Von Kornelius Purps, Fixes Income Strategist bei der UniCredit Research

• Titanic: Mittelstandsfinanzierer CIT Group sortiert sich im Konkurs neu – Märkte unbeeindruckt
• Die Drei Musketiere: Fed, Bank of England und EZB mit wichtigen Entscheidungen
• Versöhnung im Hunsrück: Aktienmärkte erholen sich von der letztwöchigen Korrektur

„Gammelfleisch“ ist der Ausdruck, der heutzutage jeden Besuch beim Dönermann zum Vabanquespiel werden lässt. Bekomme ich frisches Lamm- oder Hühnerfleisch, oder drehen sich da am Spieß die Supermarkt-Remittenden aus den Wendejahren? Jetzt bekommt die Döner-Industrie eine ganz außergewöhnliche Werbeikone an die Seite gestellt: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Testweise wirbt ein ukrainischer Dönermann auf dem Bahnhofsvorplatz von Odessa mit dem Konterfei Merkels, mit einem 80 cm langen Messer in der Hand, gleich so, als wolle sie nicht nur das Fleisch, sondern mit ihm auch gleich alle Steuern und zu Guttenbergs Haare stutzen. Jetzt warten wir alle auf die Produktinnovation: den Döner aus Schweinefleisch. Als Ort für „Merkels Ferkel Döner“ empfehle ich den Bahnhofsvorplatz in Probstzella.
„Gammelbank“ wäre das Pendant zum Reste-Döner in der Finanzbranche. Mit der CIT Group Inc. in den USA hat es nun nach langer Zeit mal wieder ein solches Institut erwischt. Als Mittelstandsfinanzierer und Leasinggeber genießt CIT in den USA, Medienberichten zufolge, einen guten Ruf. Über eine Million Kunden und eine Bilanzsumme jenseits der 70 Milliarden US Dollar legen dafür Zeugnis ab. Aber Managementfehler, Anlagen in Subprime-Produkte und vermutlich eine mit Gammelfleisch verunreinigte Kantine zwangen das Institut am Wochenende in die Knie. In einem geordneten Chapter 11 Konkursverfahren mit Hilfe einer $1-Mrd.-Finanzspritze des Großgläubigers Icahn soll die ordentliche Fortführung des Geschäfts gesichert werden.
Die CIT-Pleite kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern hatte sich über die vergangenen Wochen bereits angekündigt. Insofern hält sich die Aufregung darüber an den Finanzmärkten in engen Grenzen. Ich habe jedenfalls nicht den Eindruck, als würden die Märkte in Fernost einen auf Panik machen und alles verkaufen, was nicht bei drei staatlich garantiert ist. Am vergangenen Freitag hatte noch eine allgemeine Verunsicherung über die Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Konjunkturerholung zu Kurseinbrüchen geführt. Umfangreiche Gewinnmitnahmen zum Monatsende taten ihr Übriges und verursachten an den Aktienmärkten Kursrückgänge von im Schnitt 2½% bis 3%. Von seinem Hoch von 5.888 Punkten hat der Dax beispielsweise per Freitag Abend mehr als 8% eingebüßt.
Und schon sind sie da, die Befürchtungen: War es das mit dem Aufschwung der Wirtschaft? War es das mit dem Aufschwung an den Aktienmärkten? Oder soll man diese „nette Korrektur“ nutzen, um seinen seit März aufgeschobenen Einstieg in die Dividendenwelt nachzuholen? Mit Verweis auf unsere Aktienstrategen heißt die Antwort ganz klar: Einsteigen! Die „Kombination aus erfolgten Kostensenkungsmaßnahmen und Anziehen der globalen Nachfrage“ spreche weiterhin für eine größere Wahrscheinlichkeit positiver Überraschungen in den Unternehmensbilanzen.
Maßgeblich für die Entscheidung „Einsteigen oder nicht“ werden auch die Einschätzungen der drei Zentralbanken Fed, Bank of England und EZB in dieser Woche sein. Hier kurz unsere Einschätzungen zu den Kernfragen: Die Fed wir das „extended period“ in ihrem Statement stehen lassen. Die BoE wird ihr Kaufprogramm für Bonds von GBP 175 Mrd. auf 225 Mrd. ausweiten. Und die EZB wird vorsichtig darlegen, wie sie im kommenden Jahr gedenkt, ihre Liquiditätsoperationen zurückzufahren. Die Fed- und BoE-Entscheidungen wären gleichermaßen sehr positiv für die Renten- und moderat positiv für die Aktienmärkte. Die EZB-Entscheidung wäre wohl leicht negativ für die Renten- und neutral für die Aktienmärkte. Bei sich insgesamt stabilisierender Marktstimmung sollte sich EUR-USD wieder erholen und in Richtung 1,50 marschieren können.
Montag früh zeigten sich die US Aktienfutures leicht erholt (S&P: +0,4%). An den Anleihemärkten wird ein Teil der Gewinne vom Freitag abgebaut (US Treasuries: +2 bis 3 Bp.). EUR-USD steigt von weniger als 1,47 auf aktuell 1,4750. Es sieht, trotz CIT, also nicht nach einer Fortsetzung der jüngsten Korrekturbewegungen aus. Spannung liegt im ISM und den Zahlen zu den schwebenden Hausverkäufen (beide 16:00h). Mit etwas Glück ist die Phase der Gammelmärkte schon wieder vorüber…

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen. Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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