„Bank“ ist erst in den letzten Jahrzehnten kompliziert geworden. Damals war Banking ganz einfach. Geld zu Anlage hereinnehmen und mit einem Aufschlag an die ohne Geld wieder verleihen. Wenn Anleger und Kreditnehmer aus diesem System aussteigen, kann es auch mal schief gehen.

Wenn Banken nur mickrige 0,75 Prozent Zinsen auf Spareinlagen zahlen, aber 16,5 Prozent Zinsen für einen überzogenen Dispositionsrahmen verlangen, dann ist das Fass übergelaufen. Bei einer solchen Marge hört die Freundschaft auf.

Und dann? Wohin mit den wohl verdienten und bereits gut versteuerten Penunzen? Für diejenigen, die sich vor Zeiten für Schiffsfonds entschieden hatten und zudem in die beiden Fonds „HCI Schipping Select 26 und 28“ beim Fondshaus HCI investiert haben, ist die Rendite dahin. Gleich sechs Tanker, die über die beiden Fonds finanziert wurden sind pleite. Dahin ist es mit der Partizipation am Wachstum der dynamischen Energiemärkte und des internationalen Schiffsverkehrs. Es droht der Totalverlust.

Und dies ist ja nicht die erste Pleite einer geschlossenen Beteiligung. Der ein oder andere Investor in Schiffe, Büroimmobilien oder Kinofilme kann ein Lied davon singen. Auch wenn die Isländer mit hohen Tagesgeldzinsen locken oder die grüne Bank mit Transparenz und ökologischer Verantwortung lockt (NOA Bank), dann kann es mit der versprochenen Turborendite auf täglich verfügbares Geld schon mal in die Hose gehen. Immerhin bekommt der Kunde bei der Noa Bank bis 50.000 Euro aus der Sicherungseinrichtung der privaten Banken wieder zurück. Dumm wer mehr investiert hat.

Einen Prozentpunkt Rendite mit einer Geldanlage zu erwirtschaften ist bei aktueller Inflationslage kein echtes Investment, dass kann eine Matheschülerin in der 6. Klasse errechnen. Da hilft es den Anleger auch wenig, wenn der freundliche Bankberater freudig berichtet, dass es doch derzeit günstig ist Kredite aufzunehmen. Alternative Anlagen, gute Beratung und Betreuung muss her, um die Kunden vom Zocken abzuhalten. Ein wenig mehr Ethik und Nachhaltigkeit in der Anlage und Beratung von Geld kann unserer Industrie nicht schaden.

Sicherlich sind mit dem klassischen Banking nicht die Margen zu verdienen, die man mit der Emission von Zertifikaten oder dem strukturieren von faulen US-Immobilien-Krediten verdienen kann. Dennoch sollten wir einen Weg zurück ins klassische Banking finden. Vielleicht klappt es dann auch wieder mit dem eigenen Image.

Foto von Yarinca – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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