Autor: Tanja Langer

Euro: 19,99

408 Seiten, gebunden

ISBN:   978-3784433059

LangenMüller Verlag 2012

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Ein Sprichwort besagt ja, dass sich Gegensätze anziehen. Programmatischen Ausdruck findet diese These in dem Denken und Handeln des ehemaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen. Dieser repräsentierte wie kein anderer Banker nach ihm die Ambivalenz zwischen gewollter Gewinnerzielung und gelebter gesellschaftlicher Verantwortung. 1982 traf er in Kontext eines Talkshowauftritts die damalige Studentin Tanja Langer. Die 1962 in Wiesbaden geborene Vertreterin der „No-Future-Generation“ beeindruckte den Spitzenmanager mit ihrer kritischen Meinung, so dass sich im Laufe der Jahre eine besondere Freundschaft entwickelte, in deren Verlauf es über Briefe und während gemeinsamer Treffen zu einem regen Austausch kam. Dieser für beide Seiten fruchtbare Dialog wurde 1989 jäh durch den Mord an Alfred Herrhausen unterbrochen, zu welchem sich wenig später die Rote Armee Fraktion bekannte. Die Welt verlor an diesem Tag nicht nur eine Legende der Bankbranche, sondern einen hoch angesehenen Menschen, der den schwierigen Spagat Kapitalismus und sozialen Verpflichtungen gegenüber dem Volk mehr als ernst nahm und die Deutsche Bank rückblickend visionär umstrukturierte.

Eine fiktionale Geschichte mit historischen Wurzeln?

Sie fragen sich nun, was diese Einleitung im Rahmen einer Buchrezension bezwecken soll? 2012 veröffentlichte Tanja Langer ihren Roman „Der Tag ist hell, ich schreibe dir“, der den Leser wieder in das vom Kalten Krieg bestimmte Europa der 1980er Jahre versetzt. Auch wenn man fiktive Figuren nicht mit realen Personen gleichsetzen soll, so kann doch der in diesem literarischen Werk auftretende Julius Turnseck ohne großen Zweifel mit Alfred Herrhausen identifiziert werden. Die Autorin instrumentalisiert den Spitzenmanager als Figur und dessen tragisches Schicksal, um die Geschichte der jungen Abiturientin Helen zu erzählen, die 1982 eben jenen Bankier Julius Turnseck kennenlernt. Kurz nach dem Mauerfall fällt der Mann, der grundsätzlich nichts von fadenscheinigen Krediten hält, einem Attentat zum Opfer. Jahre später wird sie mit dem Leben des Bankiers durch Journalistenfragen konfrontiert und muss sich zwangsläufig mit dessen frühen Jahren in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Während ihres investigativen Vorgehens bemerkt Helen, dass hinter dem Mordanschlag nicht unbedingt die Rote Armee Fraktion stecken muss, was wiederum auch für die nichtfiktionale Welt von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Schließlich hatten sowohl Herrhausen als auch Turnseck viele Feinde in der Bankenbranche. Hatten sogar diverse Geheimdienste beim Attentat ihre Finger im Spiel? Immer mehr stehen die Fragen im Raum, wer Julius Turnseck eigentlich war und warum er überhaupt sterben musste. Tanja Langer wählt als Erzählmodus einen multiperspektivischen Ansatz, der sowohl die Ich-Erzählerin und Briefschreiberin Helen als auch die auktoriale Sicht wählt, was die Figuren für den Leser realistisch und greifbar macht.

Zeitgeschichte trifft auf spannende Unterhaltung

Tanja Langers Roman erschien in einer für die Branche angespannten Zeit. Menschen gingen und gehen auf die Straßen, um gegen die (vermeintliche) Allmacht der Banken und Finanzwelt zu demonstrieren, während sie im regen Gedankenaustausch mit einem Spitzenmanager der Branche stand, der wie kein anderer die Ideale der Gesellschaft verkörperte, die heute viele Menschen vermissen. Dabei vermittelt die Autorin über diverse Emotionen wie Komik und Traurigkeit, mit welcher Leidenschaft sie dieses Buch verfasst hat. Eine Leidenschaft für die Sache, die sie mit Alfred Herrhausen verband und immer verbinden wird.

„Der Tag ist hell, ich schreibe dir“ ist ein lesenswerter Roman, der das Andenken Herrhausens in Ehren hält, ohne dabei zu pathetisch zu sein.

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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