Faktor Freude. Wie die Wirtschaft Arbeitsgefühle erzeugt

Autorin: Sabine Donauer

Euro:16,00

248 Seiten, broschiert

ISBN: 978-3-89684-171-1

edition Körber Stiftung

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Auf den im letzten Jahr stattgefundenen Innovations- und Customerkongressen des BANKINGCLUB redete Tanja Zimmermann von der BNY Mellon voller Begeisterung über die das erfolgreiche Positionieren mit Werten. Banken und andere Unternehmen müssen verbindliche Werte vorschreiben und sie natürlich auch leben; denn nur so habe man die Möglichkeit, die Mitarbeiter zu motivieren, freiwillig mehr zu geben. Misst man den Erfolg an den Unternehmenszahlen, ist diese Methodik ein großer Erfolg. Der Gewinn von Unternehmen mit einer eigenen vorgelebten Kultur übersteigt den anderer Firmen um ein Vielfaches.
Alles in unserer Gesellschaft ist historisch geworden und hat ihre eigene Geschichte, auch Werte und Ideen – auch die von Zimmermann vorgetragenen Werte einer Unternehmenskultur.

Gefühle und Emotionen sind harte Faktoren

Die Historikerin Sabine Donauer promovierte 2013 an der Freien Universität Berlin und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung über das Thema „Gefühle bei der Arbeit“. Das vorliegende Buch ist eine Zusammenfassung ihrer Dissertation. Donauer greift mit dieser Thematik ein wichtiges Forschungsfeld auf, das lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde – nämlich den Wert der Gefühle und Emotionen.
Wer jetzt denkt, mit esoterischen und irrationalen Inhalten konfrontiert zu werden, die sich am Rande von Verschwörungstheorien bewegen, begeht den großen Fehler, Gefühle als weiche und softe Faktoren zu werten. Das sind sie nicht, sie sind das genaue Gegenteil.

Mehr als nur das Gehalt zahlen

Donauer legt mit einer beeindruckenden Argumentation dar, wie sich Großunternehmen im Laufe der Zeit eine eigene Kultur zulegten, um so ihre Arbeiter und Angestellten aktiv mit einbezogen. Bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg verstanden sich Unternehmen als reine Arbeitgeber, die lediglich das Gehalt zahlen müssen. Während der Arbeitszeit sahen sie die Arbeiter quasi als ihre Leibeigenen an, die spurten müssen. Alles, was nicht mit der Arbeit in Zusammenhang stand, wurde unterbunden, wenn nötig auch mit Gewalt. Allerdings erreichten sie damit das genaue Gegenteil von dem, was sie sich erhofft hatten. Arbeiter sabotierten bewusst den Arbeitsprozess, um ihrem Arbeitgeber zu schaden. Anonyme Fragebögen von Soziologen, die dieses Thema näher untersuchten, bestätigten dies. Diese Situation war auf Dauer für keine Seite tragbar.

Arbeiter werden eingebunden

Zu Beginn der 1920er Jahre trat nun ein Wandel ein. Die deutschen Unternehmen legten nun mehr Wert darauf, Arbeiter miteinzubinden. Hier wurden nicht nur Ausbilder mach den neuesten Erkenntnissen der Arbeitswissenschaft ausgebildet, sondern auch erklärt, wie sich Arbeiter mit dem eigenen Unternehmen identifizieren können. Denn wenn sie wissen, welchen Stellenwert ihre Tätigkeit hat und wie es in das große Ganze eingebunden ist, können sie  Stolz entwickeln. Aber da blieb es nicht stehen: Immer mehr Unternehmen boten ihren Arbeitern auch weitere Vergünstigungen, denn nur ein glücklicher und zufriedener Arbeiter ist ein produktiver Arbeiter. In den letzten 40 Jahren ging die Strategie dahin, die Angestellten dazu zu bewegen, sich mit der Arbeit zu identifizieren, damit sie produktiver werden und auch ihre Freizeit der Arbeit opfern.

Die Unternehmenskultur drückt Gehälter

Jedoch ist nichts statisch. Donauer zeichnet sehr gut und plastisch die weitere Entwicklung dar, bis hin zur heutigen Work-Life-Balance. Anders als die anfangs erwähnte Zimmermann sieht Donauer den Hype um die Unternehmenskultur eher skeptisch. Ihrer Meinung nach benutzen Arbeitgeber sie, um weniger Gehälter zu zahlen.
Man muss Donauer nicht in allen Punkten zustimmen, aber die Stärke des Buches ist die Berücksichtigung der Geschichte. So kann der Leser heutige Erscheinungen besser verstehen lernen. Die Kenntnis der Geschichte schützt vor der Annahme, dass früher alles besser und heutige Probleme völlig unbekannt gewesen seien.

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