Der Sonntag des Grauens

Kennen Sie das? Sie stehen an einem Sonntagmorgen völlig verschlafen aus Ihrem ach so gemütlichen Bett auf, um sich zu Ihrem königlichen Frühstück zu begeben. Darauf hatten Sie sich schon das ganze Wochenende gefreut! Während Sie den heißen Kaffee aufsetzen und Ihnen der liebliche Duft der gebrannten Bohnen die Nase schmeichelt, kommt plötzlich die unschöne Gewissheit, dass Sie noch eine wichtige Erledigung für diesen Tag vor sich haben: Sie müssen Ihre Hemden bügeln!

Der Stapel hat eine eigene Adresse

Und wir reden nicht von ein paar Hemden – nein, Sie haben Ihre Bügelpflichten mehrere Tage schleifen lassen und befinden sich nun in der ausweglosen Situation, Ihre kostbaren Hemden bis morgen früh in Schuss zu bringen. Es reicht nicht, nur eines in Angriff zu nehmen. Nein, alle müssen ran! Sie stehen nämlich vor einer Woche, die eine noch nie dagewesene Terminflut für Sie bereithält, so dass an eine Verlegung der Aktion auf einen der nächsten Abende nicht zu denken ist.
Und so geht er dahin, der entspannte Sonntag. Noch während Sie in Ihr frisches, vom Bäcker Ihres Vertrauens mitgebrachtes Brötchen beißen, verzieht es Ihnen die Mundwinkel. Der Spaß am Frühstück ist dahin. Der Auslöser ist nicht die harte Butter oder ein verfaultes Ei. Nein, es ist die lästige gesellschaftliche Verpflichtung, gepflegt auf der Arbeit zu erscheinen. Wer hat sich das bitte ausgedacht? Wer kam auf diese Idee? Und wer glaubt, daraus eine Vorschrift zu machen, die sich klammheimlich institutionalisiert hat?

Nerviger Prozess – kostbare Zeit

Dabei hätte es so schön sein können. Der frische Aufschnitt liegt säuberlich angerichtet auf Ihrem Esstisch, die Kanne Kaffee ist noch großzügig gefüllt und nebenbei wollten Sie doch noch ein paar von Ihren Lieblingszeitungen durchblättern. Wie gerne man doch dabei die Zeit vergisst! Daran ist nun nicht zu denken. Sie schnappen sich unmotiviert das Bügelbrett, nehmen lustlos das Bügeleisen in die Hand und beginnen die ungeliebte Arbeit. Eintönig ist der Ablauf und die Zeit will einfach nicht vergehen. Oder ist es gar anders? Der Prozess nervt Sie, aber die kostbare Zeit Ihres so durchdachten Sonntags läuft Ihnen davon wie das Kaninchen in „Alice im Wunderland“. Sie sind der Profi im Aufstellen eines Business-Plans, aber in der Freizeit versagen Sie auf ganzer Linie. Kennen Sie dieses Gefühl?
Wenn ja, dann sind Sie nicht alleine mit diesen Gedanken. Sie erleiden den lebendigen Albtraum, dem so ziemlich jeder arbeitende Mensch ausgesetzt ist. Trösten Sie sich, nächstes Wochenende klappt es bestimmt besser.

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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