Ob die digitale Revolution die alten Eliten vom Thron stößt, liegt letztlich an diesen Institutionen, respektive Instituten, selbst. Stillstand wird ganz sicher zum Niedergang führen. Bildnachweis: iStock.com/PixelEmbargo

Was war los in den letzten acht Jahren…

Im Nachgang der Finanzkrise von 2008 hat die Bankindustrie im Vergleich zu anderen Branchen ihr Ertragsniveau nicht wieder erreicht. Auch das anhaltende Niedrigzinsniveau schwächte die Einnahmeseite. Partielle Versuche zur Kostensenkung waren aufgrund von Inflation, Margendruck durch gestiegenen Wettbewerb und dem Anstieg nicht umlagefähiger regulatorischer Kosten meist redundant.

Fintechs – Warum jetzt?

Die stark voranschreitende Demokratisierung von Technologie (Virtualisierung & Cloud, Blockchain/Distributed Ledger/Smart Contracts, Robotics, Machine Learning und Künstliche Intelligenz, Open Source…) ermöglicht es jedem, Ideen ohne große finanzielle Investitionen oder technologische Vorkenntnisse zu realisieren. Fintechs sind das logische Ergebnis dieses Trends. Nicht alle, aber durchaus ein Teil dieser stark technologiegetriebenen Anbieter, fordert die Bankbranche heraus.

Wie reagieren die Banken?

Zur Überwindung der scheinbar aussichtslos erscheinenden Situation ist letztlich ein massiver Abbau der nachhaltig gewachsenen Kostenstrukturen (=Cost Disruption) als auch zeitgleich eine Erweiterung der Wertschöpfung (=Value Creation) durch ausgebaute bzw. neue Geschäftsmodelle (orientiert an Produkt- und Dienstleistungen) zwingend erforderlich. Abwarten oder gar Aussitzen scheidet als Option aus, da einige neue Anbieter (auch Fintechs) im Bereich Retail, Affluent, Wealth und Corporate Banking ihren technologischen Vorteil und damit verbundene niedrigere Produktionskosten nutzen, um etablierten Marktanbietern Teile ihres Geschäfts streitig zu machen (Paypal, Number26, TransferWise, Wealthfront – und noch einige Hundert mehr).

Im Bereich „Value Creation“ kann durch Öffnung der Bank mittels technischer Kollaboration (via Banking APIs) mit dritten externen Parteien aus branchenfremden Industrien wie Touristik aber auch mit Fintechs eine enorme Wertschöpfungssteigerung ermöglicht werden. Es werden neue Produkte und Produktkombinationen kreiert und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit (projekthaft oder partnerschaftlich) gefördert.

Bloß nicht warten …denn es kommt noch mehr!

In den kommenden Jahren wird die europäische Finanzindustrie weiteren Herausforderungen gegenüber stehen. Instant Payments (Stichwort: SCTinst), die Payment Service Directive 2 (Stichwort: XS2A) und Digitale Identität (Stichwort: eIDAS) werden in den nächsten 3-5 Jahren über 5000 Institute in 28+4 Ländern in Europa spürbar beschäftigen. Die damit verbundene digitale Agenda für Banken ist immens. Ziel aller Maßnahmen sollte es letztlich sein, sich aus dem Stillstand durch Nutzung neuer Technologien zu befreien, um den eigenen Relevanzgrad künftig wieder zu stärken. Die Möglichkeiten sind endlos.

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Bernd Richter ist Partner Capital Markets, Banking und Wealth bei der Capco GmbH. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich der digitalen Strategie und Transformation im Corporate und Investment Banking sowie im Asset und Wealth Management.

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