Georg Fahrenschon, Präsident des DSGV (links), und Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, äußerten sich im Rahmen der Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Washington D.C. zur aktuellen Geldpolitik der Notenbanken. Bildnachweis: DSGV und Bankenverband/Die Hoffotografen.

Für eine entschlossenere Wirtschafts- und Finanzpolitik hat Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), bei einer Pressekonferenz seines Verbandes am Rande der Jahrestagung des Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington D.C. geworben. Fahrenschon betonte in diesem Zusammenhang, dass die Negativzinspolitik inzwischen fatale Auswirkungen auf nahezu alle Teile der Wirtschaft und Gesellschaft habe.

Kritik übte der Präsident des DSGV vor allem an der Tatsache, dass durch zu billiges Geld der Handlungsdruck von der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik genommen werde, um die notwendigen Strukturreformen umzusetzen. Die europäischen Kredit- und Kapitalmärkte funktionierten nicht mehr ausreichend, weil Liquiditätsverzicht und Risikoübernahme nicht mehr honoriert würden. Insbesondere Bevölkerungsgruppen mit geringem Vermögen würden durch die Zinsausfälle besonders getroffen, weil sie eben nicht ohne Weiteres auf die Kapitalmärkte ausweichen könnten. Von der Schwemme des billigen Geldes profitierten nur zu hoch verschuldete Staaten und Investoren, die in hohe Risiken investieren könnten.

Sozialpolitisch sei dies laut Fahrenschon nicht mehr hinzunehmen: „Viele Menschen werden es sich wegen fehlender Zinserträge künftig nicht mehr leisten können, zum bisher vorgesehenen Zeitpunkt in Rente zu gehen“, so der Präsident des DSGV. Derzeit gebe es ein Ungleichgewicht zwischen den globalen Ersparnissen auf der einen und den globalen Investitionsmöglichkeiten auf der anderen Seite. Das mache einen Ausstieg aus der falschen Geldpolitik schwer.

Michael Kemmer sieht Profitabilität der Banken in Gefahr

Die Erwartungen an die Europäische Zentralbank sind dementsprechend sehr hoch. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, äußerte sich im Rahmen derselben Veranstaltung zu eben diesem Thema. Seiner Meinung nach verdichteten sich mehr und mehr die Anzeichen, dass die seit Langem extrem expansive Geldpolitik inzwischen an die Grenzen ihrer Wirksamkeit stößt. Der Finanzsektor sehe sich zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. „Insbesondere leidet die Profitabilität der Banken durch die Negativzinsen“, erklärt Kemmer. Damit werde der Aufbau von Eigenkapital erschwert. Eigenkapital, das nach neusten regulatorischen Anforderungen so dringend benötigt wird – Basel IV lässt grüßen.

Kemmers Fazit ist einfach: Bloß nicht zu viel erwarten. Die Geldpolitik sei kein geeignetes Instrument, um die Wachstumsprobleme in Europa zu lösen. Letztendlich habe sich die EZB nur Zeit erkauft. Und diese sei schließlich nur unzureichend genutzt worden. Der vor der Branche liegende Weg werde sicherlich kein leichter sein, trotzdem zeigte Kemmer sich zuversichtlich, dass dieser gemeistert werden könne. Bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen in naher Zukunft getroffen werden.

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