Guten Morgen, heute ist Freitag, der 17. September 2010 !

  • 200 Jahre: Morgen eröffnet die Jubiläumswiesn mit einem Preisanstieg von 3,4%
  • 100 Tage: Mit Blick auf Weihnachten bietet sich als Geschenkidee ein goldener Maßkrug an
  • 100 Stunden: Das FOMC-Statement am nächsten Dienstag könnte – mal wieder – richtungsweisend sein
 
Nehmen wir mal den unwahrscheinlichen Fall an, Sie hätten am Ende der Wiesn 2009 noch Geld übrig gehabt. Dieses hätten Sie anlegen können. Nein, Sie hätten es anlegen müssen. Denn die Wiesn ist teuer. Wie der legendäre Wiesnbesucherpreisindex unserer Volkswirte zeigt, stiegen die Kosten eines Standard-Wiesnbesuchs seit 1985 im Schnitt um 3,8 Prozent jährlich und damit fast doppelt so stark wie die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten. Für dieses Jahr wird eine Wiesn-Inflation von 3,4% erwartet. Sie kommen also vom letzten Wiesntag 2009 mit glasigen Augen ins Büro und treffen eine Anlageentscheidung. Und weil Konstantinos, den Sie am Vorabend im Hippodrom kennengelernt hatten, so nett war, entscheiden Sie sich für Griechenbonds. Dann müssen Sie dieses Jahr leider zuhause bleiben: 25% Verlust. Dann doch lieber Tagesgeld, der 12-Monats Euribor stand seinerzeit immerhin bei 0,69%. Bundesanleihen hätten Sie mit 7,5% und damit in etwa der doppelten Wiesn-Inflation entschädigt. Ein DAX-Investment hätte 14% abgeworfen. Aber am besten wäre es gewesen, Sie hätten einen gold‘nen Maßkrug gekauft: Dieser hätte Ihnen nicht nur beim Konterbier am Nachwiesnmontag nützliche Dienste geleistet, er wäre seither auch im Wert um über 40% angestiegen – und das vor Berücksichtigung irgendwelcher Sammlerkurse.

Jeden Tag erklimmt der Goldpreis ein neues Allzeithoch. Aktueller Stand: 1.279 US Dollar, oder 974 Euro. Hurra, wenigstens eine Anlageklasse, welche dieser Tage einen klaren Preistrend ausweist. Ansonsten herrscht nämlich tendenziell eher Ratlosigkeit: Aktien fester oder schwächer? Ja, äh…, nö… Renten? Eigentlich fester, aber seit ein paar Tagen deutlich schwächer, aber das muss ja nichts heißen. Euro fester oder schwächer? Eigentlich schwächer, aber seit einigen Tagen deutlich fester. Das liegt wohl alles am Ausblick für die globale Konjunkturentwicklung: Eigentlich schwächer, aber seit einigen Tagen nicht mehr ganz so viel schwächer wie ursprünglich befürchtet…

Als Analyst stürzt man sich in derart wackeligen Zeiten gerne auf die Zentralbanken und hofft, diese würden den Märkten eine klare Richtung vorgeben können. Am kommenden Dienstag steht glücklicherweise eine Ratssitzung der US Notenbank an. Einziger Tagesordnungspunkt: Wann, beziehungsweise unter welchen Bedingungen, kommt es zu einer Ausweitung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen? Die meisten Analysten, auch wir, sind, unterstützt von entsprechenden Fed Watcher-Berichten in den einschlägigen Medien, der Überzeugung: Am Dienstag wird es diesbezüglich noch keine konkrete Ankündigung geben. Heißt das, wir müssen uns auf eine Fortsetzung dieser „Gold-fest-alles-andere-Waka-Waka“-Marktbewegungen einstellen? Nicht unbedingt. Hält nämlich die Fed die Erwartungen hoch, dass eine Ausweitung der Anleihenkäufe im Spätherbst möglich sein könnte, müssten wir zumindest in zwei Marktsegmenten eigentlich so etwas wie eine Trendentwicklung sehen: Im Währungsmarkt einen schwächeren Dollar. Und im Rentenmarkt niedrigere Renditen.

Einen kleinen Hinweis auf die mögliche Entscheidung des US Notenbankausschusses sollten wir bereits heute bekommen: Für die USA werden die Inflationszahlen für den Monat August veröffentlicht. Erwartet werden leichte Monatsanstiege in Haupt- und Kernrate, welche die Jahresraten bei nahe 1% stabilisieren sollten. Nur mal angenommen, die Jahresraten fallen auf weniger als 1%, dann würden einige im Federal Open Market Committee bestimmt kalte Deflationsfüße bekommen…
 
Ab morgen dürfen wir alle unsere Zins-, Dividenden- und Kurserträge der letzten 11½ Monate auf dem größten Volksfest der Welt liquidieren. Noch nüchtern, sollten wir uns bereits heute Gedanken darüber machen, wo mögliche Liquiditätsüberschüsse am 5. Oktober angelegt werden sollten. Tagesgeld? Bunds? Aktien? Kaum jemand würde wohl bei einer dieser Anlageklassen für die kommenden 12 Monate Erträge von rund 10% erwarten. Spätestens nach Einbeziehung von Nutzwertüberlegungen bietet sich also erneut der goldene Maßkrug an. Mutige dürfen auch Griechenbonds kaufen. Hier würde ich aber zunächst versuchen, von Konstantinos einen aktuellen Stimmungsbericht einzuholen…
 
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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

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