Die Creditreform Rating AG sieht sich in Deutschland gut positioniert und will ihr Geschäft weiter ausbauen. Bislang haben die Neusser Bonitätsbewerter rund 350 Ratings erstellt. Zusätzlich wurden etwa 750 so genannte Special-Purpose-Ratings im Auftrag von Banken durchgeführt. Aktuell liegt die Zahl der gültigen und veröffentlichten Ratings von Unternehmen bei über 100. Derzeitiges Kerngeschäft ist das Rating mittelständischer Unternehmen und ihrer Anleihen. Für Institutionelle Anleger werden Bonitätsanalysen strukturierter Finanzierungen mit Bezug auf Kredit- oder Immobilienportfolios erstellt. „Wir prüfen momentan allerdings die Ausweitung unserer Dienstleistungen“, so Dr. Michael Munsch (Foto), Vorstand der Creditreform Rating AG, vor Journalisten in Frankfurt. Denkbar seien vor allem Länderratings und Bonitätsanalysen von Banken und Versicherungsunternehmen. 

Aber auch abseits der Kapitalmarktfinanzierung sind die Creditreform-Ratings gefragte Instrumente zur Unterstützung der Finanzkommunikation oder bei Verhandlungen mit Banken. Denn Kreditinstitute verwenden zwar ihre eigenen internen Ratingsysteme, nutzen für die Kreditentscheidung (Kreditlinie, Zinshöhe, Besicherung, Covenants) aber gerne eine zweite Meinung in Form eines Ratings. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Ratings vor diesem Hintergrund in Zukunft weiter steigen wird“, so Munsch. Auch im Segment der Mittelstandsanleihen scheint noch erhebliches Marktpotenzial vorhanden. Ein Großteil der Ratings von Unternehmen, deren Anleihen an den Börsen Stuttgart, Düsseldorf oder Hannover/Hamburg gehandelt werden, stammt schon jetzt von Creditreform. Berechnungen der Investmentbank Close Brothers Seydler zufolge wurden bislang Mittelstandsbonds im Volumen von 1,67 Mrd. EUR platziert. Rating-Experte Munsch schätzt die Zahl potenzieller Emittenten in diesem Segment auf „mehrere Hundert“. Bislang nehmen institutionelle Investoren an diesem Marktsegment allerdings noch nicht nennenswert teil, meist kaufen Privatanleger die Mittelstandsbonds. Das soll sich jedoch ändern, sofern es gelingt, die Risiken transparent zu machen. Hier sind vor allem die Ratinganalysten gefragt. 
„Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst und erstellen unsere Ratings mit höchster Sorgfalt und Qualitätsansprüchen. Wir unterstützen explizit die Vorgaben der EU-Verordnung für Ratings“, sagt Munsch. Dass den Mittelstandsanleihen spezielle Ausfallrisiken innewohnen, bestreitet er nicht. „Ausfälle sind bei den mittelständischen Anleihe-Emittenten früher oder später sicherlich zu erwarten. Das implizieren schon die mit den einzelnen Ratingnoten verbundenen Ausfallwahrscheinlichkeiten“, prophezeit Munsch. Ein Emittent mit einem Rating im Bereich BB, wie es zahlreiche mittelständische Unternehmen aufweisen, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin neun Prozent innerhalb von fünf Jahren ausfallen. Bei derzeit elf Anleihen mit einem Creditreform-Rating von BB wird also statistisch gesehen zumindest eines das Anleihevolumen nicht zurückzahlen können. „Es bleibt zu hoffen, dass dieser Ausfall als systemimmanent akzeptiert wird“, sagt Munsch. Dazu sei der Aufbau von Vertrauen in die grundsätzliche Stabilität des Segments essentiell. Denn insgesamt erscheint das Segment solide, und für kapitalsuchende Unternehmen stellt es eine nicht zu unterschätzende alternative Finanzierungsquelle gerade für mittelständisch geprägte Unternehmen dar. 
 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code