Siegmar Gabriel gilt zwar nicht als schmächtig und klein, schickt sich aber an den David im Kampf gegen die großen bösen Banken zu führen.

Was gibt es in Zeiten wie diesen Besseres, als sich als Gegner der Banken zu positionieren? Und da die meisten Menschen nur Überschriften oder die Bildzeitung lesen, kann man mit Polemik eine Menge erreichen.

Das Versagen einzelner Banken hat wenig mit der Größe einer Bank zu tun, vielmehr mit dem Geschäftsmodell. Das dies den geneigten Zuschauern des Unterschichtenfernsehens nicht leicht zu erklären ist, entschuldigt nicht die Oberflächlichkeit mit der das Thema hierzulande bearbeitet wird. Würde eine Deutsche Bank zur Vereinfachung nur aus den Bereichen Privat- und Firmenkundengeschäft sowie Wealthmanagement bestehen und dennoch exakt die gleiche Bilanzsumme aufweisen, warum sollte man die Bank filetieren? Dennoch ist es auch zu kurz gegriffen ein „too big to fail“ aus dem Ärmel zu ziehen. Die Größe einer Bank korreliert nicht unmittelbar mit dem Risiko. Der Börsenmakler Knight Capital hatte im Handel an der NYSE Euronext einen Marktanteil von 17% und es geschafft in einer Dreiviertelstunde 440 Millionen Dollar Verlust einzufahren. Computerhandel, Turbohandel, also der Handel, bei dem die Betreiber die Rechner mit Glasfaseranbindung in den Keller der Börsen stellen, damit sie einen Bruchteil schneller mit den Orders sind als Liesschen Müller mit dem betagten Akustikkoppler am PC. Und es ist nicht der erste Verlust, den der Computerhandel den Akteuren beschert hat.

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Es geht nicht um schneller ist besser oder kleiner ist automatisch risikoärmer. Es geht um das dringend gebotene Überdenken bestimmter Geschäfte und Geschäftsmodelle innerhalb der Finanzindustrie.

Wichtig ist eine gezielte Diskussion über die Geschäfte und Geschäftsmodelle, die in Banken abgewickelt werden und der Volkswirtschaft sowie dem Gemeinwohl nicht viel beisteuern. Hier hat sich auch die SPD vor Jahren nicht mit Ruhm bekleckert. 2004 wurde von ihnen das Investmentmodernisierungsgesetz verabschiedet und damit ein bedeutender Schritt Richtung Deregulierung getätigt. Hans Eichel erkläre damals, „Hedgefonds sollen gegenüber herkömmlichen Investmentfonds nicht mehr diskriminiert werden, private Anleger werden von höheren Renditen der Hedgefonds profitieren können.“ Soviel zur Theorie!

Foto von Viorika Prikhodko – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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