Was war los in den letzten acht Jahrenโฆ
Im Nachgang der Finanzkrise von 2008 hat die Bankindustrie im Vergleich zu anderen Branchen ihr Ertragsniveau nicht wieder erreicht. Auch das anhaltende Niedrigzinsniveau schwรคchte die Einnahmeseite. Partielle Versuche zur Kostensenkung waren aufgrund von Inflation, Margendruck durch gestiegenen Wettbewerb und dem Anstieg nicht umlagefรคhiger regulatorischer Kosten meist redundant.
Fintechs โ Warum jetzt?
Die stark voranschreitende Demokratisierung von Technologie (Virtualisierung & Cloud, Blockchain/Distributed Ledger/Smart Contracts, Robotics, Machine Learning und Kรผnstliche Intelligenz, Open Source…) ermรถglicht es jedem, Ideen ohne groรe finanzielle Investitionen oder technologische Vorkenntnisse zu realisieren. Fintechs sind das logische Ergebnis dieses Trends. Nicht alle, aber durchaus ein Teil dieser stark technologiegetriebenen Anbieter, fordert die Bankbranche heraus.
Wie reagieren die Banken?
Zur รberwindung der scheinbar aussichtslos erscheinenden Situation ist letztlich ein massiver Abbau der nachhaltig gewachsenen Kostenstrukturen (=Cost Disruption) als auch zeitgleich eine Erweiterung der Wertschรถpfung (=Value Creation) durch ausgebaute bzw. neue Geschรคftsmodelle (orientiert an Produkt- und Dienstleistungen) zwingend erforderlich. Abwarten oder gar Aussitzen scheidet als Option aus, da einige neue Anbieter (auch Fintechs) im Bereich Retail, Affluent, Wealth und Corporate Banking ihren technologischen Vorteil und damit verbundene niedrigere Produktionskosten nutzen, um etablierten Marktanbietern Teile ihres Geschรคfts streitig zu machen (Paypal, Number26, TransferWise, Wealthfront โ und noch einige Hundert mehr).
Im Bereich โValue Creationโ kann durch รffnung der Bank mittels technischer Kollaboration (via Banking APIs) mit dritten externen Parteien aus branchenfremden Industrien wie Touristik aber auch mit Fintechs eine enorme Wertschรถpfungssteigerung ermรถglicht werden. Es werden neue Produkte und Produktkombinationen kreiert und eine interdisziplinรคre Zusammenarbeit (projekthaft oder partnerschaftlich) gefรถrdert.
Bloร nicht warten …denn es kommt noch mehr!
In den kommenden Jahren wird die europรคische Finanzindustrie weiteren Herausforderungen gegenรผber stehen. Instant Payments (Stichwort: SCTinst), die Payment Service Directive 2 (Stichwort: XS2A) und Digitale Identitรคt (Stichwort: eIDAS) werden in den nรคchsten 3-5 Jahren รผber 5000 Institute in 28+4 Lรคndern in Europa spรผrbar beschรคftigen. Die damit verbundene digitale Agenda fรผr Banken ist immens. Ziel aller Maรnahmen sollte es letztlich sein, sich aus dem Stillstand durch Nutzung neuer Technologien zu befreien, um den eigenen Relevanzgrad kรผnftig wieder zu stรคrken. Die Mรถglichkeiten sind endlos.
Bernd Richter ist Partner Capital Markets, Banking und Wealth bei der Capco GmbH. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich der digitalen Strategie und Transformation im Corporate und Investment Banking sowie im Asset und Wealth Management.

