Der Doppelnull-Agent des britischen Geheimdienstes hat bisher 22-mal die Welt vor den Bösen gerettet. Retten Eurobonds Europa oder kommt jetzt ein europäischer Währungsfonds?

In der vergangenen Woche sind die Schleusen der EZB für den Ankauf von Staatsanleihen geöffnet worden. Die Börsen reagierten mit heftigen Erleichterungen, der DAX hat seinen Punkteverlust seit Anfang November kompensiert und lag letzte Woche wieder bei über 6.000 Punkten.

Entwarnung? Mitnichten. Noch immer liegen die Nerven blank. Die letzte Tranche Bundesanleihen konnte nicht komplett an den Investor gebracht werden. Beinahe alle Euro-Länder verzeichnen einen Abschlag zu deutschen Bundesanleihen, auch Länder, deren Verschuldungsgrad noch unter Deutschland liegt.

Deutschland kommt jetzt eine bedeutende Rolle zu. Ähnlich wie in den 80er Jahren als Helmut Kohl die Zeit reif sah und die Führung bei der Gestaltung des Euros übernahm. Eben wegen dieser Verantwortung für Deutschland kritisieren viele die Kanzlerin für ihre starre Haltung gegenüber Euro-Bonds. Euro-Bonds und alle Ausprägungen und Namen, die für dieses Konstrukt derzeit gefunden werden, können aber ohne ein System von gegenseitigen Garantien der Euro-Länder untereinander kaum funktionieren. Gegenseitig ist hier das Stichwort, denn wenn Deutschland versucht, zu stark und zu einseitig bei den Nachbarn reinzuregieren, werden die Nachbarn wohl kaum mit einer La Ola reagieren. Dennoch sehen viele, dass in den letzten Tagen die Fronten gegen Eurobonds auch hierzulande löchrig werden.

Kritiker und Fachexperten mahnen zur Eile. Politiker verschleppen die Probleme und verschlimmern das Ausmaß eines möglichen Desasters. Robert J. Shiller, Ökonom an der Yale-Universität, mahnt die Europäer mehr Geld in die Märkte zu pumpen, um so die Überlebensfähigkeit des Euros zu gewährleisten. Wir müssen zeigen, dass der Euro ein irreversibles Projekt ist, so EU-Ratspräsident, Herman Van Rompuy. Kein Plan und keine Simulation können die Folgen abschätzen, wenn der Euro zerbricht. Kettenreaktionen sind – das hat schon die Lehman-Krise gezeigt – unvorhersehbar.

Heute brüten Sarkozy und Merkel nun über ein neues Rettungsprojekt. Ein europäischer Wahrungsfonds soll den Euro und Europa retten. Eine europäische Wirtschaftsregierung könnte mit qualifizierter Mehrheit über Hilfen, die nur bei gegebener Haushaltsdisziplin gezahlt werden, entscheiden. Eurobonds wären damit vom Tisch, der EFSF könnte im geplanten Währungsfonds aufgehen und die Kanzlerin könnte gesichtswahrend ihre Blockadehaltung gegen die Eurobonds aufgeben und als Geburtshelferin für den Währungsfonds antreten.

Europa drückt Angela Bond die Daumen bei der Rettung von Europa.

Fotocollage von Prill Mediendesign & Fotografie und Zoran Kolundzija – www.istockphoto.de

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Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Gründer und Geschäftsführer der BANKINGCLUB GmbH. Der Profinetzwerker zählt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugänglich zu machen.

Außerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Herausgeber der BANKINGNEWS, welche 10 Jahre lang als Onlinemagazin und seit Sommer 2014 als Printzeitung (7.500 Empfänger) erscheint, sowie Autor verschiedener Fachbücher und Buchbeiträge.

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