Sie lesen Purps!
 

  • Allein, allein: Märkte sind mehr über das "Wie" als über das "Was" der BaFin-Maßnahme verwundert
  • Nein, nein: Marktspekulationen über mögliche Interventionen lassen EUR-USD wieder auf 1,24 hüpfen 
  • Moin, Moin: Gespenstische Ruhe an den Märkten, man wartet auf das nächste Verbot

Eigentlich hätten wir uns um die ganze Griechenland-Schuldenproblematik niemals Sorgen machen müssen. Seit langem wissen wir, derartige Probleme sind in der Europäischen Union in guten Händen. Bereits im März letzten Jahres stellte der damalige wie heutige Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker mit Blick auf die offensichtlich nur theoretisch gegebene Möglichkeit einer Staatspleite innerhalb der Währungsunion unmissverständlich klar: "Das wird nicht passieren. Und wenn es passiert, aber es wird nicht passieren, werden wir einen angemessenen Plan für ein Problem liefern, das nicht auftreten wird."

Und wer will es ihm verübeln? Recht hat er gehabt, der J.-C. Wahrscheinlich hätte sein Namensvetter Trichet von der Europäischen Zentralbank damals ähnlich geantwortet, wäre er auf die Möglichkeit angesprochen worden, was zu tun sei, sollten bei einem Tagesgeldniveau von 0,3% die 2jährigen Staatsanleiherenditen eines Mitgliedslandes bei 15 Prozent handeln. Oder die Bundesregierung, konfrontiert mit der Frage, was zu tun sei, sollte sich jemals ein Spekulant im Irrgarten neumodischer Kreditderivate verirren: "Wenn das passiert, werden wir einen angemessenen Plan für ein Problem liefern, das nicht auftreten wird."

Über die Angemessenheit der Maßnahmen der BaFin wurde gestern viel diskutiert. Auch über deren Wirksamkeit. Noch mehr verwunderte allerdings die Tatsache, dass Deutschland im Alleingang entschieden hat, ungedeckte Leerverkäufe auf eine Auswahl von Produkten zu verbieten. Es hat sogar den Anschein, als wäre darüber nicht einmal innerhalb des Kreises der EU Finanzministerkollegen diskutiert worden – und das, obwohl man sich dieser Tage ja nicht gerade selten begegnet. Und so ist es auch mehr die Art und Weise der Verbotsankündigung als die Untersagung selbst, welche bei den Anlegern rund um den Globus für einen Mix aus Überraschung, Empörung und Enttäuschung sorgte. Denn von der Sache her, da waren sich die Marktteilnehmer offensichtlich schnell einig, bedeuten die Handelseinschränkungen nicht das unmittelbare Ende ihrer beruflichen Tätigkeit.

Und so ging gestern die anfängliche Schockreaktion an den Märkten alsbald in eine von Unsicherheiten und Marktspekulationen geprägte volatile Seitwärtsbewegung über. Bemerkenswert war vor allem die Erholungsrallye des Euro. Nach Bekanntgabe der Maßnahmen stürzte EUR-USD ja von 1,2450 auf 1,2150 ab. Bis Mitternacht standen wir jedoch schon wieder fast bei 1,2450. Getrieben wurde die Erholung von sich hartnäckig im Markt haltenden Spekulationen, die EZB würde möglicherweise zugunsten der Einheitswährung intervenieren. Das Wechselkursniveau würde einen solchen Schritt unter keinen Umständen rechtfertigen, gilt der Euro nach Mehrzahl der gängigen Fair-Value-Methoden doch weiterhin als (leicht) überbewertet. Der Verlust von 10 Stellen seit Monatsbeginn könnte da schon eher als Begründung herhalten. Und nachdem wir die EU-Verträge mit Füßen getreten, das EZB-Mandat gummiweich ausgelegt und zuletzt die Spielregeln für ein Level Playing Field an den Finanzmärkten ausgeheblet haben, kann man sich eigentlich alles vorstellen: "Wir haben einen angemessenen Plan…"

Unzweifelhaft interveniert hat gestern die Schweizer Notenbank. Mit Zähnen und Klauen wurde in EUR-CHF die Marke von 1,40 verteidigt, bis es plötzlich zu einem Sprung auf die 1,43 kam. Heute früh stehen wir bei 1,4250 und sind uns sicher: Schon bald werden wir wieder bei 1,40 sein!

Heute früh geben sich die Märkte seicht und unschuldig, nichts bewegt sich. Die Spekulanten spekulieren über die möglichen nächsten Markteingriffe, und es hat den Anschein, bis dahin werde weder von denen noch von den nicht spekulierenden Marktteilnehmern (hab gestern mal einen getroffen!) nichts angefasst. Und wenn das nächste Verbot kommt – dann werden sie einen angemessenen Plan haben…

© Foto by don bayley – www.istockphoto.com

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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