Demografischer Wandel als Filialkiller

Von Fachleuten wird er nicht nur schon seit Jahren angekündigt, sondern er lässt sich längst statistisch belegen: Der demografische Wandel hat längst eingesetzt und wird sich auch immens auf die Bankenlandschaft in Deutschland auswirken.

Immer mehr Menschen zieht es in die Großstädte. Das ist kein Geheimnis und ein Trend, der unaufhaltsam scheint. Der demografische Wandel in Deutschland besitzt eine klare Tendenz, die Kommunen, Konzerne und auch Banken mit ihren Filialen vor große Probleme stellt. Wie das Fachmagazin „Bank intern“ berichtet, wird etwa die Westerwald-Bank durch den Demografie-Effekt um die 300.000 Euro pro Jahr an Geldern einbüßen. Dies läge zum größten Teil daran, dass man von einem Bevölkerungsrückgang von 21 Prozent ausgeht. Eine automatisch eintretende Konsequenz sind die niedrigeren Erträge im Vergleich zu früheren Jahren. Noch konnte die Westerwald-Bank ihre Bilanz verbessern. Aber der oben beschriebene Effekt wird auf kurz oder lang eintreten – auch bei Banken, die in den entsprechenden Kommunen und Regionen Filialen führen. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, müssen Geldhäuser keine studierten Gerontologen aus Stuttgart einkaufen. Es handelt sich vielmehr um eine mathematische Gewissheit.

Neuausrichtung der Geldhäuser

Jetzt könnten Vorstände die berechtigte Frage stellen: „Wo eröffnen wir denn demnächst noch neue Filialen?“ Nun, eine Faustregel für diesen Fall könnte lauten: „Deine Filiale sollte dort sein, wo der Kunde ist.“ Problematisch wird es an der Stelle, wenn man über die Rentabilität einer Filiale nachdenkt. Denn der demografische Wandel besagt ja nicht, dass ganze Städte vollständig aussterben. Banken sehen sich dann einem Tanz auf der finanziellen Rasierklinge ausgesetzt und müssen ähnlich wie Kommunen auf politischer Basis strategische Konzepte entwickeln – strategische Konzepte zur Neuausrichtung auf dem gesamten Markt. Das oft diskutierte Banking der Zukunft muss zum Banking der Gegenwart werden. In Ermangelung an Filialen in der Nähe muss das Erledigen von Bankgeschäften auf mobilem Wege eine fest institutionalisierte Komponente im Verhältnis von Kunden zu ihren Geldhäusern sein.

Der Filialkiller mit der Waffe im Anschlag

Beim Betrachten statistischer Hochrechnungen erscheint der demografische Wandel als Filialkiller, der bereits mit gezogener Waffe im Türrahmen der Kreditinstitute steht. Ob Banken ihn hereinlassen, hängt vor ihrer Reaktion auf den gesellschaftlichen Sensenmann ab.

TEILEN
Vorheriger ArtikelHarte Zeiten für Commerzbank
Nächster ArtikelBargeld lacht
Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code