Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 5. August 2010 !

  • Ah, Yen robbt: Japanische Währung nahe 15-Jahres-Hoch, Furcht vor Interventionen bremst Anstieg
  • Schwein steigt: US Konjunkturdaten besser als befürchtet, aber alle warten auf den Arbeitsmarktbericht morgen
  • Müllers Lust: Trichet möchte die Exit-Strategie wie geplant umsetzen, wird hierzu aber heute wohl schweigen

Teenie-Alarm auf der Autobahn: In Deutschland wird der Führerschein mit 17 eingeführt. Ab 2011 dürfen bereits 16½jährige mit ihrer Führerscheinausbildung beginnen. Fahren dürfen die Pampers-Schumis aber nur in Begleitung eines Erwachsenen. Dieser muss mindestens 30 Jahre alt sein und darf höchstens 0,5 Promille im Blut haben. Bereits vor einem Monat wurde angeregt, 15jährigen das Fahren mit tempobegrenzten Quads zu erlauben – aber nur, falls das Kind stubenrein ist und die Grundschule erfolgreich abgeschlossen hat. Im Investmentbanking bleibt dagegen alles beim Alten: Bondhandel ist auch in Begleitung angetrunkener Erwachsener erst ab 18 Jahren erlaubt. Und im Währungsgeschäft liegt das Mindestalter bei 23 Jahren – ein Nachweis über den erfolgreichen Besuch einer Volksschule ist erwünscht, jedoch keine Bedingung…

Vor vielen Jahren hat man mir mal erzählt, Währungshändler sollen nicht denken, sondern handeln. Fängt ein FX-Trader an zu denken, ist der attraktive Kurs bereits futsch. Analysten zählen sich zu den Dichtern und Denkern und würden daher wohl einen katastrophalen Händler abgeben. (Der Karriereabstieg vom Händler zum Analysten ist hingegen barrierefrei jederzeit möglich.) Insofern tun sich Analysten naturgegebenermaßen schwer, die jüngsten Wechselkursentwicklungen richtig einzuordnen: Erst fällt EUR-USD wie ein Stein von 1,50 auf unter 1,20. Dann steigt der Wechselkurs ebenso dynamisch wider um 10% auf über 1,30. Nachdem sich EUR-USD nun in der Region knapp oberhalb von 1,30 eingenistet zu haben scheint, gilt das Augenmerk dem japanischen Yen: positive Meldungen aus der japanischen Wirtschaft sind ungefähr so häufig wie 14jährige Führerscheinbesitzer. Es herrscht Deflation, der Leitzins steht faktisch auf Null und 10jährige Anleihen rentieren mit einem Prozent. Wo jede "normale" Währung ins Bodenlose stürzen würde, schickt sich der Yen an, gegenüber dem USD ein 15-Jahres-Hoch zu erreichen. Seit jeher gelten für die japanische Währung andere Maßstäbe: Die Stärke der US-Wirtschaft, daraus abgeleitet der generelle Risikoappetit der Anleger, daraus abgeleitet das Rein-in-und-Raus-aus Carry-Trades. Gestern fiel USD-JPY zwischenzeitlich bis auf 85,33. Letzten November hatten wir mal kurz 84,83 gesehen. Das 15-Jahres-Tief liegt bei 79,75. Die starke heimische Währung macht den japanischen Exporteuren zu schaffen. Die Deflation lässt sich mit einer solch starken Währung (+10% ggü. dem USD seit Anfang Mai) kaum erfolgreich bekämpfen. Im Markt wird daher erwartet, dass die Zentralbank im Bereich zwischen 80 und 85 zugunsten eines schwächeren Yen intervenieren wird. Alleine die Aussicht auf mögliche Zentralbankinterventionen dürfte einen weiteren Anstieg des Yen kurzfristig bremsen. Sagt der Analyst. Aber holen Sie sich sicherheitshalber von einem Händler noch eine zweite Meinung ein…

Wo wir gerade bei asiatischen Währungen sind: Was macht eigentlich der chinesische Yuan? Dieser hatte sich nach der mit großem Brimborium angekündigten teilweisen Freigabe Mitte Juni gegenüber dem US Dollar um volle 0,9% aufgewertet. Seit fünf Wochen tut sich in USD-CNY nichts mehr. China macht anderweitig Schlagzeilen: die staatliche Aufsicht hat die Banken aufgefordert, einen Stresstest durchzuführen, in welchem von einem Einbruch der Immobilienpreise um bis zu 60% ausgegangenen wird. Doom & Gloom Fürsprecher sehen sich in ihren Warnungen vor einem Platzen der chinesischen Immobilienblase bestätigt. Die globale Finanzwelt zuckte gestern ob der 60%-Meldung kurz, ließ sich bislang jedoch nicht nachhaltig beeindrucken.

Ansonsten konnten gestern die US Konjunkturdaten das befürchtete Untergangsszenario für die USA nicht bestätigen. Entwarnung kann allerdings frühestens nach dem morgigen Arbeitsmarktbericht gegeben werden. Heute widmen wir unsere Aufmerksamkeit der EZB Pressekonferenz (14:30h). Jean-Claude Trichet wird den Stresstest kommentieren, die Stabilität des Bankensystems huldigen, die Wirtschaftsentwicklung loben – aber wahrscheinlich nichts zur sog. Exit-Strategy sagen. Organisatorisch könnte der EZB-Präsident ankündigen, dass Volkswirte in seinem Haus mindestens 29 Jahre alt sein müssen und Analysen ausschließlich in Begleitung ihrer Mutter verfassen dürfen…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

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