Seit 14 Monaten lautet das Top-Thema der Finanzindustrie: Die Krise. In den USA, in Europa, in Deutschland. Global halt.

th- Oft wurde das Licht bereits gesehen, vor welchem unser Finanzminister kürzlich warnte, da es sich um das Licht eines entgegenkommenden Zuges handeln könnte und nicht um das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Oft wurde in den letzten Monaten von der Spitze des Wertberichtungsberges berichtet. Die Kritiker auf der einen Seite warnten vor einer Übertreibung und die auf der anderen Seite vor dem Gegenteil.

Unfassbar standen selbst Profis vor den Zahlen, die wir Ende 2007 von der IKB serviert bekommen haben, und nun wird mit den zweistelligen Milliardenbeträgen nur noch so um sich geworfen. Und selbst die Fehlertolleranz liegt bereits im zweistelligen Milliardenbereich. So und nicht anders ist der Irrtum des Managemets zu verstehen. Sollten Staat und Banken das Institut zunächst mit 35 Milliarden stützen, sind es ein paar Tage bereits 50 Milliarden. Der zunächst beschlossene Sanierungsplan scheint zu scheitern.

Das 1.400-Milliarden-Loch

Wurde das IWF für die Prognose eines 1000-Milliarden-Finanzlochs vor Monaten noch scharf kritisiert, erhöhte der Währungsfonds seine Prognose nun auf 1400 Milliarden Dollar. Eine Steigerungsrate von der Aktien derzeit nur träumen.

Selbst Staaten, mit denen man sich in der letzten Zeit eher weniger beschäftigt hat, tauchen in der Tagespresse auf. In Island ist aber nicht nur die Bankbranche betroffen, dort droht sogar ein Staatsbankrott, der zunächst mit russischen Geldern abgewendet worden ist.

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios der Bevölkerung noch ein Vertrauen in unser Finanzsystem abzuringen, wird von Tag zu Tag schwieriger und dennoch wiederholt Frau Merkel in einer Regierungserklärung, dass kein Sparer um seine Einlagen fürchten muss. Ein Gesetz wird aus dieser Erklärung, die von der Opposition heftigst attackiert wurde, jedoch nicht. Die Notwendigkeit für weitere vertrauensbildende Maßnahmen bleibt.

Ob es reicht, dass bis zum vergangenen Wochenende die 700 Milliardenrettung in den USA beschlossen wurde und die Rettung der Hypo Real Estate nun im zweiten Anlauf ein zunächst positives Ende nimmt, bleibt offen. Was für die einen nach einem Happy End aussieht, sehen die Börsen seit Wochenbeginn nämlich anders. Die Nervosität in der Branche steigt von Tag zu Tag. Kaum verwunderlich, fragt man sich doch, welche negative Botschaft Hiob übermorgen wieder parat hat.

Wann hat die Krise ein Ende? Wer wird dies bestimmen? Und können wir das dann auch glauben?

Egal, wer uns die Fragen beantwortet und wie lang die Halbwertzeit der zukünftigen Prognosen ist. Fakt ist, dass die Krise deutliche Auswirkungen auf den Rest der Wirtschaft haben wird. Kaum ein Volkswirt, von dem man derzeit eine gegenteilige Meinung hört. Der Deutsche Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter spricht bereits von einer ausgewachsenen Rezession und einem Nullwachstum in Europa für 2009. In Deutschland wird für 2008 noch ein Wachstum von 1,5% prognostiziert, ein Wert, der für 2009 deutlich in Frage gestellt wird. Optimistischer sieht man dies derzeit beim Bankenverband in Berlin. Auch wenn sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft in den letzten Monaten merklich eingetrübt haben, ist eine globale Rezession nach wie vor nicht zu befürchten, erklärte Prof. Dr. Manfred Weber anlässlich der Vorstellung des Konjunkturberichts für den Monat Oktober. Kommt jedoch ein gegenüber dem Dollar gestärkter Euro im kommenden Jahr hinzu, so ist die Exportsäule in Deutschland massiv gefährdet. Vor allem der Mittelstand, ein weiteres Rückgrad unserer Wirtschaft, beginnt nervös zu werden. In der Industrie befürchtet man eine drohende Kreditklemme, mahnt nun auch der BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf. Machen die Banken den Kredithahn zu oder verteuert sich die Kreditaufname deutlich, ist die Wirtschaft zusätzlich zum schrumpfen verdammt.

Alleine für den Arbeitsmarkt sind die Stimmen derzeit noch freundlich. Die demografischen Auswirkungen sorgen für eine Kompensierung der wirtschaftlichen Delle. Fachkräfte werden nachwievor eher gesucht als entlassen.

Ein Nachtrag zur letzten Ausgabe der BANKINGNEWS sei, verbunden mit dem Dank für zahlreiche Rückmeldungen, erlaubt. Natürlich war die Überschrift in der Betreffzeile ironisch gemeint. Die Krise wurde auch im Elfenbeinturm des BANKINGCLUB in Köln nicht als beendet gesehen. Wenn, dann war das Herbeisehnen eines Endes Auslöser dieser Überschrift, die wir mit dieser Ausgabe gerne korrigieren.

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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