Ein neues Gewitter an der europäischen Bankenfront zieht diesmal aus Spanien hoch. Rettungsideen kommen aus Brüssel.

Immer wieder müssen wir hier in Europa amerikanische Dinge nachmachen. Diesmal sind es die spanischen Banken, die sich mit milliardenschweren Immobilienfinanzierungen verhoben haben. Die Teilstaatliche Bankia hat bereits knapp 5 Milliarden aus der Staatskasse erhalten, knapp 20 Milliarden sollen noch zur Rettung fehlen. Standard & Poor´s hat bereits das Rating für fünf spanische Banken herabgestuft. Für die Bankia steht das aktuelle Rating nun auf BB+. Keine gute Ausgangslage für die Refinanzierung.

Die EU-Kommission mahnt die spanische Regierung die Situation am Bankenmarkt zu stabilisieren. Ob man indes in Brüssel zuversichtlich über die spanischen Maßnahmen ist, bleibt zweifelhaft, denn beinahe zeitglich kommt aus Brüssel die abstruse Idee, dass das deutsche System zur Einlagensicherung zu einem europäischen Einlagensicherungssystem verschmolzen werden soll. Dann könnte die deutsche Einlagensicherung auch zur Rettung angeschlagener europäischer Banken herangezogen werden. Da könnte man mit Spanien ja direkt mal starten.

Die hiesige Einlagensicherung, dient jedoch, wie der Name schon sagt, der Einlagensicherung. Also der Sicherung von Kundengeldern und nicht per se der Rettung angeschlagener Banken. Weder der deutschen, noch der europäischen Banken. Und so kommt von Seiten der Bankverbände auch eine Absage zu den Brüsseler Ideen. Angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage am europäischen Bankenmarkt „würde es vielmehr zu einer Vergemeinschaftung von Risiken insbesondere zu Lasten der deutschen Kreditinstitute kommen“, ist in einer Pressemitteilung beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR), zu lesen.

Ganz ohne Hilfe aus Deutschland soll es aber für Europa und die Banken nicht ausgehen. Eine europäische Einlagensicherungsrichtlinie nach dem deutschen Vorbild sollte in Brüssel zeitnah verschiedet werden. Dadurch würden nochmals europaweit einheitliche Sicherungsstandards manifestiert und das Kundenvertrauen gestärkt, so der BVR. Warum diese Richtlinie aber derzeit nicht vorankommt vermag derzeit niemand zu beantworten. Wie so oft seit 2008 kommen neue Ideen zur Sicherung und Regulierung der Banklandschaft, schnell an die politische Oberfläche, um dann über Monate so lange zerredet zu werden, bis nichts mehr umgesetzt wird.

So verliert JP Morgan Milliarden Dollar mit ungedeckten CDS und spanische Banken verzocken sich mit Immobilien. Hoffentlich schlummert irgendwo in Europa nicht bereits die nächste Krise. Hoffentlich gelingt es Bankenvertretern und Politik endlich mit Augenmaß und Sachverstand ein europäisches Regelwerk zu schaffen, welches die Selbstregulierung der Märkte nicht abwürgt und die gemeinsame Währung wieder auf den richtigen Kurs bringt.

Foto von PIKSEL – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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