Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 16. Juni 2010!

  • Negativ-Komplex: Investoren wischen schlechte Nachrichten einfach beiseite
  • Hafen-Komplex: China investiert in Griechenland
  • Daten Perplex: Starke Zunahme der US Industrieproduktion dürften die Marktstimmung weiter heben

Familienministerin Kristina Schröder macht Ernst: Die Frauenquote in deutschen Unternehmen soll angehoben werden. Auf Führungsebene und in den Aufsichtsräten soll mittelfristig ein Frauenanteil von 20% angestrebt werden. Per Gesetz. Die Jogi Löws und Luis van Gaals dieser Welt zittern bereits: Gilt das auch für das Unternehmen "54, 74, 90, 2010" oder das Unternehmen "Titelverteidigung"? Bekommt Schweinsteiger neben sich auf der Doppel-6 eine Schweinsteigerin zugewiesen? Zählt Klose als Frau? Spielt die Hauptrolle im nächsten Sommermärchen eine Fee?
 
Bald kommt der Vorschlag, eine ausschließlich mit weiblichen Analystinnen besetzte europäische Ratingagentur zu gründen. Den Damen wird eine höhere Sensibilität nachgesagt. Unterschwellig könnte sich die von Männern dominierte Führung Europas davon eine einfühlsamere Bewertung der Kreditwürdigkeit ihrer Mitgliedsstaaten erhoffen. Alternativen zu dem etablierten Oligopol aus Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch müssen nach deren Meinung dringend auf den Tisch. Denn nach dem seit langem angekündigten Downgrade für Griechenland am Vorabend war gestern wieder kollektives Agency-Bashing angesagt. Moody’s Entscheidung, hellenische Staatsanleihen mit Junk-Status zu versehen, sei "nicht nachvollziehbar", "unglücklich", "inkonsistent", "falsch" und "enttäuschend" hieß es unisono aus Athen, Brüssel und Berlin. Halten wir noch mal fest: Griechenland ist ein Staat mit einem zweistelligen Haushaltsdefizit und einer auf 150% des BIP anschwellenden Staatsschuld, der nicht mehr in der Lage ist, sich selbst an den internationalen Kapitalmärkten zu refinanzieren. Diese elementaren Eckdaten dürfen wir bei all der Begeisterung über die in die Wege geleiteten Reform- und Sparmaßnahmen nicht übersehen.
 
Hilfe für Griechenland naht aus dem Reich der Mitte. Medienwirksam unterzeichneten gestern Vertreter aus China in Athen Verträge über mehr als ein Dutzend Investitionsprojekte in Griechenland. Auf der Suche nach potenten Geldgebern tauchte bereits vor einem halben Jahr der Vorschlag auf, der chinesische Staatsfonds solle Griechenlands Schulden übernehmen. Dadurch bekäme China Zugang zu den Piräus’schen Hafenanlagen und damit die Eintrittskarte, den Balkan und Rest-Europa über den Seeweg mit Spielzeug und elektronischem Gerät zu überschwemmen. Im Gegenzug müsste sich die Rehakles-Truppe verpflichten, seine Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiele als Punktelieferant künftig in der asiatischen Gruppe auszutragen.
 
Während das chinesische Engagement in Griechenland eine wirtschaftlich positive Nachricht ist, mussten sich die Anleger gestern auch mit allerlei negativen Meldungen auseinandersetzen: Das Moody’s-Downgrade wird zur Folge haben, dass griechische Anleihen praktisch aus allen gängigen Rentenindizes herausfliegen werden. Passiv-Fonds sind damit gezwungen, ihre Bestände abzustoßen. Die EZB nimmt in Zukunft einen 5%igen Haircut vor, wenn ihr bei Tendergeschäften hellenische Anleihen als Sicherheit angeboten werden . Zuletzt wurden diese Bonds noch zu 100% akzeptiert. (Bei aller Kritik an den Rating-Agenturen überrascht, wie abhängig die EZB weiterhin von deren Bewertungen ist.) Der ZEW Index bricht um 17 Punkte ein. Der US Immobilienmarktindex NAHB stürzt um 5 Punkte ab. Spanien verlangt, die Ergebnisse des europäischen Stress-Tests für Banken offenzulegen. Die EU fordert von Spanien und Portugal abermals weitere Sparanstrengungen ein.
Aber all das beeinflusste die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten nicht. US Aktien steigen um 2%, EUR-USD erholt sich auf über 1,23, der Bund Future fällt auf 128 Punkte, Öl fester, Volas runter… Erfolgreiche Auktionen in Spanien (Bills) und Irland (Bonds) machten alle Anleger narrisch. Andere Marktteilnehmer sprechen hingegen von der "Mutter aller Short-Covering Rallyes" im Vorfeld des Halbjahresendes. Sei es, wie es ist, heute könnte es weiter gehen. Erwartet werden superstarke Zahlen zur US Industrieproduktion und ordentliche US Immobilienmarktdaten. Denn Barrack Obama plant ein Gesetzt, wonach in Zukunft 20% aller Hauskäufe von Frauen getätigt werden sollen…
 
Purpsis Eckball:
Hopp Schwiiz! Macht keinen Füdlipass, dann gewinnt die Nati sogar gegen Spanien!


Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

© Foto by loooby – www.istockphoto.com/© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG
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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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