Dr. Vor Stand

Kein Bankvorstand will dieser Tage mit seinem Namen genannt werden, wenn er durch die Blume oder ganz unverblümt seine strategischen Überlegungen zu negativen Zinsen für seine Kunden zum Besten gibt. Und es geht, wie Sie sich denken können, um Zinsen für Erspartes.
„Wir werden die Sparer an den negativen Zinsen beteiligen müssen. Daran führt kein Weg vorbei“, so oder so ähnlich könnte das Zitat eines Banklenkers heute lauten. Wenn Banken heute Geld bei der EZB parken, dann legen sie drauf. Banken können aber im Grunde nicht anderes agieren, wie es Handelsunternehmen tun: Wareneinsatz plus Marge gleich Verkaufspreis, zugegeben arg verkürzt. Wenn nun erste Banken, vor allem jene, die mehr Geld reinholen als sie wieder verleihen über negative Zinsen für deren Anleger nachdenken, dann ist das kaufmännisch nur konsequent.

Oder man macht es wie der Chef des DSGV. Nachdem zunächst über kritische Bilanzen für die eine oder andere Sparkasse ab 2017 in der Presse berichtet wurde, ruft er nun in seine unmittelbare Nachbarschaft: „Die Politik soll es regeln!“ Die sind es, die von den negativen Zinsen profitieren, dann können sie das gerne an deren Bürger weitergeben.

Nun kann man über das Thema Subventionen und Umverteilung nächtelang diskutieren. Fakt ist, dass der Otto Normalverbraucher derzeit der Dumme ist. Sein Erspartes schrumpft, während die Mutigen, etwas besser Gestellten heute an der Börse und/oder in Immobilien investieren. Was aber nicht bedeutet, dass der „kleine“ Sparer nicht auch mehr Risiko eingehen könnte. Die Aktienkultur in Deutschland ist katastrophal. Die Rendite aber im Schnitt immer noch beachtlich. Rechnen Sie mal aus, was Sie 1986 bei einem 1000 Euro-Investment in Microsoft heute im Depot hätten.

Und auch Banken könnten mehr tun, um aus dem Dilemma auszusteigen. Einfach nicht jeden, der einen Kredit nachfragt, nach Hause schicken. Das Geld wird vor allem deshalb in den Markt gepumpt, damit es als Investition bei Unternehmen landet. Da kommt aber vor allem kein Geld aus der Bank an.

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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