Für Joseph hat sich das Blatt gewendet

Der 27. Mai 2015 darf als historisches Datum in der Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption angesehen werden. In einer kinoreifen Aktion nahmen Schweizer Behörden sieben hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbandes Fifa wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern fest. Ist dies das Ende der korrupten Machenschaften, die vom Bürger immer beklagt werden? Wird nun nicht länger weggesehen? Ein Kommentar.

Welch ein Jammer! Da liegt man wohl behütet im Fünf-Sterne-Hotel „Baur au Lac“, träumt von russischen WM-Austragungsorten (vielleicht sogar auf der Krim) oder von klimatisierten Stadien in der Wüste und plötzlich stürmen irgendwelche Männer das Zimmer und klagen einen wegen Bestechungsgeldern an. Wahrlich, so mancher Fifa-Funktionär hat sich seinen Aufenthalt in der Luxusabsteige bestimmt anders vorgestellt. Man ist doch sonst immer davon gekommen. Während sich Großunternehmen wie die Deutsche Bank von einem Gerichtstermin zum nächsten hangeln, wurde die Parallelgesellschaft des Sports zumeist in Ruhe gelassen – und Fifa-Präsident Joseph Blatter konnte stets seine Unschuldsmine aufsetzen.

Druck aus den USA bringt den Durchbruch

Seit einigen Jahren rauchen bei US-Fahndern die Köpfe, wenn es um die dubiosen Machenschaften rund um die Fifa geht. Nicht nur FBI-Chef James Comey attestierte dem Verband ein ums andere mal mafiöse Attribute. Zu solchen Aussagen veranlasste unter anderem der ehemalige Fifa-Vorstand Chuck Blazer, der nach dem Gestehen verschiedener Delikte wie Geldwäsche, Steuerhinterziehung und auch Verschwörung mittlerweile eng mit dem FBI zusammenarbeitet. Und er muss es ja schließlich wissen, könnte man jetzt schlussfolgern. Weitere Hinweise sind vom ehemaligen Vizepräsidenten, Jack Warner, zu erwarten. Dieser hat sich nun ebenfalls den Behörden gestellt und es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass es kaum jemanden gibt, der mehr Interna kennt, als der 72-Jährige. Sollte er die Karten auf den Tisch legen, kann sich Joseph Blatter warm anziehen. Viele sehen in Warner ein Bauernopfer Blatters, weil er vor vier Jahren seinen Rücktritt wegen anhaltender Korruptionsvorwürfe einreichte. Damals ging es um die Entscheidung für die Austragung der kommenden WM-Turniere in Russland 2018 und im Katar 2022. Es ist beruhigend, dass die Fifa-Kommission für Ethik und Fairplay im November die beiden Austragungsorte vom Vorwurf der Korruption bei der Vergabe der Turniere freigesprochen hat. Ironischerweise eröffnet nun die schweizerische Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen – Sie ahnen es sicherlich – genau dieser beiden Turniere und deren fragwürdiger Vergabe.

Englischer Verband fordert Rücktritt Blatters

Die Ausschläge der Ereignisse lassen nun natürlich zu, dass sich auch andere Verbände zu diesem Thema äußern. Greg Dyke, der Präsident des englischen Fußballverbandes, fordert nun harsche Konsequenzen und einen Rücktritt Blatters, der ja eigentlich in seine fünfte Amtszeit „gewählt“ werden will. Laut Dyke sei es nun an der Zeit, das Vertrauen in die Fifa wiederherzustellen. Na, viel Glück dabei. Selbst, wenn Joseph Blatter der faulste unter den Äpfeln in der Fifa-Kiste sein sollte, so hätte er die anderen bestimmt schon so angefault, dass zeitnah kaum auf Besserung zu hoffen ist. Die vor ein paar Jahren ins Leben gerufene Kommission für Ethik und Fairplay ist längst zu einer Farce geworden, mit der man scheinheilig Transparenz vorgaukelt. Nicht ohne Grund wurde der Fifa im Jahr 2012 von der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ der Preis „Verschlossene Auster“ für das konstante Abblocken kritischer Medienanfragen verliehen. Dabei befindet sich der Verband in guter Gesellschaft: 2007 konnte sich bereits Wladimir Putin in den Olymp der stolzen Preisträger einreihen. Seine Qualifikation war die Behinderung der freien Presse in Russland. Apropos Russland: Deren Außenministerium verlangt nun von Washington, sich nicht als Richter außerhalb seiner Zuständigkeit aufzuspielen. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang mit der Vergabe des WM-Turniers 2018 vermutet.

Wird am Ende alles gut?

Den neutralen Beobachter steht eine spannende Zeit bevor. Nun gilt es aber mehr denn je, das Kind beim Namen zu nennen und diesen korrupten Machenschaften ein Ende zu setzen. Das fängt bei gekauften Stimmen bei Wahlen und Austragungsorten an, geht über die intransparente Außendarstellung eines der mächtigsten Verbände der Welt und endet schließlich bei menschenfeindlichen Arbeitsbedingungen für den Stadionbau im Katar – selbst wenn unser aller Kaiser betont, er habe dort keine Sklaven gesehen.

TEILEN
Vorheriger ArtikelSind Fintechs die besseren Banken?
Nächster ArtikelGrau ist jede Theorie
Christian Grosshardt, Jahrgang 1986, verfügt über mehr als sechs Jahre Berufserfahrung in Print- und Online-Journalismus. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau. Christian Grosshardt betreut BANKINGNEWS seit der ersten Printausgabe und ist seit August 2016 stellvertretender Chefredakteur.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*

code