die obendrein noch in verschiedenen Währungen domizilieren und mannigfachen Größenklassen zuzuordnen sind. Für die Goldanlage gilt dies nicht, denn hier ist der Anleger ungestreut an die Goldpreisentwicklung gekoppelt. Sieht man von den offenkundigen weiteren Problemen der Goldanlage wie z.B. Kosten, geringe Liquidität und nicht gegebene fundamentale Bewertbarkeit ab, so lässt sich immerhin durch den Erwerb von Goldminen-Aktien ein Kompromiss zwischen Aktien und Gold finden. Gleichwohl hängen solche Aktien ihrerseits wesentlich von der Goldpreisentwicklung ab. Im Rahmen eines gestreuten Aktienportefeuilles sollten Rohstoffaktien durchaus bedacht werden, wobei nützlicheren Rohstoffen wie z.B. Kupfer, Palladium, Lithium und vor allem Energie oft der Vorzug zu geben ist.

Im Ganzen ist der Erwerb von Gold eher eine psychologische als eine ökonomische Angelegenheit, weil es dabei in erster Linie um Angst und damit Massenpsychologie geht. Angesichts der sehr eingeschränkten wirtschaftlichen Bewertbarkeit von Gold kommt es bei einer Anlage zentral auf die Einschätzung der Marktpsychologie an, denn Zahlungsströme sind bekanntlich nicht mit der Goldanlage verknüpft. Auf diesen Unterschied zwischen einem Investment (Aktien, Immobilien, Anleihen) und einer Spekulation hat der bekannte britische Nationalökonomen John Maynard Keynes bereits vor einem Jahrhundert hingewiesen. Freilich ist gegen derartige Spekulationen nichts einzuwenden, denn der Ahnherr der fundamentalen Aktienanalyse – Benjamin Graham – spricht ausdrücklich von der Existenz intelligenter Spekulationen. Entscheidend aber bleibt, dass sich Sparer über diesen Unterschied im Klaren sind, bevor sie ihre Anlageentscheidungen treffen

Gold als Währungsersatz

Schließlich soll noch ein Blick auf die aktuellen strukturellen Gefahren geworfen werden, die den Goldhimmel erheblich verdunkeln. Vielen Experten gilt Gold nicht als Investment, jedoch als Währung. Dieser Auffassung kann man sich anschließen, wiewohl dann Gold keine sehr handliche Währung ist. Es gibt gute Gründe, warum Papiergeld viel besser zum Warenaustausch und für Transaktionen geeignet ist als physisches Gold. Gleichfalls sind die inflationären Tendenzen des Geldes wohlbekannt. Seit einigen Jahren lässt sich aber das Aufkommen sogenannter Kryptowährungen beobachten, die für sich in Anspruch nehmen, den Nachteil beliebiger Vermehrbarkeit des Fiat-Geldes nicht zu besitzen. Sollte sich das Digitalgeld durchsetzen und tatsächlich frei von den Nachteilen des Papiergeldes sein, dann droht dem Gold der Verlust seines Status als Währungsersatz. Was dies für die Gold-Spekulation heißen würde, kann sich jeder Anleger ausmalen.

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