Guten Morgen, heute ist Donnerstag, der 8. Juli 2010! 

  • Neue Frisur: Stresstest sieht angeblich Haircuts von 17% für griechische und 3% für spanische Anleihen vor
  • Frisch gescheitelt: EZB-Präsident Trichets Themen heute: Stresstest, Anleihen-Kaufprogramm & Exit-Strategie
  • Blonde Extensions: Euphorische Marktreaktion auf Stresstest-Details

30 Ü-Eier habe ich in mich in mich hineingewürgt, dazu 33 Milchschnitten und ein ganzes Kilogramm Schokocreme – nur um genug Sammelpunkte zusammenzubekommen, bei deren Einsendung mir als Prämie ein offizielles Fan-Käppi der Deutschen Nationalmannschaft winkt. Und jetzt so etwas: Punkte eingesendet, Käppi noch nicht da, aber die Weißen Adler sind ausgeschieden. In zwei Jahren, vor der Europameisterschaft, werde ich früher anfangen zu naschen, werde mir die Zuckerware kiloweise reinstopfen – als Preis lockt dann wahrscheinlich der rechte Buffer von Toni Kroos oder eine Perücke toupiert nach Carles Puyol…

Jogi Löws Training war wohl darauf ausgerichtet, dass die Spanier 3% schlechter spielen würden. Der Banken-Stresstest wählt den gleichen Ansatz: Die europäische Bankenaufsichtsbehörde CEBS rückte gestern mit den ersten Details zu den Parametern des Tests raus. Das makroökonomische Szenario simuliert eine Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, die für die Jahre 2010 und 2011 um rund drei Prozentpunkte unter den Prognosen der EU Kommission liegt (Kommission: 1,0%/1,7%, Stresstest: -0,2%/-0,6%). Die Parameter für das Finanzmarktszenario sind noch nicht offiziell (soll heute kommen), aber nach übereinstimmenden Medienberichten sieht dieses folgende Eckwerte vor: Griechische Staatsanleihen werden mit einem Abschlag von 17% versehen, spanische Bonds mit einem Haircut von 3%. Die Meldungen schaffen jedoch keine Klarheit dahingehend, ob es sich bei den kolportierten Abschlägen um solche auf den Nominalwert oder auf den aktuellen Kurswert handelt. Im Markt werden griechische Anleihen zu Kursen von 60 bis 90 quotiert, spanische Langläufer notieren zu 85 bis 105. Aus Kreditausfall-Versicherungen errechnen sich für Griechenland im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Verluste jenseits von 50%. Wer damit gerechnet hatte, der Banken-Stresstest würde ein Armageddon-Szenario simulieren, sieht sich getäuscht. Es ist, als würden beim NCAP Crashtest die Autos jetzt nicht mehr mit jeweils 64 km/h aufeinanderprallen, sondern nur noch mit 6 km/h.

Die Reaktion der Märkte auf die Meldungen am gestrigen Nachmittag hatte etwas Skurriles: Bankaktien schossen mit teils hohen einstelligen Zuwächsen in die Höhe. Die Anleger machen sich offensichtlich keine Sorgen, dass auch nur eine einzige der 91 getesteten Banken die Anforderungen des Stresstests nicht wird erfüllen können. Man könnte auch interpretieren: Die Rallye in den Bankentiteln ist ein Misstrauensvotum gegen die Parameter des Tests. Mal schauen, was heute noch so an Details kundgetan wird.

Bestimmt wird auch Jean-Claude Trichet auf der heutigen Pressekonferenz der EZB gefragt, wie "stressig" er den Stresstest für die Banken einschätzt. Des Weiteren erhoffen wir uns eine Bewertung zum Anleihen-Kaufprogramm, in welchem die Notenbank seit Anfang Mai Staatsanleihen im Kurswert von insgesamt 59 Mrd. erworben hat. Schließlich gilt es, die Liquiditätssituation im europäischen Bankensektor zu beurteilen. Das Liquiditätsgeschubse in der vergangenen Woche hat zu einem merklichen Rückgang in der Überschussliquidität geführt. In der Folge steigen die Geldmarktsätze an. EONIA wird derzeit leicht oberhalb von 0,40% gefixt, 5-10 Bp höher als noch vor zwei Wochen. Und der 3-Monats Euribor krabbelt jeden Tag um rund einen halben Basispunkt auf mittlerweile 0,80% nach oben. Ist der gestresstestete europäische Bankensektor bereits reif für höhere Fundingniveaus? Wenn nicht, muss die EZB möglicherweise eine Verschiebung ihrer Ausstiegsstrategie veranlassen. Bislang ist geplant, die krisenbedingten Sondermaßnahmen im Oktober auslaufen zu lassen.

Mit dem Rückenwind aus den USA (S&P500 +3,1%) werden auch die europäischen Aktien heute fest in den Tag starten. Daran dürfte auch nicht stören, dass der IWF seine 2011er Wachstumsprognosen für Europa heute früh leicht nach unten revidiert hat. Das Ausscheiden der Deutschen Nationalmannschaft sollte den Handel nicht belasten – allenfalls die Anbieter von WM-Sammelmarken aller Art sollten etwas abgestraft werden…

Purpsis Eckball:

Am 20. August beginnt die Fußball-Bundesliga…

Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

© Foto by Valua Vitaly – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG
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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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