Guten Morgen, heute ist Montag, der 12. Juli 2010 !

  • Berliner Club: Deutschland sondiert Möglichkeiten eines organisierten Staatspleiteverfahrens in der EWU
  • Brüsseler Club: EU Finanzminister diskutieren Banken-Stresstet und Auffanglösungen
  • Raucher-Club: Quartalsberichtssaison in den USA lenkt etwas von heimischen Problemen ab
 
Der Topfavorit hat sich verdient, wenn auch am Ende etwas glücklich, den Weltmeistertitel gesichert. Thomas Müller ist Torschützenkönig und Paul legte eine 100%ige Trefferquote an den Tag. In unserem Gewinnspiel haben 79 Leser auf Spanien als Weltmeister gesetzt. Wie versprochen wird es eine Auslosung und für den Glücklichen einen Gewinn geben. Aus organisatorischen Gründen wird sich das allerdings noch eine Weile hinauszögern. Seien Sie gespannt …
 
WM vorbei, also wenden wir uns wieder unseren heimischen Clubs zu. Wie wäre es da mit dem "Berliner Club"? Normalsterbliche denken da natürlich gleich an die Alte Dame Hertha und ihren Neuanfang in Liga 2. Ich ziele jedoch auf einen jungen, ja noch nicht mal gegründeten Verein in Liga 1 ab: Der Spiegel berichtete am Wochenende, die Bundesregierung arbeite an einem Konzept zur Umschuldung zahlungsunfähiger EWU Mitgliedsstaaten. Unter anderem sehe dieser Insolvenzplan die Gründung eines "Berliner Clubs" vor, in welchem eine entsprechende Umschuldung organisiert werden würde. Es ist politisch einigermaßen heikel, dass derlei Überlegungen ausgerechnet jetzt ans Tageslicht kommen. Denn die offizielle Formulierung in Europa lautet eigentlich: "Eine Staatspleite wird es in der Eurozone nicht geben." Und außerdem befinden wir uns doch schon wieder auf dem Weg nach oben, oder mit den Worten der französischen Finanzministerin Christine Lagarde: "Wir befinden uns in der Mitte vom Anfang des Endes" der Krise. Diese Formulierung könnte auch von Günter Netzer stammen…
 
Entsprechend ist ja auch der Banken-Stresstest gestaltet: Die Bankenbilanzen werden nicht dahingehend simuliert, ob sie einer Staatspleite in der Eurozone standhalten können. Es ist lediglich von Kursabschlägen bei verschiedenen Länderanleihen die Rede. Zunächst hieß es, 17% auf Griechen-Bonds und 3% auf spanische WM-Anleihen. Andere Pressemeldungen zitieren für Hellenen-Bonds einen Abschlag von 20%, wieder andere Quellen geben eine Bandbreite von 5% bis 30% an. Wir werden es wohl erst mit der Veröffentlichung der Stresstestergebnisse am 23. Juli erfahren. Bis dahin muss dann auch ein lückenloses Auffangnetz für solche Institute gespannt sein, die entweder durch den Test durchrasseln oder aber aufgrund der Veröffentlichung der Ergebnisse im Markt unter Stress geraten. Heute treffen sich die Finanzminister der EU zum Gedankenaustausch – das Thema "Bankenkapitalisierung im Nachgang zum Stresstest" dürfte da ganz oben auf der Agenda stehen. Und obwohl eigentlich niemand die Stresstest-Parameter genau kennt, hört man allerorten, wie locker doch die Banken diese Prüfung bestanden hätten. Lediglich der Generalsekretär der European Banking Federation (EBF), Guido Ravoet, deutete an, dass die spanischen Sparkassen und die deutschen Landesbanken "die größten Schwierigkeiten" haben könnten, den Test zu bestehen.
 
Während der europäische Banken-Stresstest das dominierende Thema an den Märkten bleiben dürfte, wird sich als Alternativprogramm die Quartalsberichtssaison in den USA in den Vordergrund zu schieben versuchen. Heute Abend nach Börsenschluss geht es mit Alcoa los. Im weiteren Wochenverlauf sehen wir unter anderem Zahlen von Intel, Google, JP Morgan, Citigroup und Bank of America. Letzteres Institut war am Wochenende in den Schlagzeilen. Es hieß, Buchungsfehler in den Jahren 2007 bis 2009 ließen insgesamt 10,7 Mrd. Dollar an der falschen Stelle der Bilanz auftauchen. Möglich, dass diese Meldung die Anleger heute etwas verunsichert.
 
Die Marktstimmung erscheint heute früh ganz leicht angeknackst. Die US Aktienfutures sind etwas im Minus, EUR-USD handelt "nur" noch bei 1,26 nach 1,27 am Freitag und US Treasuries tendieren etwas fester, obwohl in dieser Woche Auktionen im Volumen von $69 Mrd. anstehen. Weitere Höhepunkte diese Woche: Griechenland versteigert morgen 1,25 Mrd. Euro in 26-Wochen T-Bills, die erste Bill-Auktion seit Bestehen des Rettungspakets. Exxon prüft eine Übernahme von BP. China veröffentlicht als erstes Land sein BIP für Q2 (Donnerstag), aus Deutschland kommt der ZEW (morgen) und aus den USA Einzelhandels- und Produktionsdaten. Unser Analyst Paul hat diesbezüglich bereits entsprechende Prognosen abgegeben – aber ich verstehe irgendwie nur spanisch …
 
Purpsis Eckball:
Ich nehm‘ dann mal das Schweiz-Fähnchen von meinem Auto ab, ok?

Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

© Foto by Bliznetsov – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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