… und der Mantel.

Wenn jemanden das Hemd näher ist, als der Rock (das Sakko ist gemeint), dann soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass die eigenen Interessen vor denen anderer vorgehen. Ganz so, wie man dies zunehmend von der politischen Kaste in Berlin, Paris oder dem Rest der Europäischen Union erlebt.

Zunächst geht es immer um die Wiederwahl in 4 minus X Jahren. Da werden dann Geldschatullen aufgemacht, in denen kein Geld drin ist. Beispielsweise um die soziale Gerechtigkeit zu fördern. Aber ist eine schuldenfinanzierte Politik, die sozial sein will, denn wirklich sozial, wenn der Bürger die Zeche am Ende dann doch bezahlt?

Wenn dann die Sphäre des Hemds tatsächlich überwunden wird und der Rock doch noch in die Aktivitäten einbezogen wird, dann denkt man in den politischen Landeszentralen wenigstens ans eigene Land.

Für eine gemeinsame Währung braucht es Stabilitätskriterien. Hatten wir. Aber die wurden immer wieder aufgeweicht, damit Frankreich und Deutschland keine Milliarden an Strafen zahlen müssen. Es braucht eine politisch unabhängige EZB. Hätten wir. Wenn die EZB nicht in großem Stil Staatsanleihen aufkaufen würde. Zudem sollten Länder nicht die Schulden anderer Länder kaufen dürfen. Dürfen sie nicht. Laut EU-Vertrag. Aber machen sie gerade.

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Und jetzt kommt die Wirtschaftsregierung ins Spiel. Grundsätzlich eine gute Sache, die ist aber in meiner Metapher nur der Mantel. Europa scheint so weit weg, von den eigenen Interessen, dass ein Herr Rössler seinen Satz über die Wirtschaftsregierung rhetorisch geschickt mit „es ist richtig“ beginnt und mit „die Grundzüge der deutschen Wirtschaftspolitik würden aber weiterhin vom deutschen Wirtschafsminister bestimmt“ beendet. Paradoxe Intervention nennt man das.

Da haben wir es wieder mit einem „wasch mich, aber mach mich nicht nass“ zu tun. Im Kopf scheint klar, dass Europa nur über eine rigorose Wirtschafts- und Steuerdisziplin zu retten ist, aber am Ende wird das Hemd eben wieder näher sein als der Mantel.

Foto von Talaj – www.istockphoto.com

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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