Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 15. Juni 2010! 

  • Anfeuern: "Schlandschaft" gewinnt den Wettbewerb um die treffendste Bezeichnung für die Deutsche Elf
  • Befeuern: China begründet die Lockerung der Wechselkursbindung des Renminbi mit "stabiler Wirtschaft"
  • Abfeuern: Stresstest-Ergebnisse werden erst im Juli veröffentlicht; Gerüchteküche bleibt heiß

Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Das sind elf Silben – unaussprechlich. Also bat ich Sie am Freitag um Vorschläge für ein griffigere Bezeichnung. Vielen Dank für weit über 100 Einsendungen. Die meisten Ideen spielten mit dem Bundestrainer (Jogis Jungs, Jogis Löwen, Löwen etc.) – nur: diese Bezeichnungen könnten bereits am Mittwoch Abend Makulatur sein. Langlebiger erscheinen Namen, die sich an unserem Wappentier orientieren (Adler, Adolars, German / White Eagles). Auch Beckenbauer wird bemüht (Kaisers Enkel) oder das Kürzel DFB (Die Fußi-Boys). Die Österreicher beteiligten sich auch fleißig an der Umfrage (Knorkis, Piefkes, Deitschn). Nach dem Spiel gegen Serbien gingen auch noch einige Vorschläge ein (Jogis Gurkentruppe, Eintagsfliegen, Brainless Ballaballas). Schön fand ich auch "Die ohne Ballack", "Hofbräu", "Jungs", "Mannschaft" oder einfach "Wir". Nicht zu toppen erscheint jedoch die Verbindung mit Lena: "Schland" und "Schlandschaft" sind zwar nicht ganz einfach zu prononcieren, mit ein bisschen Übung (Mittwoch!) sollten wir das aber alle hinbekommen.

Also: Der Schlandschaft steht am Mittwoch ein Stresstest bevor. In Berlin wird intensiv an einem Rettungspaket für die Gruppe D gearbeitet, weil der stimmungspolitische Transmissionsmechanismus nach dem Spiel gegen Serbien dysfunktional erscheint. Dabei wird auf die Erfahrungen mit den anderen Rettungspaketen der vergangenen Monate zurückgegriffen. Und noch ein weiteres Stützungspaket steht uns ins Haus: Eines für Finanzinstitute, die nach Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse von den Märkten in die Mangel genommen werden. Für diesen Fall soll eine Art Backstop-Facility bereitstehen, die wohl notfalls kurzfristig Eigenkapitalspritzen bereitstellen und damit die europäische Bankenlandschaft vor einer Systemkrise bewahren soll. Die Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse für 25 große international operierende Institute soll in der zweiten Juli-Hälfte erfolgen. Zusätzlich wird ein erneuter Stresstest anvisiert, in welchen dann auch kleinere Institute einbezogen werden. Im Vorfeld hat EU Wettbewerbskommissar Almunia bereits die Gerüchteküche angeheizt: Einige Banken könnten noch Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen, sagte Almunia in der FAZ. Explizit verweist er auf "einige spanische Sparkassen sowie griechische Banken". Da dürfte in den kommenden Tagen noch die eine oder andere Sau durchs Dorf gejagt werden.

Davon abgesehen sollte die Stimmungslage in den kommenden Tagen jedoch tendenziell eher positiv sein. Grund hierfür ist eine Entscheidung der chinesischen Zentralbank vom vergangenen Samstag. Demnach strebt China ab sofort eine "höhere Wechselkursflexibilität" ihrer Währung, dem Renminbi, an. Diese Maßnahme kommt zeitlich-strategisch sehr günstig unmittelbar vor dem G-20 Gipfel in Toronto am kommenden Wochenende. Dabei ist es weniger die Entscheidung selbst als vielmehr die Begründung, welche die Anleger rund um den Globus frohlocken lassen dürfte: Die Erholung der chinesischen Wirtschaft erscheint nun "stabiler". Dies erlaube es, den im Sommer 2008 unterbrochenen Prozess der graduellen Wechselkursfreigabe wieder aufzunehmen. Seit zwei Jahren dümpelte USD-CNY zwischen 6,82 und 6,84 herum. Heute früh fällt der Wechselkurs auf 6,8030. Als direkte Folge dürfte sich der US Dollar auf breiter Front etwas abschwächen, AAA-Staatsanleihen könnten sich aus Furcht vor einem langsameren Aufbau chinesischer Währungsreserven abschwächen. Allerdings: Es dürfte nun, in der Hoffnung auf langfristige Währungsgewinne, jede Menge spekulatives Kapital nach China ziehen. Das könnte den Aufbau von FX-Reserven sogar noch beschleunigen. Kurzfristig zieht aber auch die Argumentation über die Stimmungsschiene. Bessere Laune heißt: US Dollar und AAA-Anleihen schwächer.

Der Ifo-Index, das Datenhighlight dieser Woche (Dienstag), dürfte die Stimmung dagegen eher etwas drücken. Erwartet wird der zweite Rückgang in Folge. Ansonsten ist der Datenkalender eher dürr, und auch der Auktionseifer in den Peripheriestaaten ebbt mal etwas ab. Lediglich Portugal plant für Mittwoch eine kleine Aufstockung ihres 5J-Bonds. Somit bleiben für diese Woche vier große Themen: China, Stresstests, G-20 – und Schlandschaft.

Purpsis Eckball:
Nach Zidane (2006) und Anelka (2010) heißt es jetzt bei TV-Übertragungen von Spielen der Équipe Tricolore: "Diese Sendung ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet."

Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

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