Nach einem ersten Hackathon in Köln öffnete die Postbank in Berlin erneut ihre API für externe Entwickler und Designer.

„Das ist Babak. Da er Gegensätze spannend findet und sich in einer warmen Atmosphäre wohlfühlt, habe ich ihm einen Cocktail aus Kaffee, Rum, Schokolade und Chili gemixt.“ Was hat dieses Zitat auf einem Bank-Hackathon zu suchen? Die Antwort tangiert eine grundsätzliche Problemstellung aller Unternehmen, die für ihre Kunden relevante, nützliche und passgenaue Produkte anbieten möchten. Und wer möchte bzw. muss das nicht? Gerade Banken können in der aktuellen Situation ein Lied davon singen, wie sehr sich der Konkurrenzkampf um die Kunden verschärft hat und wie essentiell der Bedarf an innovativen Angeboten ist. Das oben stehende Zitat stammt aus einem Experiment, welches den ersten Abend des Hackathons abrundete.

„UX Drinks – Nutzerzentriertes Betrinken“

Durch Kurzinterviews sollten die Mentalität und die Vorlieben des Gegenübers ermittelt werden, um so den für ihn passenden Cocktail zu mixen. Übertragen auf die Bankbranche führt dies zu einer Forderung, die in jüngster Zeit immer lauter und häufiger vorgebracht wird: Wenn wir keine Produkte und Services anbieten, die unseren Kunden echte Mehrwerte bieten und die individuell an deren Lebenssituation, Mediennutzungs-, Kommunikations- und Einkaufsverhalten angepasst werden können, werden wir diese Kunden an andere Anbieter verlieren. Nicht nur der Vertrieb und die Abteilung Produktentwicklung müssen dies beherzigen. Alle Fachbereiche, vom Vorstand über den Berater bis zum Servicemitarbeiter, müssen ganz bewusst den Anspruch verfolgen, Angebote zu offerieren, die dem Kunden wirklich helfen, führte David Grieshammer von Universal Interaction in seiner Einleitung aus. So konnten die UX Drinks in den Köpfen der Teilnehmer ein Bewusstsein für Design Research, User Experience und Usability schaffen, welches sie sich bei der Umsetzung ihrer Ideen immer wieder ins Gedächtnis rufen konnten.

Das Konzept der Roadshow

Zum ersten Mal öffnet die Postbank im Rahmen dieser Tour ihre API für die Öffentlichkeit. Das Unternehmen erhofft sich davon, Anmerkungen, Input und neue Ideen von externen Entwicklern zu erhalten, welche sich durch diverse Hintergründe und Blickwinkel außerhalb der Bankbranche auszeichnen. Oder wie es Tobias Ehret, Head of Digital Experience & Innovationmanagement, in einem Gespräch am Rande des Events ausdrückte: „Ein Hackathon strahlt enorm nach innen“ – und zwar nicht nur in Bezug auf konkrete IT-Fragen, sondern auch auf die Unternehmens- und Innovationskultur. Das Motto „DELETE /limits“ zielt darauf ab, alte Strukturen und Konzepte durch neue Impulse anzureichern, die Chancen digitaler und analoger Vernetzung zu nutzen und Grenzen zu überwinden. Diesem Grundgedanken folgt auch das hausinterne „Ideenlabor“, welches unter anderem in Form einer Co-Creation-Plattform die Möglichkeit zu gemeinschaftlichen Innovationen bietet und bereits von etwa 3500 Menschen genutzt wird. Die Verantwortlichen wählten aus den genannten Gründen bewusst das Konzept der Roadshow. Statt die Teilnehmer in den Hauptsitz nach Bonn einzuladen, sei laut Ehret ein zentrales Element der Konzeption, „dahin zu gehen, wo die Community ist.“

Vernetzung als Leitidee

Ein Ideation Workshop nach dem Konzept des World-Cafés, in dem die Teilnehmer alle APIs kennenlernen und erste Ideen entwickeln konnten, legte den Grundstein des Hackathons. Neben der Postbank Systems steuerten SAP (Premiumpartner des Events), Microsoft, SatoshiPay und die Deutsche Bahn eigene APIs und jeweils einen Ansprechpartner bei. Je nach Interesse und Expertise bildeten sich Teams, die anschließend die Umsetzung der Ideen forcierten. Eine der Aufgabenstellungen war, die vorhandenen APIs in einer Art und Weise zu kombinieren und zu vernetzen, dass ein Service entsteht, der ein Problem des potenziellen Nutzers löst und ihm einen lebensnahen Mehrwert bietet. Vernetzung war auch das entscheidende Schlagwort im Vortrag von Dirk Kruse, Vertriebsleiter für Banken und Versicherungen bei SAP. Auch wenn Digitalisierung derzeit das Buzzword in der Finanzbranche sei, ginge es im Kern eigentlich um die Vernetzung digitaler Prozesse. Letztlich hat das Siegerteam des Hackathons die Jury genau mit einer solchen Vernetzung überzeugt. Mithilfe der APIs von SAP, SatoshiPay, Postbank Systems und Microsoft hat es eine Lösung entwickelt, die den Nutzer und sein mobiles Endgerät durch intelligente Features, Bewegungs- und Verhaltensmuster identifiziert und Zahlungen authentifizieren kann.

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Philipp Scherber, Jahrgang 1987, ist seit Januar 2016 Redakteur bei BANKINGNEWS. Während seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universität zu Köln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

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