• Hypothekenbeben: Geschäftspraktiken der US-Banken bei Zwangsvollstreckungen im Fokus der Behörden
  • Aktienstreben: Westliche Aktienmärkte profitieren von guten Zahlen und der Aussicht auf mehr Liquidität
  • Zentralbankleben: Ben Bernanke könnte heute weitere Überlegungen zum Quant Easing Programm darlegen
 
Es gibt da die Geschichte von einem Frauenheld, der häufig verschiedenen Damen in sein Appartement einlud. Dort meinten die Geschmeichelten, eine ganz sensible Ader des Mannes zu entdecken: Ein dreistufiges Regal voll mit Teddybären: Oben ganz große, in der Mitte mittelgroße und unten viele kleine. Die Ernüchterung folgte regelmäßig nach dem Schmusen, als der Mann zur Frau sagte: „Na ja, geht so. Du darfst Dir einen aus dem mittleren Fach aussuchen.“ Möglicherweise ist dieser Liebhaber jetzt identifiziert: In den USA ist ein Hedgefunds-Manager angeklagt, dem die Staatsanwaltschaft nach betrügerischem Verhalten gegenüber seinen Kunden eine Strafe von 85 Millionen Dollar aufgebrummt hat. Um zu Geld zu kommen, so heißt es in übereinstimmenden Medienberichten, wurde bei Christie‘s in London nun dessen Stofftiersammlung versteigert. Immerhin 1,23 Mio. Euro brachte die Auktion ein. Seinen weiblichen Gästen muss der gefallene Börsenheld in Zukunft wohl Restposten aus seinem Portfolio anbieten: Oben Staatsanleihen, in der Mitte Subprime-Hypotheken und ganz unten Lehman-Aktien…

Vielleicht finden sich unter den Lesern dieser Kolumne ja einige Spätgeborene, die den Begriff „Subprime“ heute das erste Mal lesen. Also, liebe Kinder, mit Subprime werden Hypothekenkredite an eigentlich nicht kreditwürdige Kreditnehmer bezeichnet. Diese Schuldenkategorie gilt als Mit-Auslöser für eine große Finanzmarktkrise, die sich in den Jahren 2007 bis 2009 abspielte. Und auch, wenn gerade in Deutschland von dieser Krise längst nichts mehr zu spüren ist, so holen uns in den Finanzmärkten die Nachwehen doch irgendwie jeden Tag wieder ein. Die Auseinandersetzung über zwischenstaatliche Handelsungleichgeweichte und daraus resultierender Streit über das richtige Währungsverhältnis (vulgo: Wechselkurs) ist ein Beispiel. Ein anderes sorgt derzeit in den USA für Furore: Das fragwürdige Vorgehen einiger Banken bei der Pfändung und Zwangsvollstreckung von Häusern, deren Eigentümer bei der Bedienung ihrer (Subprime?)-Hypotheken nicht mehr nachkamen. Wie es heißt, seien die Zwangvollstreckungen nicht nach einer sorgfältigen Einzelfallprüfung durchgeführt worden, sondern streng nach dem Henry Ford-Prinzip in einer Art Fließband-Massenabfertigung. In allen 50 Bundesstaaten hätten Staatsanwälte entsprechende Ermittlungen eingeleitet. An den Finanzmärkten macht sich nun Sorge breit, auf die beteiligten Finanzinstitute könnten Regressforderungen in Milliardenhöhe zukommen. Bankaktien gehörten gestern entsprechend zu den großen Verlierern.

Dennoch schafften es die US Aktienindizes, zum Handelsende nahezu unverändert zu schließen. Das ist bezeichnend für die gegenwärtig vorherrschende Euphorie an den westlichen Aktienmärkten: Nach Monate langem Seitwärtsgedüddele sind es die Anleger offenbar leid und begeben sich wieder auf Einkaufstour. Ich möchte an dieser Stelle zwei weitere Erklärungsansätze für die Aktienhausse anbringen: Zum einen könnte diese in Antizipation des erwarteten Quantitative Easing Programms der US Notenbank erfolgen. Angenommen, die Fed kündigt tatsächlich den massenhaften Kauf von US Staatsanleihen an, was machen die Anleger dann mit dem von der Fed erhaltenen frisch gedruckten Geld? Vielleicht kaufen sie ja Aktien. In Antizipation einer solchen Entwicklung steigen die Aktienkurse bereits jetzt. Ein weiterer Erklärungsansatz könnte sein: Die westlichen Aktienmärkte sind noch nicht in Blasenstimmung. Emerging Markets-Aktien und -Währungen sowie Rohstoffe zeigen sich ja bereits bubble-ish. Als Folge der globalen Liquiditätsflut sind die westlichen Aktienmärkte nun als nächstes dran.

Hinsichtlich der Pläne der US Notenbank könnten wir heute neue Hinweise bekommen: Fed-Präsident Ben Bernanke spricht heute zum Thema „Geldpolitik im Umfeld niedriger Inflation“. Marktspekulation über Ausmaß und Struktur eines möglichen QE-Programms sowie über die wahrscheinliche Marktreaktion darauf schießen derzeit ins Kraut. Insbesondere an den Rentenmärkten kommt es daher zu teils erratischen Bewegungen nach unten und oben. (Daneben belasten drei schwache Treasury-Auktionen diese Woche die Bondmarktstimmung.) Eindeutiger scheint hingegen der Trend in Währungen (USD schwächer), Rohstoffen (fester) – und natürlich Aktien (fester, starke Google- und AMD-Zahlen von gestern Abend stützen zusätzlich). Für die Lehman-Papiere unseres Hedgefunds-Gigolos kommt diese Entwicklung freilich zu spät…

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

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