Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 13. Juli 2010 !

  • Dagong: Chinas neue Ratingagentur bewertet die USA nicht mit Triple-A
  • Klingeling: Italien, Portugal und selbst Griechenland haben keine Angst vor dem Banken-Stresstest
  • Palim Palim: EZB Wochentender sollte graduellen Abbau der Überschussliquidität bestätigen
 
Einer der Höhepunkte der in AAA-Staaten fast schon wieder in Vergessenheit geratenen Fußball-Weltmeisterschaft ereignete sich bereits während der Vorrunde: Im Eröffnungsspiel der Gruppe H schlug Chile die Mannschaft aus Honduras mit 1:0. Kaum fünf Minuten nach dem Abpfiff stufte die Ratingagentur Moody’s das siegreiche Land von A1 auf AA3 nach oben. Zum Glück haben die Ratingagenturen nicht durchgängig an dem Prinzip „Rating by Schlusspfiff“ festgehalten. Andernfalls müssten wir uns mit Ländern wie Frankreich („C“), Italien („B-“) oder Österreich („Rating suspended“) ernsthaft Sorgen um den langfristigen Zusammenhalt der EWU machen.

China nutzte die freie Zeit während der WM, um eine eigene Ratingagentur auf die Beine zu stellen. Ihr Name, „Dagong Global Credit Rating Co“, deutet bereits an, mit welchem Jingle uns künftig Ratingänderungen aus dem Reich der Mitte ereilen werden. Gestern machte es erstmals Dagong, und die Triple-A-verwöhnten Frühausscheider staunten nicht schlecht: Halbfinalist Müllerland nur AA+, ebenso die im Endspiel unterlegenen Niederländer. Titelträger Spanien erhält ein A-, gleichauf mit Italien, Belgien und Malaysia. Frankreich und Großbritannien liegen mit AA- im oberen Mittelfeld. Uneingeschränkt kreditwürdig erscheinen den Dagong-Analysten unter anderem Norwegen, Dänemark, und – Dagong – die Schweiz! Herzlichen Glückwunsch! China selbst bewerten die Rating-Rookies aus Peking mit AA+ und damit immerhin eine Stufe besser als die Vereinigten Staaten (AA). Die USA nicht mehr Triple-A? Wo bleibt das Erdbeben an den Märkten? An der nicht vorhandenen Marktreaktion zu den Bewertungen der Dagongis ist unmittelbar abzulesen, mit welchem Problem die neue Ratingagentur kämpft: Reputation. Akzeptanz. Glaubwürdigkeit. Und obwohl S&P, Moody’s & Co. all dies im Zuge der Finanzkrise eigentlich eingebüßt haben, vertraut man ihrem Urteil dennoch stärker als dem von Dagong. Denn: Welches sind die Bewertungskriterien der etablierten Agenturen? Ist doch klar: Wichtig is auf’m Platz. Unmittelbar nach Deutschlands Halbfinalniederlage tröstete Moody’s mit einer Bestätigung seines „Stabilen Ausblicks“ („…eine junge Mannschaft, der die Zukunft gehört…“). Englands Elf hingegen steht vor dem Umbruch, weshalb S&P gestern seinen „Negativen Ausblick“ für das Land (einschließlich der UEFA-Mitglieder Schottland, Wales und Nordirland) bestätigte.

In Sachen „Rating“ treten wir also vorerst auf der Stelle. In Sachen „Stresstest“ irgendwie auch. Gestern äußerten Offizielle aus Italien, Portugal und Griechenland unisono, dass die Stresstests die „Soundness“ ihres jeweiligen Bankensystems bestätigen würden. Fitch stresstestete Spaniens Banken gegen einen 65%igen (!) Rückgang der Immobilienpreise und stellte fest, der staatliche Bankenrettungsfonds FROB sei ausreichend ausgestattet, um die entstehenden Löcher in den Bankbilanzen zu stopfen. Lediglich ein nicht namentlich gennanter Vorstand einer deutschen Bank äußerte Zweifel, als er im Handelsblatt mit einer „Durchfallquote“ von 10-15% rechnete. In den kommenden Tagen werden wir diesen Wert mit entsprechenden Durchfallquoten in anderen Stresstests (Abitur, Führerschein…) in Relation setzen.

Tagesaktuell richtet sich unser Augenmerk heute auf die Liquiditätsoperationen der EZB. Aus Wochen- und Monatstender werden insgesamt 260 Mrd. Euro fällig. Jeder Euro, der nicht in das nächste einwöchige Hauptrefinanzierungsgeschäft gerollt wird, vermindert die noch vorhandene Überschussliquidität von 119 Mrd. Euro weiter. In der Folge wäre mit steigenden Geldmarktsätzen zu rechnen, Die gestrige Rallye in den Euribor Futures sollte nicht als Umkehr des jüngsten Trends betrachtet werden. Des Weiteren warten wir mit Spannung, welchen Zinssatz die Anleger von Griechenland einfordern werden, um dem Land über T-Bills Geld für ein halbes Jahr zu leihen. Nach Alcoas positivem Startschuss geht die Berichtssaison in den USA heute mit Zahlen von Intel weiter. Der Datenkalender hält mit dem ZEW-Index und den britischen CPI-Zahlen Daten bereit, die wir nicht vollständig ignorieren sollten. Die Märkte setzen heute früh ihren sommerlich-entspannten Handel fort. Diese Einschätzung belege ich in Anbetracht der Grundnervosität an den Märkten allerdings mit einem „Negativen Ausblick“.

 

 
Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Kenliang Wong – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG
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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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