Von Madeleine Winkler. FRANKFURT (Dow Jones).

Die Konsolidierung unter den deutschen Banken nimmt an Fahrt auf. Während die meisten Beobachter auf mögliche Synergien setzen, warnen erste Stimmen vor zu viel Euphorie. In einer Studie des US-Researchhauses Bernstein heißt es fragend: „Wird das Ganze nicht am Ende mit Tränen bei den Aktionären enden?“ Die derzeit am Markt durchgespielten Übernahmen könnten nach Ansicht der Analysten von Bernstein Research zu einer deutlichen Gewinnverwässerung bei den Käufern führen. Vor allem eine Übernahme von Citibank oder Postbank durch die Deutsche Bank rechnet sich ihrer Ansicht nach nicht unbedingt. Dem Primus unter den deutschen Banken empfiehlt Bernstein eine überraschende Alternative: Die Deutsche Bank solle sich doch ihren schweizerischen Konkurrenten UBS genauer ansehen. „UBS war lange Zeit schlicht zu teuer für die meisten Banken“, räumen die Analysten ein. Aber nach dem dramatischen Ausverkauf in den vergangenen Monaten befinde sich die Schweizer Bank nun in Reichweite. Starkes Risikomanagement, wenige Überschneidungen im Investmentbanking, eine starke Kredit- und Liquiditätsposition und Appetit auf Zukäufe – diese Kriterien sollte ein Käufer erfüllen. Unter diesen Voraussetzungen sehen die Bernstein-Analysten nur zwei ernsthafte Kandidaten: Den deutschen Branchenprimus und Barclays. Ein Zusammengehen der Deutschen Bank mit UBS würde 2011 zu einem Aufschlag auf den gegenwärtigen UBS-Aktienkurs von bis zu 15% führen, rechnen sie vor. „Daher wäre diese Option für die Deutsche Bank potenziell viel attraktiver als andere Akquisitionen im deutschen Retail-Sektor.“ Aber auch andere Banken sollten sich eine Übernahme der Citibank gut überlegen. Denn bei dem Versuch, Geld einzusparen, könnte sich manche Bank die Zähne ausbeißen. „Die Citibank ist bereits eine der am effizientesten arbeitenden Banken in Deutschland“, erklärt Bernstein. Auf der Kostenseite würde die spanische Santander nach Einschätzung der Experten die meisten Synergien erzielen können.

Auch Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler betrachtet ein Zusammengehen von Santander mit der Citibank als eine gelungene Kombination. „Santander hat bereits die auf Konsumentenkredite spezialisierte CC-Bank gekauft; mit einem Kauf der Citibank würde die Bank ihre Position in der Nische ausbauen“, erklärt er. Geschätzt wird der Preis für die Citibank auf 4 Mrd. bis 5 Mrd. EUR. Die Tochter der Citigroup betreibt 340 Filialen und würde einem Käufer mit einem Schlag den Zugang zu 3,25 Mio. Kunden in Deutschland ermöglichen. Insgesamt kommen die Finanzinstitute auch nach Einschätzung von Hoymann um eine Konsolidierung nicht herum. Die Banken haben – Sparkassen und genossenschaftliche Banken ausgenommen – mit jeweils rund 5 % einen sehr kleinen Anteil am deutschen Retailmarkt. Damit Größeneffekte einsetzen, müssten die Banken ihren Anteil aber auf mindestens 10 % ausweiten. Erst dann ist langfristig eine attraktive Rendite gesichert. Dies können die Banken nur durch Zukäufe erreichen, den Preis hierfür zahlen in der Regel die Eigentümer.

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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