Wie viel Bankinnovation braucht der deutsche Finanzkunde? Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass die Euphorie bei den Anbietern höher ist als es der Markt verträgt.

Vor fünf Jahren erblickte smava das Licht der deutschen Finanzwelt. Das Modell der Kreditleihe von Privat zu Privat (P2P) war damals nicht neu, gab es zuvor mit Zopa in Großbritannien bereits einen Anbieter mit Ambitionen nach Deutschland. Heute konkurrieren hierzulande die beiden Platzhirsche auxmoney und smava um Kunden, die gerne mal mit einem Tick mehr Risiko und einem mehr an Zinsen ihr Geld an klamme Kreditkunden verleihen. Dazwischen steht dann smava (und eine Bank damit die Bafin Ihren Segen gibt) und vermitteln zwischen Geldgeber und Kreditnehmer. Im Grunde das klassische Modell einer Bank, wobei dort der Anleger nicht weiß in welche Kreditprojekte er finanziert.

65.000.000 Euro Kreditvolumen wurden so in den letzten fünf Jahren bei smava vermittelt und was zunächst als gigantische Zahl erscheint, schmilzt bei genauerer Betrachtung auf eine von Hoffnung getriebene Umsatzgröße zusammen, denn 2,5 Prozentpunkte (bei Gründung war es zudem noch ein Prozent) Kreditnehmergebühren und die Gebühren für das Einstellen von Geboten reichen nicht Personal, Miete und Co. Zu finanzieren. Bisher gibt es aus Berlin noch keine schwarzen Zahlen. Auch bei Zopa sieht es noch düster aus, zwar vermeldet das Unternehmen in 2011 einen Gewinn von umgerechnet knapp 32.000 Euro (bedingt durch Auflösung von Rückstellungen), aber bis die Anlaufverluste ausgeglichen sind kann das noch ein paar Jahre dauern. smava steht vor der Aufgabe die aufsummierten Fehlbeträge abzubauen. Zwar wurden die Gebühren in den letzten Jahren immer wieder ein wenig nach oben korrigiert, doch wird der Turnaround nur gelingen, wenn das Volumen dramatisch steigt. Derzeit stagniert dies jedoch, wie auf einer Grafik bei wiseclerk.com zu sehen ist.

Anzeige:
Doch woran liegt es, dass die einen Kunden zwar nach höheren Zinsen rufen und die anderen Kunden sich über Banken monieren, die Kredite zu langsam oder gar nicht gewähren? Das Management, insbesondere Alexander Atropé haben in den letzten Jahren alles daran gesetzt das Thema P2P-Kredite salonfähig zu machen. Das Portal ist kundenfreundlich, die Kritiken und Testergebnisse können sich sehen lassen. Müssen die Banken sich also nur zurücklehnen und abwarten, bis P2P-Kredite wieder vom Markt verschwunden sind? Oder ist das Modell auch für Banken selber ein Modell in welches sie investieren sollten, um das Thema Transparenz zu spielen? Immerhin ist die Fidor Bank AG das aufsichtsrechtliche Regulativ, um das Modell hier in Deutschland überhaupt betreiben zu dürfen und mit der Banca Sella Holding aus Italien steht auch eine Bank auf der Gesellschafterliste. Alles in allem ist das Thema Bankinnovation für die Innovatoren hierzulande ein schwieriges Unterfangen. Der Deutsche steht wohl eher auf die tradierten Themen in Bezug auf Banking und Co.

Foto von muharrem öner – www.istockphoto.de

TEILEN
Vorheriger ArtikelBauernregeln für die politische Börse
Nächster ArtikelBANKINGNEWS Ausgabe 12 vom 23.04.2012
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

code