Guten Morgen, heute ist Mittwoch, der 21. Juli 2010 !

  • Jour fixe: Bankenchefs finden sich zum Tête-à-tête bei Trichet ein
  • Get-together: Marktteilnehmer stemmen sich Hand-in-Hand gegen die schlechte Nachrichtenlage
  • Come-in-and-find-out: Fed-Präsident Bernanke hält seine halbjährliche Ansprache
Einer der vier Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft macht derzeit wieder von sich reden. Als aktiver Kicker ein eifriger Spielführer und großer Kämpfer, sucht L.M. seit seinem Karriereende im Herbst 2000 nach Orientierung und Halt im beruflichen wie im privaten Leben. Soeben musste M. eingestehen, dass wohl auch seine vierte Ehe vor dem Aus stünde. Paparazzi hatten seine Frau dabei beobachtet, wie sie sich auf einem Segelboot mit einem Anderen vergnügte. Die Medien verbreiteten in ihrer täglichen (minütlichen?) Berichterstattung einen Begriff, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seinen Weg in unseren allgemeinen Wortschatz finden wird: Das Fremdküssen. In einigen Internet-Foren wird diskutiert, ob das Fremdküssen eine Form des Fremdgehens sei. Die aktuellen Diskussion um die Libido unseres Liberos bzw. seiner Ex beantwortet diese Frage klar mit "Ja".

Vor etwa zwei Jahren brachte es eine dem Fremdküssen ganz ähnliche Wortschöpfung zu Ruhm und Ehren: Das Fremdschämen. Wenn man sich für etwas schämt, was ein anderer getan hat, dann ist das Fremdschämen. Während der Bankenkrise haben sich viele Banker für das Verhalten einiger ihrer Kollegen fremdgeschämt. Vielleicht taucht dieses Gefühl im Zusammenhang mit den in Kürze zur Veröffentlichung anstehenden Ergebnissen des Banken-Stresstests ja wieder auf: Oh, ich schäme mich so für die miserable Kernkapitalquote der Bank XY… Der Tag rückt näher, an welchem die Details der Bilanz-Fremdprüfung zutage treten. Am Freitag ab 18 Uhr werden nach dem Prinzip des publication-by-salamitatics nach und nach Zahlen und Namen genannt. Institute, welche den Test nicht bestanden haben, sollen sich fremdkapitalisieren lassen. Entweder auf dem freien Markt, oder mit Hilfe staatlicher oder gar europäischer Stützungseinrichtungen. Bereits heute finden sich die Chefs der größten europäischen Bankhäuser zur Audienz beim EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet ein. Am Rande dieser Veranstaltung werden sicherlich zahlreiche weitere Spekulationsblasen losgelassen, welches Institut möglicherweise wie viel frisches Eigenkapital (nicht Fremdkapital!) benötigt.

Keine 36 Stunden vor Veröffentlichung wird es zunehmend fraglich, ob die Stresstestergebnisse überhaupt einen messbaren Einfluss auf das Handelsgeschehen haben werden. Die Nervosität der Anleger scheint sich in überschaubaren Grenzen zu halten. Die Marktstimmung ist dergestalt, sich nicht durch einzelne negative Entwicklungen aus der Ruhe bringen zu lassen. Die gestrigen Quartalsergebnisse von Goldman Sachs waren alles andere als begeisternd, aber die Goldman-Aktien konnten mit einem Intraday-Plus von über 5% schließen. Die Baubeginne in den USA gingen nach einem auf 15% revidierten Einbruch im Vormonat um weitere 5% zurück. Auf das Jahr hochgerechnet gab es im Juni nur 550 Tausend Spatenstiche. Zu Zeiten des Immobilienbooms waren es vier Mal so viele. Aber: Die Baugenehmigungen konnten leicht zulegen. Und so waren es nicht zuletzt die Papiere aus dem Bausektor, welche den US Aktienmärkten gestern zu einem Plus von 2½% verglichen mit ihrem Tagestief verhalfen. Wie gesagt: Fremdärgern ist Out, man denkt derzeit lieber positiv. Auch in Europa: Die Angst vor einem möglichen Fremdentschulden einiger Mitgliedsstaaten der Währungsunion ist nach zahlreichen erfolgreichen Anleiheauktionen in den kritischen Ländern der Zuversicht gewichen. Der Euro stabilisiert sich bei 1,29.

Als Höhepunkt des Tages sticht heute die früher mal als Humphrey-Hawkins bekannt gewordene Rede des Fed-Präsidenten Ben Bernanke heraus. Leider wurde sie auf heute Abend 20 Uhr MEZ verschoben. Bei der letzten Sitzung des geldpolitischen Rates nahmen die Zweifel über den Wachstumsausblick zu. Sogar das Wort "Deflation" machte die Runde. Spekulationen, die Fed würde ihr geldpolitisches Instrumentarium erneut lockern, befeuerten die Märkte gestern zusätzlich. Bernanke wird wohl den Geist der letzten FOMC Minutes wiedergeben. Für Anleger im Rentenmarkt könnte dies weitere Kursgewinne bedeuten. Und am Devisenmarkt profitierte der Euro in Form einer in der Dollarschwäche begründeten Fremdaufwertung…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by simonmcconico – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG
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Kornelius Purps ist Fixed Income Strategist bei der UniCreditBank AG.

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