… wird ab sofort in Texas entschieden. Die KfW gibt ihr Aktienpaket an LoneStar ab. FRANKFURT (Dow Jones) Die angeschlagene IKB Deutsche Industriebank geht an den US-Finanzinvestor Lone Star. Der Präsidialausschuss des KfW-Verwaltungsrates folgte am Mittwochabend einem entsprechenden Vorschlag des Vorstands. Die bundeseigene Förderbank wird ihr komplettes 90,8-prozentiges Aktienpaket an der Mittelstandsbank an Lone Star verkaufen. Einzelheiten der Transaktion werden zur Stunde auf einer Pressekonferenz veröffentlicht. Mit der IKB übernimmt die texanische Beteiligungsgesellschaft ihr zweites Kreditinstitut in Deutschland. Ende 2005 war Lone Star bei der Allgemeine HypothekenBank Rheinboden AG (AHBR) eingesprungen und hatte die Gewerkschaftsbank nach Fehlspekulationen vor dem Zusammenbruch bewahrt. Analysten halten es deshalb für möglich, dass Lone Star die IKB mittelfristig mit der Corealcredit Bank AG zusammenführen wird. Unter diesem Namen firmiert die ehemalige AHBR mittlerweile. Beide Banken, die sich in Milliardenhöhe verspekuliert haben, könnten zusammen eine schlagkräftige Einheit ergeben, sagte am Donnerstag ein Analyst zu Dow Jones Newswires. Lege man das Mittelstandskreditgeschäft und das Firmenhypotheken-Geschäft beider Banken zusammen, entstehe eine sinnvolle Einheit. Die bundeseigene KfW Bankengruppe hielt bislang 45,5% der Anteile der Düsseldorfer Mittelstandsbank. Im Zuge einer nötigen Kapitalerhöhung wird dieser auf mehr als 90% steigen, allerdings muss noch die EU-Kommission darüber entscheiden, ob die Beteiligung der staatlichen KfW eine zulässige Staatsbeihilfe ist. Lone Star dürfte ihre Erfahrungen bei der Restrukturierung der Hypothekenbank AHBR nutzen, um auch die IKB wieder in ihrem Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung aufzubauen, urteilt Analyst Konrad Becker von Merck Finck. Er erwartet im Zuge der Sanierung Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen. Unrentable Einheiten müssten geschlossen werden und die Bank zur Mittelstandsfinanzierung zurückkehren. Unklar ist bislang, was mit der „Bad Bank“ der IKB geschieht, also den strukturierten Wertpapierportfolien, deretwegen das Institut in die Schieflage geraten ist. Die Risiken seien inzwischen weitgehend abgeschrieben, sagte Analyst Becker. Nach jüngsten Presseberichten schirmt der Bund weitere 800 Mio EUR an Risiken ab. Entweder bleibt das Kreditportfolio in der Bank und damit bei Lone Star oder es geht zur KfW. Dem neuen Eigner winkt unter Umständen ein Bewertungsgewinn der Papiere, wenn sich die Märkte erholen. Die restlichen IKB-Aktionäre dürften nach Einschätzung eines weiteren Analysten, der namentlich allerdings nicht genannt werden wollte, nicht auf ein gutes Angebot von Lone Star hoffen, auch wenn der Fonds ein Übernahmeangebot machen müsse. Wie bei der AHBR rechne er auch bei der IKB damit, dass es zu einem Delisting komme und die Genussscheininhaber leer ausgingen, sagte der Analyst weiter. Am Frankfurter Aktienmarkt wurde unterdessen auf einen kräftigen Aufschlag spekuliert. Das IKB-Papier startete am Morgen mit einem Aufschlag von 23% bei 3,30 EUR in den Handel. Gegen 11 Uhr war das Kursplus allerdings bereits auf 11,6% zusammengeschmolzen. Die IKB war im Sommer vergangenen Jahres in die Krise geraten, nachdem sie zuvor mit Kreditderivaten spekuliert hatte. Sie musste mit Mitteln der KfW Bankengruppe und der deutschen Bankenverbände vor dem Zusammenbruch gerettet worden. Inzwischen summieren sich die Hilfen auf 8,5 Mrd EUR. Die AHBR als Vorgängerin der heutigen Lone-Star-Tochter Corealcredit Bank drohte Ende 2005 zur größten Bankenpleite Deutschlands seit dem Zusammenbruch der Herstatt-Bank im Jahre 1974 zu werden.

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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