… oder Ihren Apotheker!Lesen Sie die Beipackzettel in den Medikamenten, die Sie frei erwerben oder die Ihnen der Gott in Weiß ans Herz legt wirklich durch? Geht es Ihnen nicht wie den meisten Menschen, wenn Sie das Kleingedruckte auf dem nach japanischer Falttechnik auf Quadratzentimeter zusammengefallteten Bogen lesen, Sie werden kränker als vorher.
Und jetzt soll es einen solchen Beipackzettel nun auch für Finanzprodukte geben. Die Vorgaben aus Berlin und Brüssel liegen noch nicht vor, da hat die Diba schon als erste Bank ihren Beipackzettel vorgestellt. Deutsche Bank und nun auch der BdB (Bundesverband deutscher Banken) haben nachgezogen und andere Banken und Verbände werden noch folgen.
Wird mit dieser neuen Übersicht über die Nebenwirkungen der Finanzberatung wirklich die Qualität der Beratung verbessert, ganz so wie es die Cheffin des Verbraucherministeriums, Ilse Aigner fordert? Ja, wir brauchen in Deutschland einen Qualitätsschub in der Finanzberatung und einen Aufklärungsschub über Finanzen in der breiten Bevölkerung, aber ob x qm chlorfrei gebleichtes Papier dabei helfen werden bleibt offen.
Schon der Vergleich zum Beipackzettel der Pharmaindustrie ist nicht glücklich gewählt, ist doch dieses Dokument mit all seinen im Promillebereich aufgeführten Pflichtangaben über Nebenwirkungen zu einem rechtlichen Schutzschild für den Hersteller geworden. Wird nun der Beipackzettel für Finanzprodukte zu einem Schutzwall für schlechte Produkte? Getreu dem Motto „Wer lesen kann ist klar im Vorteil“, der Dumme bleibt der Kunde?
Beratung in Deutschland wird sich nur verbessern, wenn sich die Ausbildung der Finanzberatung nachhaltig verbessert. Und das bedeutet nicht nur an der Grundausbildung zu schrauben, sondern auch die regelmäßige Ausbildung analog dem Finanzplanerkonzept zu fordern. Aber auch an der Ausbildung der Kundenseite ist dringend etwas zu tun. Wenn die Kundenseite der Beratung nachhaltig nicht mit Finanz- und Wirtschaftsthemen in Kontakt kommt, dann wird sich niemals ein für alle Seiten zufriedenstellendes Beratungsergebnis erzielen lassen.

TEILEN
Vorheriger ArtikelDZB – Zertifikate-Plenum – März 2010
Nächster ArtikelSmall Talk: Der Ton macht die Musik
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code