Die großen Entwicklungen im Bereich Payment werden sich im Jahr 2017 vor allem auf dem Gebiet des kontaklosen Bezahlens am POS abspielen. Bildnachweis: iStock.com/baranozdemir

Neue Technologien am POS sind in erster Linie die kontaktlosen Bezahlverfahren. Die kontaktlose girocard wird dabei für einen deutlichen Schub sorgen. Die ersten großen Händler werden sehr wahrscheinlich in Q1/2017 starten. Der andere Treiber für kontaktloses Bezahlen ist Apple Pay. Hier habe ich mich festgelegt, dass wir damit in Q2 oder Q3 rechnen können. Innovationen sind aber nicht auf die NFC-Technologie beschränkt, denn der QR-Code kehrt zurück. Wer glaubte, diese Übertragungstechnologie würde komplett zurückgedrängt, sieht sich getäuscht. Der Handel investiert kontinuierlich in neue Scanner an der Kasse, die auch das Lesen von 1D- und 2D-Barcodes vom Handy-Display ermöglichen. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. An erster Stelle sind es wahrscheinlich Smartphone-basierte Kundenbindungsprogramme. Bei diesem Thema tritt NFC auf der Stelle und kommt nicht voran. Außerdem besteht weiterhin das Problem, dass Apple nicht geneigt ist, seine Schnittstelle für Drittanbieter zu öffnen.

Wettbewerb der Technologien am POS

Wenn die Technologie also bereits am POS vorhanden ist: Warum nicht gleich auch das Payment darüber abwickeln? Neben Payback – laut Branchen-Gerüchten soll REWE Anfang 2017 ebenfalls starten – gibt es mit Blue Code einen weiteren Anbieter. Interessant ist, dass hier ein Ansatz gewählt wurde, der auf eine Kooperation mit den Banken setzt. Erste Sparkassen sind bei Blue Code bereits an Bord. Diese Zahlverfahren werden direkt in die Kasse integriert und kommen ohne den klassischen Netzbetrieb aus. Bei entsprechender Skalierung entstehen Kostenvorteile, die an den Handel weitergereicht werden können. Auch für EMV gibt es eine QR-Code-Spezifikation, möglicherweise sehen wir Ende des Jahres hierfür eine Pilotierung. Prinzipiell wird es den Banken gelingen, ihre Position am POS zu halten. Das geschieht aber bei sinkenden Margen. Derzeit ist nicht erkennbar, ob und mit welcher Strategie ein Einstieg in das für den Handel immer wichtiger werdende Thema Kundenbindung/Loyalty erfolgen soll. Das gilt umso mehr für den Online-Handel.

Das Bezahlverfahren paydirekt bietet keinen Mehrwert für Kunden und Handel. Selbst mit massiven Preisabschlägen ist es nur sehr schwer in den Markt zu bringen. Auch wenn es jetzt eine kleine bis mittlere Anzahl von Akzeptanzstellen gibt, die Transaktionszahlen liegen im nicht messbaren Bereich. Spätestens dieses Jahr muss paydirekt zumindest in den Wachstumskennzahlen mit dem Markt mithalten. Ausgehend von dem niedrigen Niveau, auf dem man sich befindet, müssten die Umsatzzuwächse höher liegen als in jeder einzelnen Vergleichsgruppe. Paydirekt muss also schneller wachsen als der Online-Markt insgesamt, schneller als der Marktführer PayPal und schneller als alle weiteren Zahlverfahren, wie Kreditkarten, giropay, SOFORT Überweisung etc.

Bleibt noch die Frage nach der Bedeutung des Bargeldes in 2017. Entwicklungen wie in Indien, wo mit einem Schlag die beiden größten Geldscheine für ungültig erklärt und dem Bargeldverkehr erhebliche Beschränkungen auferlegt wurden, oder die Hyperinflation in Venezuela lassen aufhorchen. Trotz aller Diskussionen um Bargeldobergrenzen, Abschaffung der 500€-Banknoten oder 1- und 2-Cent-Münzen: Cash bleibt in Deutschland King. Die stärkere Verbreitung der kontaktlosen Bezahlverfahren wird aber dazu führen, dass auch kleinere Beträge vermehrt unbar beglichen werden.

Die Zukunft des Bargelds

Viel interessanter ist die Frage, wie sich die Bundesbürger in Zukunft mit Bargeld versorgen werden. Der Trend des Abhebens an der Ladenkasse wird wahrscheinlich zunehmen. Darüber hinaus ist die weitere Entwicklung für Fremdabhebungsgebühren an Geldautomaten nicht unerheblich. Insbesondere einige ländliche Sparkassen versuchen, sich vor der lästigen Online-Konkurrenz zu schützen, indem sie deren Kreditkarten vom Bargeldbezug an den eigenen Automaten ausschließen. Mit dem Start von yomo, dem mobilen Online-Konto einiger Sparkassen, müsste man den Verbund mit den anderen Sparkassen kündigen – ein nur schwer vorstellbares Szenario. Wenn aber Kunden regionaler Sparkassen, die nicht an yomo beteiligt sind, in größeren Kohorten dorthin wechseln, dürfte ein Streit im DSGV vorprogrammiert sein.

Bezahlen bleibt also auch 2017 ein spannendes Thema!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

code