Egal, ob Chip-TAN, SMS-TAN, App-Tan oder die gute alte TAN-Liste โ keine dieser Mรถglichkeiten der TAN-Erzeugung ist sicher, schnell und bequem zugleich. SMS- und App- TAN sind nicht sicher, weil ein Smartphone leicht von Schadsoftware befallen sein kann. Sie sind aber bequem, besonders in puncto Mobilebanking. Die gute, alte TAN-Liste trรคgt wohl kein Kunde mit sich spazieren, wenn er auf dem Weg von Termin zu Termin ist. Die Sicherheit ist dabei auch relativ. Denn nur, wer die Liste gut unter Verschluss hรคlt, ist geschรผtzt vor Einbrechern oder Verlust. Doch warum gibt es auf dem deutschen und auch internationalen Markt kein Produkt, das den Wunsch nach Mobilitรคt, Schnelligkeit und Sicherheit gleichermaรen erfรผllt?
In Zeiten des digitalen Fortschritts dรผrfte die Entwicklung eines solchen innovativen TAN-Verfahrens rein technisch doch kein Problem darstellen. Ist es vielleicht ein illusorischer Gedanke oder bahnt sich die Lรถsung allmรคhlich den Weg zu den Banken und dadurch zu den Kunden? Zurzeit sieht es nach Letzterem aus. Jรผngst zu sehen beim Fintech Pitch des Next Generation Payment Kongress in Kรถln. Dort gewann im Januar Bernd Borchert beim Fintech-Spacerace des BANKINGCLUB den Publikumspreis.
Drei Wรผnsche, eine Lรถsung?
In Zusammenarbeit mit einer Forschungsgruppe der Universitรคt Tรผbingen hat Borchert mit seiner Firma an einer Lรถsung gearbeitet, die den Wunsch nach Sicherheit, Mobilitรคt, Schnelligkeit und Bequemlichkeit zusammenfรผhren soll: Display-TAN.
โDisplay-TAN ist ein TAN-Generator fรผr das Online- und Mobilebanking, der in die Bankkarte eingebaut ist. Das heiรt: Sie haben ihre Bankkarte, auf der sich zusรคtzlich ein kleines Display und zwei kleine Knรถpfe befinden. รber das eingebaute Display bestรคtigt der Kunde spรคter die geplante Transaktion. Der TAN-Generator an sich ist also so flach, dass er in die Bankkarte passt. Seit rund einem Jahr gibt es auch schon solche Karten, die so dรผnn sind wie normale Smartcardsโ, erklรคrt Borchert.
Die Sicherheit spielt sich auf der Display-TAN-Karte ab
Alle wichtigen und relevanten Prozesse spielen sich auf der Karte ab. Hier wird der geheime Schlรผssel gespeichert und die TAN generiert. Das Spezielle an Borcherts Karte, sie hat zusรคtzlich Bluetooth integriert. Hiermit wird eine Verbindung zwischen der Display-TAN-Karte und dem mobilen Endgerรคt, das fรผr Onlinezahlungen verwendet wird, hergestellt. โFรผr die Erzeugung der TAN gehen sie via Bluetooth auf die Karte. Bluetooth ist nur ein Mittel zum Zweck. Auch die Bluetooth-รbertragung ist verschlรผsseltโ, sagt Borchert.
Er und sein Team stufen alle mobilen Endgerรคte als unsicher ein. Dies widerspricht trotz Faktenlage der Einstellung vieler Banken, die besonders im Hinblick auf Mobilitรคt ihren Kunden zunehmend Lรถsungen fรผr Onlinebanking und -payment anbieten, die Smartphone basiert sind. Hierbei wird das Smartphone, das von Schadsoftware befallen undย leicht ausspioniert werden kann, zum Sicherheitsgerรคt im TAN-Verfahren. Dafรผr kann der Kunde jedoch jederzeit und aller Orts Online- und Mobilebanking betreiben.
Kostenfaktor fรผr die Banken
Laut Borchert liegt der รbergang von Banken zu diesem unsicheren Verfahren aber auch am Kostenaspekt: โDie Banken mรผssen schlieรlich nur die einmalige Entwicklung der Software bezahlen. Der Preis ist hierbei zehnmal geringer als der eines Hardware-TAN-Generators.โ Display-TAN wรผrde, รคhnlich wie andere Hardware- TAN- Generatoren, zwischen vier und fรผnfzehn Euro kosten. Borcherts TAN-Verfahren wรคre aber auch รผberall auf der Welt einsetzbar: โSie haben ihr Smartphone oder Tablet immer mit auf Reisen oder einfach zuhause. Sie loggen sich auf dem entsprechenden mobilen Endgerรคt via Internet ein und mรผssen nur noch ihre Bankkarte aus der Tasche holen, um eine รberweisung durchfรผhren zu kรถnnen.โ
Bis Display-TAN auf dem deutschen und vielleicht sogar auch internationalen Markt implementiert wird, kann es noch eine Weile dauern. Schlieรlich muss sich durchsetzen, dass auch bei TAN- Verfahren eine hรถhere Investition einen groรen Nutzen trรคgt. โDiese Karte hat solche Vorteile im Vergleich zu anderen Verfahren.ย Vielleicht reichen die Argumente irgendwann aus, um die Karte wirtschaftlich einen Erfolg werden zu lassenโ, hofft Borchert.
Dr. Bernd Borchertย ist seit 2013 Geschรคftsfรผhrer von Display-TAN und doziert an der Uni Tรผbingen. Er promovierte in Mathematik und hat einen M.A. in Computer Science.
Anna Sophia Stรถtzer, Jahrgang 1988, war von Februar bis November 2016 Redakteurin bei BANKINGCLUB. Sie studierte Kulturjournalismus und Technikjournalismus/PR in Kรถln und Bonn. Wรคhrend ihres Studiums sammelte sie praktische Erfahrungen in Hรถrfunk, TV- und Online-Journalismus sowie im Bereich Social Media.

