Die Angst vor einer erneuten Krise

Gegen Ende des Monats wissen wir mehr: Dann legen die Experten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim die Ergebnisse des Stresstests für europäische Banken der Öffentlichkeit vor. Dazu wurden im Rahmen einer Studie die Bilanzen verschiedener Institute aus den Jahren 2012 und 2013 miteinander verglichen.

Unterkapitalisierung? Nicht vorhandene Solidität? Nicht krisenresistent? Dies sind nicht gerade ruhmreiche Deklarierungen für Banken. Nun plant die Europäische Zentralbank für den Spätherbst dieses Jahres die Aufsicht über die wichtigsten Geldhäuser in der Eurozone. Zur Vermeidung böser Überraschungen, die genau mit den oben genannten Begriffen in Zusammenhang stehen, werden jene rund 130 Banken nun auf Mark und Nieren getestet, denen die EZB ihre kontrollierende Aufmerksamkeit schenken will. Unter den Prüflingen befinden sich selbstverständlich auch deutsche Riesen wie die Commerzbank oder die Deutsche Bank.  Sie sollen in diesem Stresstest beweisen, dass sie auch bei einem erneuten Einbruch der Wirtschaft genügend Rücklagen besitzen und nicht direkt auf staatliche Hilfe angewiesen sind.  In diesem Fall kann sich der Steuerzahler beruhigt zurücklehnen und muss nicht befürchten, dass seine Abgaben zum größten Teil für die Rettung von Finanzunternehmen verwendet werden. Genau aus diesem Grund existiert im Volk immer noch die Angst vor einer erneuten Krise. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verkündete erst kürzlich im Bundestag, dass sich derzeit noch nicht abzeichne. Dem abgestumpften Politkonsumenten mag aufgrund dieser Aussage die Augenbraue nervös zucken.

Internationale Investoren  anlocken

Der Stresstest soll auch einen Nebeneffekt erzeugen: Verkaufen sich die europäischen Geldhäuser als verlässliche Größen, würde dies auch zu einem Vertrauensaufbau bei internationalen Investoren führen. Für EZB-Präsident Mario Draghi bringe die Prüfung eine Form von Transparenz, die eben jenen Effekt provozieren soll. Dafür müssen die Banken beweisen, dass sie nicht mehr diese Schwachstellen in ihrer Unternehmenspolitik haben, die ihnen bei der letzten Krise noch zum Verhängnis wurden. Natürlich, kein System oder Unternehmen ist frei von Fehlern. Doch wenn die Einrichtungen nun zeigen können, dass sie auch im worst case weiterhin handlungs- und vor allem geschäftsfähig sind, dann kann einiges an verloren gegangenem Vertrauen zurückgewonnen werden – sowohl bei potenziellen Investoren als auch beim gemeinen Volk.

Genervt von der Aufsicht?

Viele Banker sind selbstverständlich genervt vom ständigen Gerede über die Bankenaufsicht. Wer kann es ihnen verübeln? Nicht ohne Grund zahlen die Geldhäuser kontinuierlich in einen Rettungsfonds ein, der bei einer systemgefährdenden Pleite dann das Heil bringen soll. Trotzdem muss der Wahrheit ins Auge gesehen werden: Sollte sich die erst kürzlich erlebte Krise wiederholen, dann reicht dieser Fonds schlicht und ergreifend nicht. Für diejenigen, die sich mit diesem Aspekt nicht zufrieden geben, sei gesagt: Zumindest der Bürger sieht eine berechtigte Legitimation im vorgenommenen Stresstest. Sollten die geprüften Banken beweisen können, dass sie im Fall der Fälle „auf eigenen Beinen“ stehen, wäre ein großer Schritt in Richtung einer positiven Publicity gemacht und der als so unmenschlich verschriene Finanzsektor würde an Ansehen gewinnen.

Zukunftsweisende Ergebnisse

Gegen Ende des Monats wissen wir alle, ob die Banken der Eurozone aus den letzten Jahre gelernt haben, oder ob sich der Steuerzahler weiterhin vor drohenden Krisen fürchten muss. Die Angst ist ein ständiger Begleiter und je nach Ergebnis der Prüfung wird diese auch nicht gemildert. Jedoch bringt der Test Klarheit. Und mit klaren Ansagen lässt sich in der Regel besser arbeiten. Im schlimmsten Fall wissen die Geldhäuser, wie sie sich für den nächsten Test vorbereiten müssen. Im Idealfall wissen wir, dass ein erneuter Zusammenbruch der Wirtschaft keinen Notstand bei den Geldhäusern verursachen würde. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. In allem steckt harte Arbeit.

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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