– Eindrücke und Gedanken zur 12. Konferenz „Die EZB und ihre Beobachter“ – Zum zwölften Mal fand Anfang Juli 2010 in Frankfurt am Main die Konferenz „The ECB and Its Watchers“ statt. Manche Teilnehmer und Beobachter fanden die Veranstaltung, im Vergleich zu den elf voran gegangenen, deswegen als besonders unterhaltsam, weil es zwischen dem ECB-Direktionsmitglied Lorenzo Bini Smaghi und dem Bonner Ökonomen Manfred Neumann zu einem verbalen Schlagabtausch kam, wobei Neumann die altbekannten deutschen Argumente im Zusammenhang mit der Griechenlandrettung vortrug und Bini Smaghi sich wohl genötigt fühlte die, an ihren Rändern reichlich ramponierte, Fahne der Unabhängigkeit der ECB in den Gegenwind zu recken.

Doch welche neuen substantiellen Erkenntnisse jenseits einer geschmacklosen Diskussion über den rechten Gebrauch des deutschen Wortes von der „Schicksalsgemeinschaft“ kamen bei der Konferenz nun wirklich für das Publikum heraus? Um das enttäuschende Ergebnis vorweg zu nehmen, keine!

So untersuchte Anil Kashyap von der Chicago Booth School die Aufsichtsstrukturen im Finanzgewerbe auf ihre Fähigkeit systemischen Risiken vorzubeugen. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass man schon wisse was falsch lief und was getan werden müsse, aber die Politik mit ihren Entscheidungen nicht nachkomme. John Lipsky vom IMF forderte einmal mehr eine verabredete Zusammenarbeit der staatlichen Autoritäten. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der ECB, schob ganz die technische Seite in den Vordergrund und verlässt sich auf die Entwicklung neuer Werkzeuge, mit deren Hilfe man eine Reihe von Sachverhalten besser steuern könne. So etwa im Bereich von money-demand, bei money-based indicator models, structural models, cross checking und nicht zuletzt money/credit und asset prices. Charles Wyplosz vom Graduate Institute Geneva beklagt was in den zurückliegenden Monaten alles an Möglichkeiten vergeudet wurde. Dazu gehört bei ihm eine bessere Abstimmung der Fiskalpolitik, von der er im gleichen Atemzug seiner Präsentation behauptet das sei im höchsten Maße sowohl wirtschaftlich wie politisch kompliziert. Daneben hätte man auch einen Stabilitätspakt beschließen, eine Bankenreform einleiten und eine gemeinsame Aufsicht im Euroland etablieren können.

Der Eindruck ist nicht falsch, man warte erst mal ab wie weit es die Politik schaffen wird mit neuen Gesetzen und internationalen Verträgen, am besten auf G-20-Ebene, mindestens aber in der EU, Rahmenbedingungen zu be-schließen, die man dann nach und nach ausfüllen könne. Doch schon heute steht ein reichhaltiges Instrumentarium von Möglichkeiten zur Verfügung Krisen vorzubeugen. Geldmengen zu steuern liegt in der Hand der Zentralbanken und kann mit vielfältigen Mitteln fein abgestimmt und international wohl koordiniert vorgenommen werden. Aufsichtsbehörden haben alle Rechte die Geschäftspraxis ihrer „Schützlinge“ einzusehen, sich ein Bild zu machen und gegebenenfalls frühzeitig einzugreifen. Künftig wird das auch für Hedgefonds und sonstige Finanzgesellschaften gelten.

Eine systemische Krise vorherzusehen und sich dagegen zu wenden dazu bedarf es institutionalisiertem Informationsaustausch von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden. Den gibt es schon lange, im Rahmen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Keiner der ECB-Watchers hat diese Aspekte untersucht und sich die Frage gestellt, was man mit den vorhandenen Mitteln schon heute erreichen kann, gleichgültig wie die Politik mit dem Thema zu Rande kommt. Die Finanzwirtschaft, ausgestattet mit einem dicken Fell im Ertragen öffentlicher Kontrollauflagen, ist flexibel genug sich auf alle Rahmenbedingungen einzustellen.

Wenn ihr allerdings keine Fragen gestellt werden, wozu sollte sie dann im vorauseilenden Gehorsam antworten?

 

 

 

© Foto by porcorex – www.istockphoto.com

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