Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und einem langen Leben war ja schon lange vermutet worden. Jetzt wurde mal wieder eine Studie veröffentlicht, wonach eine Viertelstunde Hopsen täglich die Lebenserwartung um drei Jahre verlängert. Der gewöhnliche Sesselpupser mag sich da sagen, „Um Himmelswillen, erst das ganze Leben lange diese Mühsal, mit dem Erfolg, dass ich das am Ende meiner Tage noch drei Jahre länger machen muss…“ Zum Glück gibt es einen Hedge: Jede Stunde Fernsehen verkürzt das Leben um 22 Minuten, heißt es in einer anderen Analyse. Neutral eingestellten Personen sei daher empfohlen, jeden Tag 20 Minuten hopsenderweise in die Glotze zu schauen…

Eines ist demnach klar: Die Finanzmärkte werden uns alle überleben. Die bewegen sich nämlich nicht nur eine Viertelstunde täglich, sondern gerne mal rund um die Uhr – für uns zu beobachten auf Fernseher-ähnlichen Monitoren. Aber warum sich die Märkte so sehr bewegen, ist nicht immer für Jedermann ersichtlich. So legte gestern der Bund Future gepflegte 100 Stellen zu. Warum? Die meisten anderen Märkte machten gleichzeitig doch eine Fernsehpause?!? Angeblich sei ein Käufer aus Asien erschienen. Oh, ein Käufer?!? Und was machen die Händler sonst so den ganzen Tag? Hopsen für ein langes Leben?

Gleichfalls teils absurd die Bewegungen im EUR-CHF Wechselkurs. Auf Höhe 1,15 kündigte die Schweizer Notenbank (SNB) gestern an, mit einer abermaligen Ausweitung der Bankenliquidität der weiterhin „massiven Überbewertung“ des Franken entgegenzuwirken. Erste Reaktion: EUR-CHF schmiert um drei Stellen auf 1,1250 ab. Offensichtlich hatte die Mehrheit im Markt die Ankündigung eines EUR-CHF Pegs bei 1,15 erwartet. Enttäuschung. Bis zum Abend berappelte sich der Wechselkurs wieder bis auf 1,1550, fiel danach auf 1,14 und legte bis heute früh eine Fernsehpause ein. Jetzt heißt es, die SNB habe im Zinsmarkt interveniert – dort, wo die Zinsen negativ sind, wo eine Swap Empfänger-Position de facto zu einer Swap Zahler-Position mutiert, et vice versa. EUR-CHF springt gleich mal auf 1,15 – und so dürfte das heute wohl den ganzen Tag weiter gehen. Basierend auf den hektischen Kursbewegungen der letzten vier Wochen wird EUR-CHF noch in tausend Jahren leben. Die Frage, die (fast) alle beschäftigt: Kommt der Peg oder kommt er nicht? Es dürfte sich dabei um das letzte Mittel der SNB halten, insofern wird die Notenbank sicherlich vorher versuchen, alle anderen Optionen auszureizen. Außerdem möchte die SNB den Wechselkurs sicherlich erst einmal in höhere Regionen hieven, so zwischen 1,20 und 1,30, bevor sie eine zeitweilige Wechselkursanbindung ankündigt. Und dann gibt es ja auch die Nachteile einer solche Entscheidung abzuwägen, als da wären zum Beispiel der Verlust der geldpolitischen Unabhängigkeit oder die Frage, was passiert, wenn der Peg wieder aufgelöst wird.

Eines ist jetzt schon klar: Kommt der Peg, wird es heißen: „Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber er behandelt die Symptome, nicht die Ursachen.“ Diesen Satz müssen Sie sich unbedingt merken. Passt immer. Merkel & Sarkozy-Deal? „Ein Schritt in die richtige Richtung…“ EZB-Käufe? „Ein Schritt in die…“. Rettungspakete? „Ein Schritt…“ Die EZB gibt ihre Inflationsängste auf. „Ein Schritt in die… Moment, WAS?“ Ja, mehr und mehr Stimmen aus dem Hause der Europäischen Zentralbank deuten darauf hin, dass der geldpolitische Rat schon bald keine Aufwärtsrisiken mehr für die Inflation sehen wird. Bei sich gleichzeitig eintrübendem Konjunkturausblick hieße das: Erst mal keine Zinsanhebungen mehr. Das wäre ernüchternd für Festgeldsparer, änderte aber nichts an der bekannten Tatsache: Wer täglich 15 Euro spart, hat am Ende seines Lebens drei Jahre länger Geld…

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