„Das ist Babak. Da er Gegensรคtze spannend findet und sich in einer warmen Atmosphรคre wohlfรผhlt, habe ich ihm einen Cocktail aus Kaffee, Rum, Schokolade und Chili gemixt.“ Was hat dieses Zitat auf einem Bank-Hackathon zu suchen? Die Antwort tangiert eine grundsรคtzliche Problemstellung aller Unternehmen, die fรผr ihre Kunden relevante, nรผtzliche und passgenaue Produkte anbieten mรถchten. Und wer mรถchte bzw. muss das nicht? Gerade Banken kรถnnen in der aktuellen Situation ein Lied davon singen, wie sehr sich der Konkurrenzkampf um die Kunden verschรคrft hat und wie essentiell der Bedarf an innovativen Angeboten ist. Das oben stehende Zitat stammt aus einem Experiment, welches den ersten Abend des Hackathons abrundete.
„UX Drinks โ Nutzerzentriertes Betrinken“
Durch Kurzinterviews sollten die Mentalitรคt und die Vorlieben des Gegenรผbers ermittelt werden, um so den fรผr ihn passenden Cocktail zu mixen. รbertragen auf die Bankbranche fรผhrt dies zu einer Forderung, die in jรผngster Zeit immer lauter und hรคufiger vorgebracht wird: Wenn wir keine Produkte und Services anbieten, die unseren Kunden echte Mehrwerte bieten und die individuell an deren Lebenssituation, Mediennutzungs-, Kommunikations- und Einkaufsverhalten angepasst werden kรถnnen, werden wir diese Kunden an andere Anbieter verlieren. Nicht nur der Vertrieb und die Abteilung Produktentwicklung mรผssen dies beherzigen. Alle Fachbereiche, vom Vorstand รผber den Berater bis zum Servicemitarbeiter, mรผssen ganz bewusst den Anspruch verfolgen, Angebote zu offerieren, die dem Kunden wirklich helfen, fรผhrte David Grieshammer von Universal Interaction in seiner Einleitung aus. So konnten die UX Drinks in den Kรถpfen der Teilnehmer ein Bewusstsein fรผr Design Research, User Experience und Usability schaffen, welches sie sich bei der Umsetzung ihrer Ideen immer wieder ins Gedรคchtnis rufen konnten.
Das Konzept der Roadshow
Zum ersten Mal รถffnet die Postbank im Rahmen dieser Tour ihre API fรผr die รffentlichkeit. Das Unternehmen erhofft sich davon, Anmerkungen, Input und neue Ideen von externen Entwicklern zu erhalten, welche sich durch diverse Hintergrรผnde und Blickwinkel auรerhalb der Bankbranche auszeichnen. Oder wie es Tobias Ehret, Head of Digital Experience & Innovationmanagement, in einem Gesprรคch am Rande des Events ausdrรผckte: โEin Hackathon strahlt enorm nach innenโ โ und zwar nicht nur in Bezug auf konkrete IT-Fragen, sondern auch auf die Unternehmens- und Innovationskultur. Das Motto โDELETE /limitsโ zielt darauf ab, alte Strukturen und Konzepte durch neue Impulse anzureichern, die Chancen digitaler und analoger Vernetzung zu nutzen und Grenzen zu รผberwinden. Diesem Grundgedanken folgt auch das hausinterne โIdeenlaborโ, welches unter anderem in Form einer Co-Creation-Plattform die Mรถglichkeit zu gemeinschaftlichen Innovationen bietet und bereits von etwa 3500 Menschen genutzt wird. Die Verantwortlichen wรคhlten aus den genannten Grรผnden bewusst das Konzept der Roadshow. Statt die Teilnehmer in den Hauptsitz nach Bonn einzuladen, sei laut Ehret ein zentrales Element der Konzeption, โdahin zu gehen, wo die Community ist.โ
Vernetzung als Leitidee
Ein Ideation Workshop nach dem Konzept des World-Cafรฉs, in dem die Teilnehmer alle APIs kennenlernen und erste Ideen entwickeln konnten, legte den Grundstein des Hackathons. Neben der Postbank Systems steuerten SAP (Premiumpartner des Events), Microsoft, SatoshiPay und die Deutsche Bahn eigene APIs und jeweils einen Ansprechpartner bei. Je nach Interesse und Expertise bildeten sich Teams, die anschlieรend die Umsetzung der Ideen forcierten. Eine der Aufgabenstellungen war, die vorhandenen APIs in einer Art und Weise zu kombinieren und zu vernetzen, dass ein Service entsteht, der ein Problem des potenziellen Nutzers lรถst und ihm einen lebensnahen Mehrwert bietet. Vernetzung war auch das entscheidende Schlagwort im Vortrag von Dirk Kruse, Vertriebsleiter fรผr Banken und Versicherungen bei SAP. Auch wenn Digitalisierung derzeit das Buzzword in der Finanzbranche sei, ginge es im Kern eigentlich um die Vernetzung digitaler Prozesse. Letztlich hat das Siegerteam des Hackathons die Jury genau mit einer solchen Vernetzung รผberzeugt. Mithilfe der APIs von SAP, SatoshiPay, Postbank Systems und Microsoft hat es eine Lรถsung entwickelt, die den Nutzer und sein mobiles Endgerรคt durch intelligente Features, Bewegungs- und Verhaltensmuster identifiziert und Zahlungen authentifizieren kann.
Philipp Scherber war von Januar 2016 bis Oktober 2019 Redakteur bei BANKINGNEWS und bekleidete anderthalb Jahre die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Wรคhrend seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universitรคt zu Kรถln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

