Es gibt mir mehr und mehr zu denken, wenn ich in geselliger Runde mit meinen Freunden beim Kölsch sitze und wieder und wieder Storys höre, deren Ausgang erschreckend oft Parallelen aufweisen.

Da wird erst eine simple Alltäglichkeit geschildert, dann kommt die vermeintliche Lösung, die aber aus teilweise nachvollziehbaren Gründen verspottet oder gar verflucht wird. Gefolgt von der höhnisch präsentierten wahren Lösung, die eines klar zeigt: Die erste Lösung war mehr als schlecht und der Erzähler selbst zieht triumphierend vom Feld. Objekt des Spots, des Hohns und klar unterlegende Gegner: Banken.

Beispiel gefällig?
Der Erste kriegt den Rückzahlungsbescheid vom BAföG-Amt. Darin steht schwarz auf weiß “… zahlbar in Raten zu X Euro oder als Gesamtsumme Y…“. Ersparnis durch Einmalzahlung knapp 2.000 Euro. Das klingt verlockend, aber woher die Summe nehmen als Berufsanfänger, trotz sicherem Job als Steuerberater und zwei Jahren Berufsleben? Also hin zum Berater der Hausbank. Der druckst rum und rückt dann selbst verschämt raus: 11,95% effektiver Jahreszins. Kurz nachgerechnet macht das aber über die Laufzeit des Kredits mehr Zinszahlungen als Ersparnis. Auch das Lockangebot im Internet verspricht zwar 4,99%, endet aber bei ernüchternden 13,75%. Schwer vermittelbar bei einem Euribor von 1%. Da kommt die Lösungzufällig beim Mittagessen in der Firma: Mitarbeiterdarlehen. Der Zinsatz istweit unter den beiden erstgenannten. Einziger Haken: Er darf die Stelle während der Laufzeit von fünf Jahren nicht kündigen. Es gibt wohl schlimmeres…

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Noch ein Beispiel gefällig?
Seedmatch. Vor einiger Zeit hatten wir den Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer im Interview. Damals wurde er von vielen belächelt mit seiner Idee Start-up-Firmen die Finanzierung zu ermöglichen, indem er der Masse (neudeutsch Crowd) deren Idee vorstellt und diese sich dann beteiligen können. Nach acht erfolgreichen Start-up-Finanzierungen mit einem Volumen von knapp 600.000 Euro in weniger als einem halben Jahr lacht keiner mehr!

Letztes Beispiel:
Auch das gute alte Girokonto scheint in die Jahre gekommen, nicht nur wegen den (aus Kundensicht) überhöhten Kosten Kontoführung skosten. Vielmehr wegen der Geschwindigkeit. In geselliger Runde stellt man mir als gelerntem Bankkaufmann die Frage: Warum kann ich eine E-Mail in Sekunden um die Welt senden, aber eine Überweisung braucht dafür eine gefühlte Ewigkeit? Aber auch dafür hat die Kölschrunde eine Lösung parat: PayPal. Überweisungen im Millisekundentakt, für den Absender sogar kostenfrei.

Schmollen oder gar Kopf in den Sand stecken hilft nicht. Die zugegeben wenigen positiven Beispiele nach vorn stellen und weitere hinzufügen. Da ist die Q110 der Deutschen Bank in Berlin mit einem einzigartigen Filialkonzept. Da ist die Volksbank Bühl mit einem Innovationsblog, die Fragen stellt und innovative Antworten sucht. Also: Anpacken ist angesagt!


Foto von ZoneCreative –
www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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