„Krisen haben auch gute Seiten und Chancen für Veränderungen“, klingt in diesen Tagen eher abgedroschen. Wenn jedoch die Preise im Keller sind und Käufer mit genügend Kapital auftauchen, dann gibt es tatsächlich Krisengewinner.

Schon im März wurde bekannt, dass Aabar, eine vom Staatsfonds International Petroleum Investment Company kontrollierte Firma, also im Grunde die Regierung von Abu Dhabi bei Daimler eingestiegen ist. Jetzt meldet Katar Interesse an, 25 Prozent von Porsche übernehmen zu wollen. Dies wiederrum würde Wiedeking im Machtpoker mit VW Auftrieb geben, zumal er die Möglichkeit hat, Optionen über VW-Aktien in seinem Besitz in den Nahen Osten zu verkaufen.
Opel indes gehört nun zu einem Teil Österreich und Russland und wenn wir nicht aufpassen, dann befindet sich unser geliebtes Auto-Ingenieur-Know-How bald nicht mehr im eigenen Besitz. Schuld daran ist aber nicht die Globalisierung, wie uns deren Gegner immer wieder einreden wollen. Schuld ist unser mangelndes Wirtschafts-Know-How, angereichert mit einer Menge Eitelkeit und Machtstreben, wie man am Beispiel der Familien hinter Porsche und VW sieht.
Dass man sich beim Pokern auch verzocken kann, hat nun der Fall Arcandor gezeigt. Der einst so hoch gelobte Vorzeige-Manager Middelhoff hat nicht viel übriggelassen. In jedem Fall zu wenig, um den Staat dazu zu bewegen, einem Notkredit von einer schlappen halben Milliarde einzuspringen. Die Steuerzahler, die in keiner Verbindung zu Acandor stehen, werden es der Regierung danken, Steuergelder gerettet. Die Steuerzahler, die zugleich auf der Lohnliste bei Acandor stehen, schütteln indes den Kopf. Zurecht?
Zum Schluss lag es an Zugeständnissen der Gläubiger, also denen, die in den Jahren mit ihren Beteiligungen sehr viel Geld verdient haben. Wenn man Frau Schickedanz zurecht als Milliardärin nennt, dann hat Sie dieses Geld im Retailgeschäft mit denen verdient, die nun auch noch ihre Haut mit Steuergeldern retten sollen. Ein seltsames Szenario.
Aber warum retten nicht wenigstens die Banken einen Konzern wie Arcandor? Immerhin bekommen die Banken doch Milliarden an Staatsgeldern und Sicherheiten, um die Wirtschaft nicht absaufen zu lassen. Die Antwort ist einfach. Weil es sich eben um das Geld der Bankkunden und der Steuerzahler handelt. Banken sind nicht zum Zocken da, soviel sollten wir ja mindestens aus der Krise gelernt haben. Und wenn eine Bank aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit geeignet wäre, Kredite an Arcandor auszulegen, dann doch Sal. Oppenheim. Scheinbar ist man nach deren Blick in die Bücher aber zu einem „bankkaufmännisch“ korrektem Ergebnis gekommen. Kreditbedienung und Sicherheiten in der Zukunft wacklig, also die Einlagen der Kunden bewahren.

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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