Nicht in die Bildung zu investieren, kann auf lange Sicht äußerst kostspielige Folgen für die Bundesrepublik haben. Bildnachweis: iStock.com/karandaev

Bildungspolitik ist für die Bundestagswahl ein eher unübliches Wahlkampfthema. Schließlich ist Bildung in Deutschland immer noch Ländersache. Dieses Jahr ist das anders: Über die steigende Bedeutung von Bildungspolitik, auch auf Bundesebene, scheinen sich alle Parteien einig zu sein. Bildung, so steht es in den Wahlprogrammen, sei der Schlüssel, um soziale Ungleichheit zu überwinden, und der entscheidende Faktor, damit Deutschland weiterhin
international wettbewerbsfähig bleibe. Auch der demokratische Staat selbst ist auf eine breite Bildung der Bevölkerung angewiesen. Denn gerade in der heutigen Zeit, in der populistische Parteien große Wahlerfolge erzielen, ist es wichtig, dass sich unsere Gesellschaft auf eine gut informierte und gebildete Wählerschaft verlassen kann. Eine besondere Bedeutung fällt dabei
der leider häufig vernachlässigten Finanzbildung zu.

Die Krisen, die das Vertrauen in die europäischen Institutionen geschwächt und radikalen Parteien sowie autokratischen Regimen zum Aufstieg verholfen haben, waren zu einem großen Teil finanzieller bzw. wirtschaftlicher Natur. Die Erschütterungen durch die Finanz- und Schuldenkrise sind heute in Europa noch immer zu spüren und schwächen den Glauben an die europäische Idee. Damit diese auch in Zukunft Bestand haben kann, muss sich die Politik bei der Überwindung bestehender und der Vermeidung zukünftiger Krisen auf die Unterstützung oder zumindest das Verständnis der Bürger verlassen können. Wähler dürfen nicht auf die vermeintlich simplen Lösungen hereinfallen, die populistische Parteien zu vielschichtigen Problemen anbieten. Um das zu gewährleisten, ist es unabdingbar, dass die breite Bevölkerung eine finanzielle Allgemeinbildung besitzt. Dass Jugendliche sowie Erwachsene sich nicht lediglich mit der eigenen finanziellen Absicherung und Altersvorsorge auseinandersetzen, sondern auch dazu fähig sind, komplexere finanzielle und ökonomische Zusammenhänge nachzuvollziehen.

Viele der jüngeren Wähler sind in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise aufgewachsen. Zwar muss Deutschland anders als viele südeuropäische Staaten nicht um die Zukunft einer jungen „verlorenen Generation“ bangen. Doch sind diese Unsicherheiten auch an der deutschen Jugend nicht spurlos vorbeigegangen. Es gilt zu verhindern, dass diese Generation, aber auch der Rest der Bevölkerung die Wirtschafts- und Finanzwelt nur noch mit Sorge betrachtet. Denn aus Angst und Unverständnis erwachsen keine besonnenen Wähler, die von ihrer Regierung in Krisenzeiten eine differenzierte Politik erwarten. Sie suchen stattdessen nach Sündenböcken und erschaffen aus alten Vorurteilen neue Feindbilder: sei es der faule Südeuropäer, der zockende Banker oder der deutsche Zuchtmeister.

John F. Kennedy sagte einmal: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“ Die neue Regierung muss ihre Wahlversprechen halten und in Bildung investieren, sonst könnten die Kosten höher ausfallen als geglaubt.

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