Freitag, 13. Mรคrz 2026
0,00 €

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Fintech reloaded

Traditionelle Banken sollten sich zeitnah zu einer digitalen und offenen Finanzplattform wandeln. Andernfalls verlieren sie mittel- bis langfristig den Anschluss im Wettbewerb fรผr intelligente Finanzprodukte und -dienste. Der Verdrรคngungswettbewerb ist im vollen Gange, viele neue algorithmenbasierte Finanzlรถsungen kommen bereits aus dem Nichtbankensektor. Insbesondere wird die Blockchain-Technologie als dezentrales Peer-to-Peer- (P2P-) Instrument vermehrt als โ€žthe new big thingโ€œ kontrovers diskutiert.

Es sind insbesondere die technologiegetriebenen Marktteilnehmer aus dem Nichtbankensektor, die sich durch den Einsatz von selbstlernenden Algorithmen und kognitiven Systemen erfolgreich im Markt positionieren und Branche um Branche in unterschiedlicher Geschwindigkeit aber รคhnlicher Intensivitรคt aufwirbeln. Parallel dazu wird permanent an diversen neuen Technologien und potentiellen Geschรคftsmodellen auf experimenteller Basis getรผftelt. Diese Entwicklung in Kombination mit der hohen Innovationsdynamik des digitalen Zeitalters fรผhren dazu, dass sich international branchenรผbergreifend flexible undย  plattformbasierte Unternehmensarchitekturen durchsetzen, die in der Literatur gerne als โ€ždigitale ร–kosystemeโ€œ bezeichnet werden. Bekannt sind die Plattformen fรผr ihre sogenannten โ€žWalled Garden-Strategienโ€œ. Vereinfacht lautet ihr Erfolgsrezept: Je lรคnger Konsumenten auf einer einzelnen Plattform verweilen und gemรครŸ ihrer Bedรผrfnisse bedient werden kรถnnen, desto effizienter lassen sich die unterschiedlichen Monetarisierungsstrategien in lukrative Gewinne umwandeln. Dies beweisen beispielsweise die lernfรคhigen Empfehlungsalgorithmen sowie P2P-Bewertungen auf der Plattform des Onlineriesen Amazon.

Kunden werden bequem umworben und bedient

Diese Strategien kommen aber auch bei den Alibabas, Ubers, Apples, Airbnbs, Googles und Facebooks dieser Welt zum Einsatz. Auf den jeweiligen digitalen Plattformen werden uns Kunden bequem und intuitiv die neusten Innovationen mit beeindruckender Geschwindigkeit diktiert. Hinter den Kulissen der groรŸen digitalen ร–kosysteme greifen die Zahnrรคder implementierter Hard- und Software harmonisch ineinander. Durch die optimale Synchronisierung und die Verwendung kompatibler und interoperabler Standards sowie strategischer Programmierschnittstellen (Application Programming Interface, API) werden wir plattformverwรถhnten Konsumenten mit attraktiven Produkten und Diensten bequem, global und vor allem aus einer Hand umworben und bedient.

Der Erfolg gibt ihnen Recht

Der Erfolg vieler marktdominanter Internetplattformen ist nicht von der Hand zu weisen. Ihre Geschรคftsmodelle werden hรคufig von starkem Umsatz- und Gewinnwachstum begleitet und erlauben ihnen somit viele Innovationen, Projekte und Investitionen zur Marktreife voranzutreiben. Die liquiden Mittel sind teils so hoch, dass einige Internetgiganten ihre Fรผhler branchenรผbergreifend ausstrecken und Milliardenbetrรคge auch auรŸerhalb ihrer bisherigen Kernkompetenzen investieren. Die Pipeline mit innovativen Projekten oder Geschรคftsmodellen scheint gut gefรผllt zu sein, denn die Innovationsrate neuer Dienste und Produkte ist bemerkenswert. Wรคhrenddessen wird der digitale Strukturwandel teils aggressiv, vor allem aber ausgestattet mit ausreichend finanziellen Mitteln, weiter vorangetrieben.

Was kรถnnen Banken unternehmen?

Der Technologische Fortschritt setzt die traditionellen Banken zusรคtzlich zu ihren restlichen Herausforderungen in immer kรผrzeren Frequenzen unter Druck. Eine grundlegende, dem digitalen Zeitalter angemessene Reform bietet die Chance, die Stรคrken und insbesondere die bewรคhrten Monetarisierungsstrategien der erfolgreichen digitalen ร–kosysteme zu erkennen und sich zu eigen zu machen. Fรผr traditionelle Banken geht es jetzt also vor allem darum, viele ihrer etablierten Geschรคftsmodelle, Vertriebs- und Kommunikationskanรคle, Produkte, Dienste und Prozesse allumfassend, also auch im Back-End zu reformieren. Insbesondere der Einsatz kognitiver Systeme muss vorangetrieben werden. Dabei spielt das Umdenken bei der Verwendung vorhandener und neu hinzukommender Daten genauso eine Rolle wie der Einsatz moderner Algorithmen bei der Datenanalyse.

Dezentrale Steuerung

Einen weiteren wesentlichen Beitrag (nicht nur) im kรผnftigen Banking verspricht auch der Einsatz von dezentralen P2P-Mechanismen. Die sogenannte Blockchain-Technologie, die z.B. den technischen Handel mit der Kryptowรคhrung โ€žBitcoinsโ€œ ermรถglicht, wird nicht nur den Bankensektor mittel- bis langfristig unter Druck setzen. Immer mehr Fintech-Start-Ups, aber auch groรŸe Player, experimentieren mit der P2P-Technologie, um mรถglichst lukrative Geschรคftsmodelle zur Marktreife zu bringen.
Mit der Blockchain-Technologie (Kette von Transaktionsblรถcken) lassen sich unterschiedliche Transaktionen dezentral, also รผber eine Vielzahl von Servern, relativ kostengรผnstig organisieren. Das kรถnnen Zahlungen in nahezu Echtzeit sein, aber auch Wertpapiertransaktionen oder die Dokumentation und Abwicklung von Vertragsinhalten (aktuelle Diskussion um Smart Contract). Durch den Einsatz lassen sich vor allem Transaktionskosten merklich reduzieren, weil durch die dezentrale Logik der Blockchain-Datenbank keine Intermediรคre zwischengeschaltet werden mรผssen.

Fazit

Natรผrlich steckt sowohl die Diskussion um, als auch die Technologie mit Blockchain noch in den Kinderschuhen. Es gibt (noch) keine Antworten auf die Frage, ob der bestehende regulative Rechtsrahmen dieses Technologiepotenzial รผberhaupt abdecken kann. Die Regulierung wird sicherlich noch an der einen oder anderen Stelle an das digitale Zeitalter angepasst werden mรผssen โ€“ nicht zuletzt, weil viele Regularien noch aus der analogen Zeit stammen. Aber im Prinzip lรคsst sich die dezentrale Blockchain-Technologie durch das Anpassen bzw. Umschreiben von Software auch auรŸerhalb der Welt von Kryptowรคhrungen divers einsetzen.

Bildnachweis: Deutsche Bank Research

Thomas F. Dapp arbeitet im Digital Office der KfW Bankengruppe und verantwortet dort u.a. den Aufbau eines Think Tanks. Zuvor war er viele Jahre als Senior Economist bei Deutsche Bank Research und analysierte den digitalen Strukturwandel.

Neuste Artikel
Bleiben Sie informiert
Einmal pro Woche informieren wir Sie รผber die neusten & wichtigsten Artikel auf BANKINGCLUB.de und รผber aktuelle Events. Fรผr die Anmeldung reicht Ihre Mailadresse und natรผrlich kรถnnen Sie sich von diesem Verteiler jederzeit abmelden.