Das muss ein Missverständnis gewesen sein. Ich sagte vor Ostern: Die bösen, pessimistischen braunen Ostereier ins Kröpfchen, die guten, optimistischen Ostereier ins Töpfchen. Aber daran hat sich wohl außer mir niemand gehalten. Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich über die letzten Tage jedenfalls zusehends eingetrübt.

Europa: Die Schuldenkrise hat nach dem Schuldenschnitt in Griechenland exakt drei Wochen Pause eingelegt. Seit Anfang des Monats steht Spanien im Fokus der Anleger. Die Haushaltsziele sind ambitioniert, die angekündigten Sparmaßnahmen von rund 37 Mrd. Euro im laufenden Jahr umfangreich und der Wachstumsausblick damit eingetrübt. Würde man dem Land jetzt zwölf Monate geben, um die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen, der Ausblick am Ende dieser Periode wäre sicherlich erfreulicher. Aber wir können Spanien nicht für ein Jahr einfach „vom Markt nehmen“. Die Anleger sind ungeduldig. Der Staat hat bereits fast die Hälfte seiner diesjährigen Kreditaufnahme erfolgreich bewältigt. Die spanischen Banken haben das Angebot der EZB in großem Ausmaß angenommen, im Rahmen der 3-Jahres-Tender ihre Fundingsituation zu verbessern (Zahlen vom Freitag zeigen einen Anstieg der Bruttoausleihungen im März von 170 Mrd. auf 316 Mrd. Euro). Die Auktionen spanischer Staatsanleihen mutieren zum wichtigsten Ereignis in der internationalen Börsenwelt. Am kommenden Donnerstag ist es wieder so weit: Spanien stockt 2jährige und 10jährige Anleihen auf.

EZB: Die Diskussion um notwendige Maßnahmen der Europäischen Zentralbank wird dichter. Analysten werden gefragt, ob die Notenbank besser weitere Langfristtender (LTROs) auflegen oder wieder ihr Anleihen-Kaufprogramm (SMP) einsetzen soll. Direktoriumsmitglied Coeuré meinte, letzteres sei möglich. Der Vertreter aus den Niederlanden, Knot, entgegnete, die EZB seit „weit davon entfernt“, das SMP als Instrument wieder einzusetzen. Direktoriumsmitglied Asmussen folgte mit der Einschätzung, die EZB werde „wenn nötig handeln“. Aus Spanien kommen Stimmen, die eine Ausweitung der Anleihenkäufe fordern. Und Frankreichs Sarkozy, derzeit im Wahlkampfendspurt, wünscht sich eine generelle Diskussion über die Rolle der EZB.

USA: Während der Ostertage wurde in Amerika ein durchwachsener Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Unmittelbar lebte die Diskussion über weitere Lockerungsmaßnahmen der wieder US Notenbank auf. Das Thema dürfte sich im Jahr 2012 als ein Dauerbrenner entpuppen. China: Das BIP-Wachstum lag im ersten Quartal bei 8,1%, etwas weniger als erwartet (8,3%) und deutlich weniger als erhofft (~9%). Hier wird uns die Frage begleiten, ob die Wirtschaft in China ein „Soft Landing“ oder ein „Hard Landing“ hinlegen wird. Wo immer man hier die Grenze ziehen will, unsere Volkswirte antizipieren ein „Soft Landing“, unterstützt durch weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen. Per heute gilt für USD-CNY eine größere tägliche Schwankungsbreite von maximal ±1,0% (vorher ±0,5%). Dies ist jedoch weniger eine geldpolitische Lockerungsmaßnahme als vielmehr ein Signal der Öffnung im Vorfeld der anstehenden Frühjahrstreffen von Internationalem Währungsfonds und der G20 Notenbankchefs und Finanzminister.

Womit wir beim zweiten großen Thema in dieser Woche wären: Der IWF wird viele Analysen veröffentlichen (Global Economic Outlook, Fiscal Monitor Report, Global Financial Stability Report) und eine Erhöhung seines Kapitals diskutieren. Das dritte Thema ist die erste Runde der Parlamentswahlen in Frankreich am kommenden Sonntag. Und in all dem Trubel gibt es noch wichtige Konjunkturdaten insbesondere aus Deutschland (ZEW morgen, Ifo am Freitag) sowie zahlreiche Quartalsergebnisse aus den USA. Chancen für eine Stimmungserholung sind also reichlich gegeben – fraglich ist jedoch, ob diese genutzt werden. Vor lauter Nervosität dürften wohl viele Anleger auch ihre letzten Schokoeier – gleich welcher Farbe – verspeisen…

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