Durch den digitalen Wandel müssen Banken völlig neue Geschäftsmodelle etablieren. Bildnachweis: iStock.com/jamesteohart

Der digitale Wandel hat alle Branchen erfasst: Einer der größten internationalen Anbieter von Fahrdienstleistungen besitzt keine Taxiflotte und ein millionenfach genutzter Anbieter von Telefoniediensten arbeitet ohne eigene Telekommunikationsinfrastruktur. Die Liste solcher Beispiele könnte beliebig fortgesetzt werden. Solche Unternehmen zwingen „traditionelle“ Anbieter, ihr Geschäftsmodell zu hinterfragen und innovativer zu werden. Die davon ausgehende Dynamik hat die deutsche Wirtschaft längst erreicht. Auch im Finanzbereich sind eine Vielzahl neuer Technologieanbieter entstanden: die Fintechs. Das Bankgeschäft mit Privatkunden musste sich schon früh mit neuen Wettbewerbern auseinandersetzen und die Digitalisierung hat ebenso bereits das Wholesale-Banking erreicht. In keinem Bereich ist das offensichtlicher als im Zahlungsverkehr: PayPal, Apple Pay, Google Wallet oder paydirekt, das gemeinsame Angebot der deutschen Finanzwirtschaft, erlauben es den Nutzern, aus einer Fülle von Angeboten auszuwählen.

Banken und Fintechs sind heute gleichzeitig Wettbewerber, Kunden und mögliche Partner. Wie solch eine Partnerschaft aussehen kann, zeigt das folgende Beispiel: In Kooperation mit dem Londoner Fintech BCSG startete die Deutsche Bank im März 2016 als erste Bank in Deutschland ein digitales Portal für den Mittelstand. Dieses bietet umfangreiche Leistungen über das normale Bankgeschäft hinaus: Firmen haben die Möglichkeit, Business-Pläne und Wettbewerbsanalysen zu erstellen sowie Bonitätseinschätzungen abzurufen. Daneben erhalten Nutzer aufbereitete Marktdaten und Informationen wie Zollvorschriften und Dokumentenvorlagen für das In- und Ausland. Das Unternehmerportal unterstützt die Geschäftsführungen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) bei strategischen und operativen Fragestellungen mit Blick auf die Branche, Regionen, Kunden und Lieferanten. Als rein digitales Angebot kann das Unternehmerportal vollständig personalisiert und für alle digitalen Endgeräte optimiert werden.

Banken und Fintechs müssen und möchten zusammenarbeiten. Die jungen Start-ups bieten frische Ideen, neueste Technologien, eine starke Innovationskraft und Dynamik bei der Umsetzung. Banken können im Gegenzug ihre internationale Reichweite, ihren großen Kundenstamm, eine etablierte Marke und die tiefe Kenntnis einer hochgradig regulierten Branche in die Waagschale werfen. Es entsteht ein neues Ökosystem, in dem Banken nicht die gesamte Wertschöpfungskette, die sie ihren Kunden anbieten, selbst abdecken werden. Gleichzeitig führt die Bankenregulierung dazu, dass sich Fintechs vor allem für jene Teile der Wertschöpfungskette interessieren, die keine Banklizenz erfordern.

Kunden legen großen Wert auf Kontinuität in der Geschäftsbeziehung sowie auf die Stabilität und Sicherheit der Systeme. Außerdem führt die systemische Relevanz einzelner Angebote, wie im Falle des Zahlungsverkehrs, zu einer hohen Aufmerksamkeit bei Regulatoren. Sie müssen sicherstellen, dass die hohen Anforderungen an Banken, die für Sicherheit und Transparenz sorgen, zum Marktstandard werden. Die Digitalisierung ist für Banken eine große Chance. Sie schafft bei ihren Kunden eine Nachfrage nach ganz neuen Beratungsleistungen und Finanzlösungen. Als Schnittstelle zwischen Firmenkunden und deren Geschäftspartnern können Banken perspektivisch die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen nutzen, um Mehrwerte für die gesamte Wertschöpfungskette zu schaffen.

Für die weitere Entfaltung neuer Technologien ist damit die Perspektive des Kunden entscheidend. In welchen Bereichen bietet eine digitale Lösung einen echten Mehrwert, in die der Markt bereit wäre zu investieren? Ein Beispiel mit Potenzial für die Zukunft ist Blockchain. Es ist de facto ein elektronisches Register, in dem alle Ereignisse, wie zum Beispiel Transaktionen im Zahlungsverkehr, gelistet werden. Auch die Deutsche Bank ist vom Potenzial dieser neuen Technologie überzeugt und engagiert sich mit weiteren Banken in der Entwicklung einer gemeinsamen Blockchain-Plattform mit Namen „Digital Trade Chain“. Es handelt sich dabei um eine Plattform, die es Importeuren und Exporteuren ermöglicht, papierlose Handelstransaktionen sicher auszulösen und sie in ihren verschiedenen Stadien zu überwachen. Diese Form der Digitalisierung reduziert den administrativen Aufwand deutlich und ist damit besonders für KMU interessant. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie im Banken-Sektor neue Lösungen auf Basis der Blockchain-Technologie den Markt erreichen. Bis sich entsprechende Produkte in der Fläche durchsetzen, kann es jedoch noch Jahre dauern. Der digitale Aufbruch trägt aber dazu bei, dass sich Finanzdienstleister wie Unternehmen frühzeitig mit diesem und auch weiteren zukunftsorientierten Themen auseinandersetzen.

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