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Im Sommer 2017 konnten wir wieder folgende durch externe Einflüsse – wie etwa politische Auseinandersetzungen – hervorgerufene Marktmechanismen beobachten: Ist die Risikoaversion niedrig, ist der Anleger dazu bereit, viel für eine Aktie zu bezahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist dann entsprechend höher. Bei Anleihen ist man wegen der niedrigen Risiken nicht bereit, mehr zu bezahlen, und die eingekaufte Rendite bis Endfälligkeit muss relativ hoch sein, damit der Anleger dennoch zugreift. Bei gestiegener Risikoaversion ist es genau andersherum: Das bezahlte Kurs-Gewinn-Verhältnis ist geringer und die eingekaufte Rendite bei Anleihen ist geringer.

Trumps Twitter-Politik beeinflusst die Märkte

Durch die Ferien-Tweets von Präsident Trump ist die Risikoaversion aufgrund der gestiegenen Wahrscheinlichkeit einer militärischen Auseinandersetzung auf der koreanischen Halbinsel und im gesamten Fernen Osten gestiegen. Die Aktienmärkte reagierten mit Abschlägen, die Rentenmärkte sahen Preisgewinne und niedrigere Renditen und Gold wurde teurer. Davon abgesehen, dass das quasi Nebenbei-Auslösen einer globalen Krise durch Präsident Trump via Twitter eine neue, zweifelhafte Qualität darstellt, die viele Skeptiker bestätigt, ist die Reaktion der Kapitalmärkte auf diesen externen Schock geradezu lehrbuchhaft gewesen. Und in dem Maße, wie die USA und Nordkorea zu rationalerem Handeln zurückkehren, wird auch wieder die Risikoaversion fallen. Aus politisch rationaler Sicht ist damit eher zu rechnen als mit dem Eintritt in einen echten Krieg. Die Reaktion Chinas, der Quasi-Schutzmacht Nordkoreas, hat dies recht klar gemacht. Bei diesem US-Präsidenten verbleibt jedoch ein Restrisiko, weswegen wir auch unsere Bestände an Gold weiterhin halten werden.

USA und Europa verzeichnen starke Berichtssaison

Auch wenn Trumps Twitter-Politik die Schlagzeilen beherrscht, so gab es doch auch realwirtschaftliche Entwicklungen, die wir ebenfalls für wesentlich halten. Die Unternehmen in den USA und Europa haben nämlich die Berichtssaison für das zweite Quartal 2017 hinter sich gebracht und uns über bereits vereinnahmte und noch erwartete Gewinne informiert. Und was wir dort gehört haben, bekräftigt uns in unserem positiven Weltbild. Die Unternehmen der USA haben nicht nur im ersten Quartal eine kleine Gewinnrezession abgeschlossen, sondern auch noch im zweiten Quartal ein gutes Umsatzwachstum bei gleichzeitigem Margenwachstum erzielen können. Die Erwartungen wurden damit doch recht deutlich übertroffen und die Gewinne wuchsen um knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, sodass wir für das Gesamtjahr 2017 von einem Gewinnwachstum der US-Unternehmen in der Größenordnung von 13 Prozent ausgehen. Die US-Unternehmen erhielten dabei vom schwachen Dollar und dem Umsatzwachstum in den Schwellenländern Rückenwind.

Diese positive Entwicklung wird auch für 2018 erwartet, was die Widerstandsfähigkeit der US-Aktienmärkte im Sommer erklärt. Umgekehrt bremst der starke Euro europäische Unternehmen etwas, auch wenn man im dritten Quartal wenige Auswirkungen in den Unternehmensgewinnen wird sehen können. Denn auch Europa hat bisher eine bärenstarke Berichtssaison hinter sich und vermeldet 14 Prozent höhere Gewinne als im Vorjahr. Für Europa erwarten wir damit, ähnlich wie für Deutschland, ein Gewinnwachstum von 12 bis 13 Prozent für das Kalenderjahr 2017. Die Eurostärke muss trotz dieser guten Nachrichten im Auge behalten werden, denn ein zehnprozentiger Anstieg des handelsgewichteten Euros kostet die europäischen Unternehmen etwa fünf Prozent Gewinnwachstum. Derzeit müssen die Unternehmen mit einem um etwa sieben Prozent gestiegenen handelsgewichteten Dollar zurechtkommen, was die Gewinnentwicklung um etwa drei bis vier Prozent bremsen könnte, wenn es zu keiner Gegenbewegung kommt oder wenn die Unternehmen keine Währungsabsicherung betreiben. Die Erwartungen für Europa liegen daher derzeit mit aber immerhin noch sieben bis acht Prozent Gewinnwachstum für 2018 etwas unter denen für 2017.

Wir starten übergewichtet in den Rest des Jahres

Günstigere Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufgrund der gestiegenen Gewinne und nordkoreabedingt gefallene Aktienkurse, bestärken uns darin, unsere Aktienquote trotz der jüngsten Kursverluste nicht zu reduzieren, sondern in den Anlageprofilen dort, wo es möglich ist, leicht weiter zu erhöhen und übergewichtet in den Rest des Jahres zu starten. Aus Sicht der Bewertung favorisieren wir Europa und Japan vor den USA, warnen aber aufgrund der positiven Gewinndynamik in Amerika vor einer zu starken Untergewichtung. Die Hurrikan-Saison, die Texas, Louisiana und Florida hart getroffen hat, wird nur für einen kleinen Rücksetzer sorgen können. Die Aufbauarbeiten werden das Wachstum der USA aufgrund der nötigen öffentlichen wie privaten Investitionen zum Wiederaufbau in den kommenden Quartalen sogar beleben und die Gewinne der Unternehmen stützen sowie ausbauen. Überhaupt unterstützt die makroökonomische Entwicklung dieses soeben gezeichnete Weltbild. Wir sehen spätestens seit der finalen Korrektur der US-Wachstumszahlen die Bestätigung der weichen Umfrageergebnisse in harten Ergebniszahlen. Und wir erhoffen uns daher nicht ohne Grund eine weitere Beschleunigung des Wachstums durch verstärkte globale Investitionstätigkeit – ein Faktor, den wir in den vergangenen Jahren stets vermisst haben.

An den Währungsmärkten ist Vorsicht geboten

Bei den Währungsmärkten dagegen bleiben wir vorsichtig. Der Dollar, der in Krisenzeiten normalerweise eine gesuchte Währung ist, hat in der Nordkorea-Krise nur wenig Stärke gezeigt. Wir müssen daher damit rechnen, dass die Findung eines neuen Preisregimes, das durch die europa-freundlichen Wahlen in Holland und Frankreich sowie Bekenntnisse zu mehr Europa aus Deutschland ausgelöst wurde, noch nicht vorüber ist. Man sollte sich also als Marktteilnehmer in Demut üben und sich trotz anders entwickelnder Zinsdifferenzen nicht gegen den Trend stellen. Sollten die von uns gesetzten Marken genommen werden, werden wir wie im letzten Monat weiter Währungsrisiko reduzieren. Technisch kann man sich einen Vorstoß in den Bereich von 1,25 Dollar/Euro vorstellen, was weitere fünf Prozent Verlustpotenzial für US-Investments nahelegt, bevor wir eine nennenswerte Gegenbewegung erwarten können.

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Dr. Achim Hammerschmitt ist Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement bei der Fürstlich Castell’schen Bank, Credit-Casse AG. Er studierte an der Universität Heidelberg und der Universität Cambridge. Das Studium schloss er mit einem Diplom in Physik und einem Master of Advanced Studies in Mathematics and Theoretical Physics ab. Nach dem Erhalt der Doktorwürde 1994 wechselte er in die Finanzwirtschaft und konzentriert sich seitdem auf die Entwicklung und Implementierung von Asset-Allokation- und risikobudgetierten Portfolio-Management-Strategien.

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