Ein notwendiges Übel? Über die Wichtigkeit von Compliance

Am 21. und 22. April versammelten sich zum insgesamt siebten Mal zahlreiche Vertreter aus dem Compliance-Sektor zum Fachkongress COMPLIANCEforBANKS in Köln. Die Beauftragten sehen sich vielen verschiedenen Problematiken ausgesetzt, von denen einige Diskurse besprochen werden konnten. Compliance ist ein wichtiges aber auch diffiziles Feld und manch einer fühlt sich im eigenen Haus vielleicht gar nicht zu Unrecht mehr geduldet statt respektiert. Der Versuch einer Wertschätzung.

Nicht jeder Mitarbeiter einer Bank mag die Kollegen aus der Compliance-Abteilung. Für viele sind sie nur ein notwendiges Übel. Dabei ist ihre Bedeutung für die Geldhäuser nicht groß genug einzuschätzen. In Zeiten der zunehmenden Regulierung müssen Banken mehr denn je aufpassen, dass sie nicht unter die Räder der Aufsichten geraten, nur weil mit einigen Dingen etwas sorglos umgegangen worden ist. Der juristische Rattenschwanz, das finanzielle Armageddon und nicht zuletzt der Imageschaden bewegen sich schnell in nicht mehr einzudämmenden Dimensionen. Die Deutsche Bank beweist dies derzeit im Rahmen der Libor-Affäre. Zur Vermeidung solcher unglücklichen Situationen muss im 21. Jahrhundert auch die Integration von Verdachtserfassungen in die eigene IT-Infrastruktur gelingen – eine Aufgabe, die Compliance-Beauftragte nicht einfach outsourcen können, sondern mehr denn je überwachen müssen. Im Hintergrund bleiben, aber trotzdem eine ständige Präsenz besitzen – so könnte man den Alltag eines Compliance-Officers beschreiben. Doch ist er mehr als nur der gutherzige Engel auf der Schulter des Bankers, der diesen vor falschen beziehungsweise semilegalen Handlungen abhält. Die Verantwortung ist enorm.

Eine Verantwortung für jeden Mitarbeiter

Die deutsche Sprache beinhaltet das schöne Wort „Petzliese“. Für den als solchen Titulierten ist dies keinesfalls schön. Allerdings werden nicht nur in der Grundschule durch diesen Begriff Leute diffamiert, die aus einem moralisch korrekten Impuls heraus, einen Kollegen oder Freund „anschwärzen“. Denunzianten sind nie beliebt. Die TARGOBANK arbeitet mit einem Hinweisgebersystem, bei welchem man anonym derartige Verdachtsmomente an die zuständigen Stellen übermitteln kann. Zumindest lässt sich so das Abstempeln von Kollegen als „Petzliesen“ verhindern, was im Grunde genommen kindisch ist, aber laut Ingo Kriedel (BANKINGNEWS Nr. 237) durchaus erfolgreich im Geldhaus praktiziert wird. Das Problem für den Compliance-Beauftragten ist nur: Dieser kann nicht anonym bleiben. Gilt er deswegen als „Petzliese“ in zweiter Instanz? Man kann nicht in die Köpfe von allen Bankern schauen, aber die Tendenz geht in diese Richtung.

Der Wert von Compliance ist monetär nicht zu erfassen

Viele Vorstände fragen sich sicherlich oftmals: „Wenn ich mir die ganzen Ausgaben für Compliance anschaue, lohnt sich das wirklich?“ Der Erfolg der Compliance-Abteilung ist wohl der am schwersten zu messende Sektor eines Geldhauses. Bei ihm kann man keine Gegenüberstellung vornehmen, die einem die Ausgaben und Einnahmen plakativ vor Augen führt. Compliance ist präventiv und ein Schutzschild – ähnlich einem Airbag: es ist gut, wenn man ihn hat, aber man ist froh, wenn man ihn nicht braucht. Der Wert von Compliance lässt sich auf monetärer Basis nicht ermitteln. Trotzdem schieben einige Mitarbeiter etwa den Geldwäschebeauftragten den Schwarzen Peter zu, wenn die Zahlen mal nicht so gut aussehen. Dabei wird oft vergessen, wie die Zahlen aussehen könnte, wenn etwa berechtigte Verdachtsmeldungen nicht schnell genug bearbeitet und zum Verhindern einer juristisch tödlichen Entscheidung verwendet werden. Dann stünde das Geldhaus ganz schön blöd da und der Nörgler ebenso. Schließlich geht es immer auch um Risikominimierung. Gerade in der Banken- und Finanzbranche ist der Faktor Risiko eine Variable, die möglichst kontrollierbar sein sollte. Trotzdem wird dieser Umstand im Angesicht einer satten Provision gerne mal vergessen oder bewusst ausgeblendet. Gut, wenn man den Engel auf der Schulter hat, der einen daran erinnert, was im Bereich des Erlaubten liegt und was nicht.
So lassen wir die Compliance-Beauftragten doch einfach ihren Job machen. In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und Internationalisierung haben die Kollegen damit wahrlich schon genug zu tun. Compliance ist nicht nur ein notwendiges Übel. Sie ist das Gewissen eines Geldhauses. Und ein Gewissen zu haben, ist gar keine schlechte Sache.

 

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Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

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